Macht und Beliebtheit hängen nicht immer zusammen. Nicht alle internationalen Politiker, die das Weltgeschehen 2015 beeinflusst haben, erfreuen sich auch weltweiter Popularität. Kein Wunder, denn Kriege, Konflikte und Finanzkrisen bestimmten zu einem Großteil die internationale Politik im Jahr 2015. Welche Politiker hinsichtlich Bedeutung und Beliebtheit besonders hervorstachen, zeigen wir in unserem Jahresrückblick "Die mächtigsten internationalen Politiker 2015".

Europa zwischen Finanzkrise und Flüchtlingswelle

2015 steht Europa vor der Bewältigung alter und neuer Krisen. Die Ukraine-Krise beeinflusst das Verhältnis zu Russland und noch immer erschüttert die europäische Finanzkrise Südeuropa und vor allem Griechenland. In der zweiten Jahreshälfte stellt der Flüchtlingsstrom die Europäische Union und ihre Spitzenpolitiker vor neue Aufgaben. Einige europäische Politiker stechen bei deren Bewältigung mit ihrem Handeln besonders hervor.

Angela Merkel

Die Finanz- und später die Flüchtlingskrise sind 2015 die dringlichsten europäischen Themen und könnten zu den historischen Meilensteinen in Merkels Amtszeit werden. Der Zusammenhalt Europas und die Verteidigung humaner Werte in einer europäischen Gemeinschaft ohne Mauern liegen der Kanzlerin am Herzen. Dabei stößt sie sowohl auf Unterstützer als auch auf Gegenwehr. Die anhaltende Flüchtlingsdebatte schadet nach neuesten Umfragen ihrer Beliebtheit und schwächt ihre Machtposition im eigenen Land. Neben US-Präsident Barack Obama und dem Dalai Lama gehört die deutsche Bundeskanzlerin aber weiterhin zu den weltweit beliebtesten Politikern mit dem größten Einfluss auf das internationale Geschehen. Auch im eigenen Land bleibt sie in unserem "Jahresrückblick: Die mächtigsten deutschen Politiker 2015" führend unter den angesehensten und wichtigsten Macht-Akteuren.

David Cameron

Als "moderner, mitfühlender Konservativer" trat David Cameron 2010 zur Premierminister-Wahl an. Frischen Wind und eine politische Stilwende sollte er in die Conservative Party bringen, um deren Popularität zu steigern. Das gelang – und 2015 gewann Cameron die Wahl erneut, mit einem der überraschendsten Wahlsiege der Nachkriegsgeschichte für die Konservativen. Auf europäischem Parkett sind die Briten vor allem für ihren eigenen Weg in der europäischen Politik bekannt. Damit macht sich Cameron als einer der wichtigsten Politiker Europas nicht nur Freunde. Im eigenen Land kritisiert für eine zu europafreundliche Politik, die sich kaum von der britischen Linken unterscheide, blickt das restliche Europa skeptisch auf die Entscheidungen, die auf der Insel in Sachen Finanzkrise, Flüchtlingsdebatte und Verbleib in der Europäischen Union getroffen werden.

François Hollande

Der zweitgrößte Staat Europas steckt in einer tiefen Krise: Frankreichs Wirtschaft lahmt und die Politik scheint keinen Ausweg aus der jetzigen Situation zu finden. Auch François Hollande konnte über zweieinhalb Jahre nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten wenig daran ändern. Der wichtigste Politiker Frankreichs ist im eigenen Land unbeliebt wie nie. Seine Wähler versprachen sich von der Wahl des Sozialisten vor allem mehr soziale Gerechtigkeit. Erfolge sehen viele bis jetzt nicht: Eine Arbeitslosenquote von zehn Prozent und eine stagnierende Wirtschaft bereiten den Franzosen Sorgen. Da hilft auch die erneute Kabinettsumstrukturierung wenig. Hinzu kommen fortwährende Skandale in den eigenen Reihen und aus Hollandes Privatleben. Zusammen mit Merkel gehört Hollande international zu den wichtigsten Akteuren in der europäischen Finanz- und Flüchtlingskrise – an seiner geringen Beliebtheit als Politiker ändert das nichts.

Alexis Tsipras

Das Jahr 2015 als turbulent für den griechischen Ministerpräsident Alexis Tsipras zu bezeichnen, wäre eine glatte Untertreibung: Zähen Verhandlungen um das dritte europäische Hilfspaket folgten der Rücktritt und die Wiederwahl. Mit einer überzeugenden Mehrheit gewann der Linkspolitiker im September die vorgezogenenen Neuwahlen des griechischen Parlaments. Der als einstiger Hoffnungsträger der Griechen bekannte Politiker ist aber nicht unumstritten. Schnell wurde der einst linke Revolutionär in der Realpolitik entzaubert: Anstatt niedrigerer Steuern, höherer Löhne und der Abschaffung der Immobiliensteuer bekamen die Griechen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Sozialabgaben. Aus dem Schuldenschnitt wurde eine Schuldenerleichterung, und die Privatisierung des öffentlichen Sektors schreitet weiter voran. Die Beliebtheit des Politikers ist stark gesunken – vor allem vermisst das Wahlvolk eine klare Linie. An einem Tag möchte Tsipras das Hilfsprogramm neu verhandeln, am nächsten Tag soll es genauso umgesetzt werden wie geplant. Damit sorgt er nicht nur bei der eigenen Bevölkerung für Unmut. Das europäische Ausland und der Finanzmarkt schauen noch immer mit einer Mischung aus Skepsis und Anspannung auf Griechenland: Tsipras kann mit seinen Entscheidungen die gesamte europäische Währungspolitik beeinflussen.

