Susanne und ihr Mann saßen bis zum 29. März in Neuseeland fest. Alle Rückflüge wurden gecancelt, die meisten Länder verweigerten Deutschen die Einreise. Vier Tage zuvor war in ganz Neuseeland der völlige Lockdown ausgerufen worden: Ausgangssperren, Reisebeschränkungen und Polizeikontrollen.

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"Wir hatten uns Monate auf diese Reise gefreut und für sie gespart: unsere Hochzeitsreise nach Neuseeland. Anfang des Jahres steckten wir bis über beide Ohren in der Planung und nahmen die sich häufenden Nachrichten zu dem Coronavirus zwar wahr, dachten aber nicht, dass sie unsere Reiseplanung gefährden würden.

Lässt das Coronavirus die Reise vorab platzen?

Eine Woche vor Abflug sah die Situation schon deutlich anders aus. Immer mehr Länder verschärften ihre Reisebeschränkungen, immer mehr Erkrankte und Tote kamen hinzu. Im Angesicht dieser Zahlen erscheinen unsere Überlegungen geradezu banal - sollten wir die Reise antreten, in die wir schon so viel Geld investiert hatten? Geld, von dem wir nicht wussten, ob wir es überhaupt zurückbekommen würden?

Neuseeland erschien uns zu dem Zeitpunkt einer der sichersten Orte zu sein: Gerade einmal fünf Erkrankte und ein sehr striktes Vorgehen der Gesundheitsbehörden. Corona-Patienten wurden sofort isoliert und ihre kompletten möglichen Infektionsorte öffentlich gemacht.

Also entschieden wir uns für die Reise und schafften es gerade noch so in unser Traumland hinein: Einen Tag nach unserer Einreise wurden die Bestimmungen für Touristen drastisch verschärft, wenige Tage danach die Grenze komplett geschlossen.

Auch zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch 'Glück gehabt, wir sind ja drin und können unsere Reise wie geplant fortsetzen'. Wie sehr wir uns irren sollten und wie schnell die Stimmung im Land umschlug, damit hatten wir nie gerechnet.

Susanne und ihr Mann wollten im Camper quer durch Neuseeland fahren.

Die Stimmung in Neuseeland kippt

Unsere erste Reisewoche verlief noch relativ ruhig. Wir genossen das großartige Land in vollen Zügen und kurvten mit unserem Camper die Küsten entlang und durch dichte Wälder. Natürlich behielten wir die Nachrichten im Auge, in denen die Forderungen nach einem Lockdown immer lauter wurden. Noch immer gab es deutlich weniger als 100 Infizierte, doch unsere Beunruhigung wuchs.

Am 23. März schließlich beschloss die Regierung Neuseelands die Katastrophenstufe drei von vier, mit der Ankündigung am 25. März in den kompletten Lockdown zu gehen. Bereits eine Stunde später war die Kiwi-Aufzuchtstation, die wir besuchen wollten, geschlossen. Der Schlag traf uns tief in der Magengrube. Unsere Hochzeitsreise war geplatzt.

Auf halbem Weg nach Wellington beschlossen wir schweren Herzens, die Reise abzubrechen und auf dem schnellsten Weg nach Auckland zurückzukehren. Vielleicht ging ja noch ein Rückflug?

Noch am selben Abend gelang uns, was wir nicht für möglich gehalten hatten: Wir konnten einen Flug über Sydney, Dubai und Bahrain buchen. Nicht die Route unserer Wahl, aber wenigstens ein schnelles Ende mit noch kleinem Schrecken.

Auf Ernüchterung folgt Unsicherheit

Am nächsten Tag folgte am Flughafen die Ernüchterung: Über Nacht hatten Dubai und Bahrain ihre Einreisebestimmungen geändert. Kein Weg zurück, die Flüge wurden gecancelt. Das Geld dafür? Erst mal futsch.

Nun blieb uns nur, was wir ursprünglich vermeiden wollten: für das Rückholprogramm der Bundesregierung registrieren und uns in Selbstisolation in ein überteuertes Hotel in Flughafennähe begeben.

Erst nach und nach sickerten die Information durch - bis zu 12.000 Deutsche hingen in Neuseeland fest, am Wochenende sollten die ersten Flüge starten. Doch wie lange sollte das alles dauern? Wie hoch würden die Kosten sein? Würden wir in dem Hotel bleiben können, das täglich die Preise erhöhte? Würden wir noch Wochen festsitzen?

