Sie schleusten Frauen und Transsexuelle ein und beuteten sie aus: Bei einer bundesweiten Groß-Razzia gegen eine Rotlicht-Bande wurden über 100 Personen festgenommen.

Es war nach Angaben der Bundespolizei die größte Razzia ihrer Geschichte: Seit dem frühen Mittwochmorgen hatten mehr als 1.500 Beamte Gebäude durchsucht.

Die Aktion richtete sich gegen eine deutschlandweit agierende Rotlicht-Bande. Dabei wurden mehr als 100 Personen vorläufig festgenommen und sieben Haftbefehle vollstreckt..

Seehofer: Beispielloser Schlag gegen "bundesweites Netzwerk"

Vorausgegangen waren der Aktion monatelange Ermittlungen, deren Ausgangspunkt ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Hanau in Hessen war.

Die Ermittlungen hatten dann einen immer größeren und bundesweiten Umfang angenommen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nannte die Groß-Razzia der Bundespolizei einen beispiellosen Schlag gegen "ein bundesweit verzweigtes Netzwerk". Insgesamt wurden dabei mehr als 60 Wohn- und Geschäftsräume durch die Beamten durchsucht.

Im Fokus stand eine Bande, die thailändische Frauen und Transsexuelle nach Deutschland geschleust haben soll, um sie hier als Prostituierte arbeiten zu lassen. Etwa 15 bis 20 Menschen mit deutscher und thailändischer Staatsbürgerschaft werden der Gruppe zugerechnet.

Viele der festgenommenen Personen wurden in den durchsuchten Bordellen und Massagesalons angetroffen. In zahlreichen Fällen bestehe zumindest der Verdacht des illegalen Aufenthaltes.

Auch die GSG 9 kam zum Einsatz

In Siegen kam auch die Spezialeinheit der Bundespolizei, die GSG 9, zum Einsatz. Hier leben die Hauptverdächtigen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte: eine 59-Jährige aus Thailand und ihr 62 Jahre alter deutscher Lebensgefährte.

Das Paar soll gemeinsam mit weiteren Mittätern ein bundesweites Netzwerk aufgebaut haben.

Wie die Bundespolizei mitteilt, seien die eingeschleusten Menschen "im Rotationsprinzip" in Bordellen eingesetzt worden: "Sie mussten den Erkenntnissen zufolge nahezu 100 Prozent ihres Arbeitslohns an den jeweiligen Betreiber des Massagestudios abführen, um so den Schleuserlohn abzuarbeiten." Dieser soll regelmäßig zwischen 16.000 und 36.000 Euro betragen haben, heißt es in der Mitteilung weiter.

Der Ertrag der Schleuserbande habe damit wohl im siebenstelligen Bereich gelegen.

Regionale Schwerpunkte der Aktionen waren Nordrhein-Westfalen mit 17 durchsuchten Einrichtungen, Hessen (10), Niedersachsen und Baden-Württemberg (je 9), teilte die federführende Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit.

Bei dem Zugriff in Siegen habe es keine Zwischenfälle gegeben: "Der Einsatz ist ruhig verlaufen." (dh/dpa)