Yanis Varoufakis

Einer der berühmtesten Politiker 2015 ist Yanis Varoufakis. Der nur kurzzeitig amtierende griechische Finanzminister sorgte bis zu seinem Rücktritt im Juli 2015 für einigen Medienrummel. Gerade in Deutschland erhitzten die Aussagen des Ökonomie-Professors die Gemüter. Dass die Deutschen weiterhin zahlen müssten, auch wenn scheinbar alles Geld in Griechenland einfach versickere, stieß auf wenig Gegenliebe hierzulande. Seiner Meinung nach würden die gezahlten Gelder das Problem nur in die Zukunft verlagern, jedoch nicht lösen. Begründung: Das Land habe kein Liquiditätsproblem, sondern sei schlicht pleite. Auch nach seinem Rücktritt erhitzt er noch die Gemüter – nach seiner kurzen Amtsperiode ist Varoufakis als Buchautor und Vortragsredner unterwegs.

Außerhalb Europas: Wirtschaftskrisen und Kriege beschäftigen die Mächtigen der Welt

Doch politische Weichen werden nicht nur in Europa gestellt: Russland und China regieren auf der Weltbühne genauso mit wie die USA.

Barack Obama

Der US-amerikanische Präsident Barack Obama gilt neben dem Dalai Lama als der beliebteste Politiker weltweit. Seine Anhänger schätzen vor allem seine Anstrengungen, die politischen Alleingänge der USA zu beenden, um wieder mehr Vertrauen in der Staatengemeinschaft zu gewinnen. Das Jahr 2015 ist außenpolitisch vor allem geprägt vom Syrien-Einsatz und Auseinandersetzungen mit dem russischen Präsidenten Putin. Gleichzeitig erlebt die gebeutelte US-amerikanische Wirtschaft einen Aufschwung. Auch mit dem ersten schwarzen Präsidenten an der Spitze muss sich der multikulturelle Staat aber auch weiterhin mit rassistischen Übergriffen beschäftigen – nicht immer glänzt Obama in dieser Diskussion mit den richtigen Worten und Taten. Trotz des beginnenden Wahlkampfes für 2016 bleibt der 44. Präsident der USA weiterhin einer der wichtigsten Politiker 2015.

Wladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin gehört zu den internationalen Politikern, die zwar nicht sonderlich beliebt sind, dafür aber umso einflussreicher und mächtiger. Der umstrittene Politiker macht 2015 den Eindruck einen weiteren Kalten Krieg heraufbeschwören zu wollen. Im Syrien-Konflikt unterstützt er an der Seite des Iran den syrischen Diktator Baschar al-Assad. Damit stellt er sich gegen die westlichen Staaten – und das nicht nur in dem Punkt. Der Ukraine-Konflikt, anhaltende Auseinandersetzungen in Tschetschenien und autoritäres Regieren innerhalb Russlands überschatten das Verhältnis zum Westen. Gleichzeitig geht die Wirtschaftsleistung des Landes zurück – die Beliebtheit des Politikers innerhalb Russlands dagegen nicht.

Xi Jinping

China ist schon längst auf der politischen Weltbühne angekommen. Im strengen System der regierenden Volkspartei gehört der amtierende Präsident Xi Jinping zu den wichtigsten Politikern des Landes. Xi ist vor allem für seine – zumindest vordergründige – Unterstützung der Öffnung der Marktwirtschaft und Bekämpfung der Korruption bekannt. Selbst gegen Parteikader greift Xi offenbar hart durch. Gleichzeitig wird seiner eigenen Familie unter Ausnutzung der politischen Macht die Anhäufung eines Vermögens in Höhe von mehreren hundert Millionen vorgeworfen. 2015 hat die Volksrepublik mit sinkendem Wirtschaftswachstum zu kämpfen. Die wirtschaftlichen Verbindungen zum Westen und in den asiatisch-pazifischen Raum wachsen aber weiter. Der bekannteste Politiker Chinas ist aber auch für sein hartes Durchgreifen gegenüber Andersdenkenden, die Unterbindung voller Meinungsfreiheit und die Repression gegen ethnische Minderheiten bekannt. Beim Rest der Bevölkerung punktete er durch Volksnähe; einen Teil seiner Popularität verdankt er seiner Frau, die eine in China sehr beliebte Sängerin ist.  © 1&1 Mail & Media