In unserer Verzweiflung suchten wir weiter nach einer Lösung. Nach fünf Tagen Warten ohne wirkliche Neuigkeiten beantragten wir schließlich Transit-Visa für Kanada und die USA. Über diese Länder gingen (noch) Flüge. Wider Erwarten bekamen wir sie innerhalb von einer Stunde.

Die Poor Knights Islands sind ein beliebtes Tauchrevier in Neuseeland.

Alternative Reiseroute über die USA?

Ein neuer Hoffnungsschimmer - noch dazu, wo gerade die Neuseeländische Regierung das Rückholprogramm gestoppt hatte. Wir konnten unser Glück kaum fassen: Visa und eine Flugmöglichkeit! Noch am selben Tag. So schnell hatten wir noch nie einen Flug gebucht, unsere Koffer gepackt und waren zum Flughafen gefahren. Doch Pustekuchen: Die Buchungsseite stürzte ab, die Buchung wurde nicht abgeschlossen und wir standen am Flughafen ohne Hotel und Reisemöglichkeit.

Zurück auf Anfang. Abends machten wir in unserer neuen Unterkunft, was uns am logischsten erschien: Wir köpften eine Flasche Wein und stellten uns auf mindestens zwei Wochen Warten ein.

Aus Gewohnheit oder Langweile checkte ich am nächsten Morgen erneut die Flugseiten. 19:45 Uhr, Flug über San Francisco nach Dublin und weiter nach Zürich. Gekauft! Wie wir von Zürich nach Hause kommen, war mir in dem Moment völlig egal.

Rückreise noch lange nicht in trockenen Tüchern

Wer nun denkt, die Geschichte endet hier, den muss ich leider enttäuschen. Ein 'bisschen' schwitzen mussten wir noch: Check-in-Schalter, endlich geht es los! Aber warum diskutieren gerade drei Damen über unsere Buchung? Und warum läuft eine mit unseren Reisepässen weg und wir werden zur Seite gebeten?

Die US Border Control hatte zugeschlagen - schon in Auckland. Die greift wohl nach Zufallsprinzip Reisende heraus und durchleuchtet sie. Nach einer halben Stunde - einer kleinen Ewigkeit - sprang unsere Reiseampel wieder auf Grün.

In San Francisco angekommen, mussten wir zunächst in den Transitbereich einreisen und unser Gepäck neu einchecken. Können Sie sich vorstellen, wie nervös man wird, wenn die Fingerabdrücke nicht erkannt werden? Der Scanner war wohl kaputt, die Hände wurden vor Anspannung immer feuchter. Und der US-Grenzbeamte in voller Montur fragte nur 'Why are you so nervous?' - kein Scherz!

Die letzte Hürde? Noch lange nicht!

Mindestens fünf Jahre gealtert schnappten wir uns unser Gepäck und wollten für die letzte Etappe einchecken. ´Tut uns leid. Wir finden Sie ohne Ticketnummer nicht im System. Die Buchungsnummer reicht nicht, da können wir leider nichts für Sie tun. Aber Sie haben ja noch Zeit. Rufen Sie doch ihre Reiseagentur an und erfragen Sie die Nummer.´

Natürlich. Online-Buchungsseiten sind in solchen Zeiten für ihren schnellen und freundlich Service ja auch bekannt. Nach einer weiteren Stunde Zittern fanden wir mit anderen betroffenen Reisenden schließlich eine Lösung.

Endlich ab nach Hause? Falsch. In Dublin angekommen stellten wir fest, dass mittlerweile alle Anschlussflüge, die uns irgendwie aufs europäische Festland gebracht hätten, gecancelt waren. Der nächste mit unserer Airline? Vielleicht am kommenden Morgen. Aber da die Lage sich stündlich änderte, wollte uns niemand eine Garantie darauf geben.

Durch Zufall entdeckten wir eine Alternative mit einer anderen Airline nach Frankfurt - und das sogar zu einem sehr guten Preis. Endlich, nach weiteren zwei Stunden Flug und vier Stunden Zug konnten wir unsere Haustür aufsperren und nur noch hundemüde ins Bett fallen.

Und auch für die anderen gestrandeten Deutschen gibt es wohl endlich eine Lösung: Am Freitag, den 3. April soll das Rückholprogramm aus Neuseeland wieder aufgenommen werden."


Hier gibt es weitere Geschichten im Podcast von "Logbuch Quarantäne":

Teaserbild: © privat