In rund der Hälfte aller US-Bundesstaaten gibt es die Todesstrafe. Überwiegend werden zum Tode Verurteilte mit der Giftspritze hingerichtet. In Idaho gibt es jetzt eine Alternative, die die Bürgerrechtsorganisation ACLU als "besonders grausam" bezeichnet.

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Zum Tode Verurteilte könnten im US-Bundesstaat Idaho bald per Erschießungskommando hingerichtet werden. Der Senat des Bundesstaates im Norden der USA verabschiedete gestern ein entsprechendes Gesetz, wie US-Medien berichteten.

Todesstrafe in den USA: Zahl der Hinrichtungen nimmt kontinuierlich ab

Nach Angaben des Informationszentrums für Todesstrafe (DPIC) haben bislang 23 der 50 Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft. In den US-Staaten mit Todesstrafe wird hauptsächlich die Giftspritze eingesetzt. Aus Mangel an den dafür nötigen tödlichen Präparaten wurden in den vergangenen Jahren aber immer wieder Hinrichtungen verschoben.

Insgesamt wurden seit 1976 1.387 Menschen in den USA durch die Giftspritze hingerichtet. 163-mal kam der elektrische Stuhl zum Einsatz. Elf Menschen wurden in der Gaskammer hingerichtet. Jeweils drei Personen wurden erhängt oder erschossen.

Die Zahl der vollstreckten Todesurteile nahm laut DPIC in den vergangenen Jahren immer weiter ab. Ihren Höhepunkt erreichte sie im Jahr 1999 mit 98 Hinrichtungen. Bislang wurden 2023 in den USA neun Menschen hingerichtet. Mehr als die Hälfte der zum Tode Verurteilten war weiß (55,6 Prozent). 34,1 Prozent waren Afroamerikaner und 8,4 Prozent waren Latinos.

Richter ordnete Todesstrafe an: Erste Transfrau in den USA hingerichtet

In den USA ist am Dienstag erstmals eine Transperson hingerichtet worden. Amber McLaughlin starb durch eine Giftspritze, sie hatte 2003 ihre Freundin ermordet. Ein Richter hatte die Todesstrafe angeordnet, nachdem sich die Geschworenen nicht auf eine Strafe einigen konnten.

Die meisten Insassen (690) im Todestrakt sitzen laut DPIC in Kalifornien. Hier wurde allerdings das letzte Mal eine Person 2006 hingerichtet. Seit Jahren wird dort schon die Todesstrafe per Dekret ausgesetzt. Ebenfalls ausgesetzt wird sie derzeit in Oregon – dort und in Pennsylvania soll sie bald komplett abgeschafft werden.

Die mit Abstand meisten Hinrichtungen finden in den USA in den südlichen Bundesstaaten statt. Von den 1.387 Exekutionen seit 1976 entfielen auf den Süden 1.278. Texas führt die Liste der Hinrichtungen deutlich an, mit 583. Weit dahinter liegt Oklahoma mit 120 Hinrichtungen.

Als Argument für die Todesstrafe führen Befürwörter häufig an, dass durch sie ein Abschreckungseffekt erzielt werde und dadurch die Mordraten sinken würden. Das DPIC wertete allerdings über 30 Jahre lang den jährlichen FBI Verbrechensreport aus und stellte fest, dass im Süden die Mordrate mit 6,4 Mörder auf 100.000 Einwohner am höchsten ist.

Idaho macht Weg für Tod durch Erschießung frei

Im aktuellen Fall hatte das Repräsentantenhaus von Idaho zugestimmt. Es sieht die Möglichkeit einer Hinrichtung durch ein Erschießungskommando vor, sollten die Chemikalien für die Giftspritze nicht verfügbar sein. Der Gesetzestext liegt nun beim Gouverneur zur Unterzeichnung.

Seit 1976 gab es nach Angaben des Informationszentrums Todesstrafe drei Hinrichtungen per Erschießungskommando in den USA – zuletzt 2010 in Utah. Nur die Bundesstaaten Mississippi, Utah und Oklahoma erlauben derzeit Erschießungskommandos, wenn andere Hinrichtungsmethoden nicht verfügbar sind. Ein entsprechendes Gesetz in South Carolina wurde angefochten und geht dort durch die gerichtlichen Instanzen.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Pannen und Zwischenfällen bei Hinrichtungen mit der Giftspritze. Außerdem hat 2016 mit dem US-Pharmaunternehmen Pfizer der letzte große europäische und amerikanische Medikamentenhersteller die Lieferung und Herstellung der Mittel für die tödliche Injektion eingestellt.

Pharmaunternehmen lehnen Verwendung von Medikamenten für Hinrichtungen ab

"Pfizer lehnt den Einsatz seiner Produkte als tödliche Injektionen bei der Vollstreckung der Todesstrafe strikt ab“, teilte das Pharmaunternehmen damals mit. Vor Pfizer hätten mehr als zwanzig Pharmaunternehmen aus Europa und den USA diesen Schritt unternommen, heißt es in einem Bericht der "New York Times".

Es gebe nun eine Alternative, um das Todesurteil zu vollstrecken, sagte Generalstaatsanwalt Raúl Labrador der Lokalzeitung "Idaho Statesman". Er war an der Ausarbeitung des Gesetzestexts beteiligt.

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU nannte das Gesetz "entsetzlich". "Ein Erschießungskommando ist besonders grausam." Die Gewalt solcher Hinrichtungen hinterlasse bei allen Beteiligten bleibende Narben.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa