Atompilz über Hiroshima: Der Tag an dem sich die Welt änderte

Vor genau 75 Jahren setzen die Amerikaner die erste Atomwaffe gegen Japan ein. Eine Tragödie in Bildern.

Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht können die Alliierten ihren vollen Fokus auf Japan richten. Noch immer befinden sich weite Teile Asiens unter japanischer Kontrolle. 1945 beginnen die Planungen für eine amerikanische Invasion der japanischen Hauptinsel Honshû.
Während die Kämpfe im Pazifik weiter toben, arbeiten die USA an ihrer Geheimwaffe. Im Rahmen des "Manhatten-Projects" konstruieren hunderte Wissenschaftler in Los Alamos (Nevada) die erste Atombombe der Welt - Die "Trinity Bomb" (Dreifaltigkeits-Bombe).
Am 16. Juli 1945 ist es schließlich soweit, die Detonation der "Trinity Bomb" erschüttert die Erde. Für die Vereinigten Staaten ist der "Trinity-Test" ein voller Erfolg.
Im Rahmen der Potsdamer Konferenz eröffnet Harry S. Trumann, der 33. Präsident der Vereinigten Staaten, gegnüber den Alliierten, dass sich die USA nun im Besitz einer neuen "Superwaffe" befinden. Drei Wochen später wird er den Befehl zum Abwurf von Atombomben über Japan geben. Er erhofft sich, so einen monatelangen Krieg verhindern zu können.
Eine weitere Uranbombe mit dem Nicknamen "Little Boy" (kleiner Junge) wird noch am Tag des "Trinity-Tests" auf die Pazifikinsel Tinian verschifft, um für den Einsatz vorbereitet zu werden. Am 31. Juli ist die tonnenschwere "Little Boy" schließlich einsatzbereit. Der geplante Start am 1. August muss jedoch aufgrund eines Taifuns abgesagt werden.
Am 4. August 1945 erhält Paul Tibbits (Mitte), B29-Bomberpilot der US Air Force, unter strengster Geheimhaltung seinen neuen Auftrag: den Abwurf von "Little Boy" über der japanischen Großstadt Hiroshima.
Am Montag den 6. August 1945 hebt der B-29 Bomber "Enola Gay" vom US-Militärstützpunkt auf Tinian in Richtung Iwo Jima ab. In den extra modifizierten Bombenschächten führt die "Enola Gay" die bis dato zerstörerischste Waffe der Menschheitsgeschichte mit sich.
Nachdem die "Enola Gay" Iwo Jima erreicht hat, setzt die Besatzung Kurs auf Japan. Um 8:15 Uhr Ortszeit erreicht die "Enola Gay" ihren Abwurfpunkt über Hiroshima. Die Bombe wird ausgeklinkt und "Little Boy" stürzt in Richtung Boden. Pilot Paul Tibbits dreht seine Maschine sofort ab, um der kommenden Druckwelle so gut es geht zu entkommen.
Circa 45 Sekunden nach Abwurf explodiert "Little Boy" in einer Höhe von 600 Metern über der japanischen Metropole. Innerhalb von Sekunden steigt eine gigantische Rauchwolke kilometerweit in den Himmel. Achtzig Prozent der Innenstadt sind in Sekundenbruchteilen dem Erdboden gleichgemacht.
Die Großstadt Hiroshima wird von einem elf Quadratkilometer großen Feuersturm verschlungen. Der für Atombomben typische Atompilz steigt bis auf eine Höhe von dreizehn Kilometern und trägt dabei Material mit sich, welches in den kommenden Minuten als radioaktiver Niederschlag zurück auf die Erde fallen wird.
Nachdem sich der Rauch gelegt hat, ist Hiroshima nicht mehr wiederzuerkennen. Schätzungsweise 70.000 Häuser sind auf einen Schlag zerstört oder stark beschädigt worden.
Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich ungefähr 245.000 Menschen in Hiroshima, etwa 140.000 davon lebten im Stadtzentrum.
Etwa 80.000 Menschen starben sofort an der Druckwelle und dem darauf folgenden Feuersturm. Bei Menschen, die sich im Stadtzentrum aufhielten, wurden die oberen Hautschichten innerhalb von Sekunden regelrecht verdampft.
Die durch die Explosion erzeugte radioaktive Strahlung tötete in den folgenden Wochen zahlreiche weitere Bewohner der Stadt.
Schätzungen zufolge starben bis zum Jahr 1946 bis zu 166.000 Menschen an den direkten Folgen der Atombombe. Auch in den Dekaden nach der Explosion fordert "Little Boy" unzählige Leben. Bis heute sterben ehemalige Bewohner Hiroshimas an Krebserkrankungen als Langzeitfolge der immensen Strahlungsbelastung.
Auch Jahre später, wie hier im Jahr 1948, ist Hiroshima ein Trümmerfeld. Der Wiederaufbau der Stadt wird zum Jahrtzehnte andauernden Großprojekt.
Heute, 75 Jahre nach dem Aufblitzen des gigantischen Feuerballs von "Little Boy", ist Hiroshima ein beliebter Urlaubsort. Die Strahlungsbelastung in der Stadt ist trotz ihrer düsteren Geschichte nicht höher als in anderen Städten der Welt.