Zehn Monate nach dem Anschlag auf die Satirezeitung Charlie Hebdo trugen Islamisten den Terror erneut nach Paris. 132 Tote, 352 Verletzte, ein Land unter Schock, so lautet die traurige Bilanz nach dem 13. November 2015.

Im Stade de France schauen über 80.000 Fans das Fußballländerspiel zwischen Frankreich und Deutschland. Im Konzertsaal Bataclan feiern die Menschen zur Musik der US-Rockband "Eagles of Death Metal".

In Straßencafés sitzen Dutzende zum Essen, Trinken und Plaudern zusammen. Es ist ein völlig normaler Freitagabend in der französischen Hauptstadt – bis Terroristen des sogenannten "Islamischen Staats" ein Blutbad anrichten.

Schlimmster Terrorangriff seit 2004

Schusswaffenüberfälle, ein Massaker mit Geiselnahme sowie sechs Selbstmordattentate mit Sprengstoffwesten fordern am Ende 132 Menschenleben - unter den Opfern auch zwei Deutsche.

352 Unschuldige werden verletzt, 97 sogar schwer. Der opferreichste Terrorangriff in Europa seit den Madrider Zuganschlägen 2004 löst in vielen Teilen der Welt Betroffenheit aus.


Die Terrororganisation "Islamischer Staat" bekannte sich schon einen Tag später zur Tat. In der Erklärung wird Paris als "Hauptstadt der Unzucht und des Lasters" bezeichnet, auch Frankreichs Beteiligung an Luftschlägen gegen den IS in Syrien wird erwähnt.

Als Drahtzieher der Anschläge gilt der Belgier Abdelhamid Abaaoud, ein der Polizei seit Jahren bekannter Islamist. Spezialkräfte töteten ihn fünf Tage später im Pariser Vorort Saint-Denis bei einer Razzia.

Die französischen Ermittler gehen von drei aktiv an der Tat beteiligten Teams mit jeweils drei Personen aus. Die Zahl der Unterstützer und Planer soll weitaus höher liegen.

Die Attentäter besaßen die französische oder belgische Staatsbürgerschaft, zwei reisten offenbar als syrische Flüchtlinge getarnt über Griechenland ein.

Einer der Tatverdächtigen befindet sich weiterhin auf der Flucht: der Belgier Salah Abdeslam. Bei mehreren Durchsuchungen im Brüsseler Stadtbezirk Molenbeek, einer Islamisten-Hochburg, konnte er nicht aufgefunden werden.

Allein 89 Tote in Konzerthalle Bataclan

Um 21:20 Uhr erschüttert am 13. November eine erste Explosion die französische Hauptstadt. Am Stade de France zündet ein Selbstmordattentäter seinen Sprengstoffgürtel und reißt einen Menschen mit in den Tod.

Zwei weitere Bomben explodieren in der folgenden halben Stunde in der Nähe des Stadions, sie sind auch bei der Live-Übertragung im Fernsehen deutlich zu hören.

Ursprünglich wollte ein Attentäter sogar ins Stadioninnere gelangen, wo sich der französische Präsident Francois Hollande und der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier aufhielten.

Fast im Minutentakt werden danach Cafés und Restaurants angegriffen, um 21:40 Uhr hält ein schwarzer Pkw vor der Konzerthalle Bataclan.


Drei Männer stürmen zum Eingang, schießen mit Maschinenpistolen auf die Besucher, werfen Handgranaten in die Menge.

Zwei von ihnen zünden drei Stunden später nach dem Zugriff von Spezialkräften ihre Sprengstoffwesten. Allein 89 Menschen sterben im Bataclan, das zum Sinnbild der Terroranschläge wird.

Reaktionen auf die Anschläge

Francois Hollande verurteilte den Anschlag auf sein Land als "Kriegsakt" der Terrormiliz "Islamischer Staat". Er verkündete im ganzen Land den Ausnahmezustand und kündigte harte Reaktionen an.

In den Tagen danach flogen französische Piloten Dutzende Luftangriffe gegen die inoffizielle IS-Hauptstadt Rakka. Auf internationaler Ebene wurden die Bemühungen intensiviert, eine breite Koalition gegen den IS zu bilden.

Selbst Deutschland hat mittlerweile militärische Unterstützung zugesagt. Frankreich war zudem das erste Land, das nach Artikel 42 des Vertrages über die Europäische Union offiziell den Beistand der anderen EU-Mitgliedstaaten angefordert hat.

Auch in Deutschland waren die Folgen der Pariser Anschläge spürbar. Das Fußballländerspiel gegen die Niederlande am 17. November in Hannover musste nach einer Terrorwarnung abgesagt werden.

Attentäter waren bekannte Islamisten

An Bahnhöfen und Flughäfen nahm die Polizeipräsenz zeitweise deutlich zu. Innenpolitiker und Vertreter der Polizeigewerkschaften forderten umfangreichere Überwachungskompetenzen.

Allerdings waren die meisten der Paris-Attentäter polizeibekannte Islamisten.

In einem Propaganda-Magazin des sogenannten "Islamischen Staats" hatte der Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud im Februar weitere Taten ganz offen angekündigt und damit geprahlt, wie leicht es sei, die europäischen Polizeibehörden auszutricksen.

Auch in Deutschland hat nach der Blutnacht von Paris die Angst vor einem Terroranschlag zugenommen.