Katja saß bis zum 23. März in Ecuador fest. Ihr regulärer Rückflug sollte bereits am Freitag, dem 20. März stattfinden. Der Flug wurde aber gecancelt. Schon fünf Tage zuvor war in ganz Ecuador der Verkehr eingestellt worden.

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"Ich bin zum Glück noch rechtzeitig in die Hauptstadt Quito gelangt, aber meine Mitreisenden saßen noch drei Stunden entfernt in Santo Domingo fest und durften nicht reisen. Busse fuhren gar nicht mehr, Taxis nur noch innerhalb der Städte und nur, wenn man eine Bescheinigung dabei hatte.

Die Botschaft hat sich ordentlich Zeit gelassen, diese Scheine auszustellen. Sie war aber auch vollkommen überfordert, weil viele Menschen Hilfe benötigten. Von der Botschaft haben wir aber immer Rundmails mit Neuigkeiten bekommen, sogenannte 'Landsleutbriefe'. Die Aussagen darin haben sich jeden Tag geändert, so wie auch die Situation und die Regelungen vor Ort.

In diesem Podcast hören Sie Katjas Geschichte:

Mein regulärer Flug am 20. März wurde online nie als gecancelt angezeigt. Ein Online-Check-In war nicht möglich, aber es hieß, ich solle mich zum Flughafen bewegen, um dort meine Bordkarte abzuholen. Hoffnungsvoll bin ich dann los zum Flughafen. Dort angekommen, war jedoch die Zugangsstraße abgesperrt und mir wurde gesagt, dass Iberia heute nicht fliegen würde. Man verwies mich auf eine Internetseite des Flughafens, auf der ich aber kaum neue Infos fand.

Generell hatte ich in Ecuador keine Chance, eine zuständige Person ans Telefon zu bekommen - weder bei der Botschaft, noch einen Mitarbeiter von der Fluggesellschaft. Die beiden Institutionen haben mich beide jeweils zum anderen geschickt. Die Botschaft meinte, wir sollen mit den Fluggesellschaften in Kontakt treten. Die Fluggesellschaften wiederum meinten, wir sollen uns an die Botschaft wenden. Auf den Websites hieß es, man solle das ganze telefonisch klären. Als ich anrief, antwortete nur eine computergenerierte Stimme, die wieder auf die Website verwies. Alles ein großes Durcheinander! Ich hatte mich innerlich schon damit abgefunden, länger zu bleiben.

Ich raste mit dem Taxi zum Flughafen

Am Sonntag, dem 22. März, habe ich dann eine E-Mail von der Botschaft bekommen. Ich sollte, sobald ich ein Ticket (Datum egal) der Fluggesellschaft Iberia erhalten hätte, zum Flughafen gehen. Ich hätte dafür allerdings nur noch 45 Minuten Zeit. Binnen weniger Minuten packte ich meinen Koffer, stieg ins Taxi und bat den Fahrer, ordentlich Gas zu geben. Ich kam dann genau auf die Minute pünktlich an und war die letzte, die in den Flughafen gelassen wurde. Am Check-in teilte mir die Mitarbeiterin dann mit, dass mein Flug jedoch nur bis Madrid gehen sollte und ich von da aus selber gucken müsse, wie ich weiterkomme. Als ich endlich im Flugzeug saß, hörte ich von den anderen Passagieren viele andere spannende Geschichten, wie etwa von Menschen, die auf den Galapagosinseln fest saßen.

Zusammenhalt unter den Passagieren

Meine direkte Sitznachbarin hatte mehrere Tickets von Madrid nach Amsterdam und Frankfurt. Die von ihr bereits gekauften Tickets wurden immer wieder storniert. Sie kaufte daraufhin ein neues. Bei den alten, eigentlich stornierten Tickets wurde die Stornierung dann plötzlich wieder aufgehoben. In Madrid versuchten wir dann, eines ihrer Tickets auf meinen Namen zu ändern, was jedoch nicht möglich war. Ich versuchte dann selbst, ein Lufthansa-Ticket zu kaufen, was mir - nur mit Handy ausgestattet - aber nicht möglich war. Mein Bruder half mir weiter, kaufte mir ein Ticket von Deutschland aus. Meine Verbindung war Madrid - Frankfurt - München, was mir sinnlos erschien, da ich nur nach Frankfurt musste. Aber einen Direktflug nach Frankfurt konnte man nicht buchen.

Ständige Wechsel der Flugverbindungen

Mein Flug sollte am nächsten Morgen, dem 24. März, gehen. Dann bekam ich eine E-Mail, dass mein Flug gecancelt wurde und ich bekam eine neue Verbindung für den Nachmittag: Madrid - Palma de Mallorca - München. Ich sollte also eine Nacht und fast zwei volle Tage an einem Flughafen ohne Essen (außer Riegel aus den Automaten) verbringen. Alle Geschäfte und Restaurants im Flughafen waren geschlossen, es gab auch nur wenige geöffnete Toiletten. Gerade das empfinde ich in Zeiten von Corona als sehr Kontraproduktiv.

Mit mir saßen viele andere gestrandete Menschen auf dem Boden und warteten.

Um mich erneut abzusichern, ging ich aufgrund meiner Flugänderung nochmal zum Infostand. Wieder wurde meine Verbindung geändert. Ich hatte Glück und bekam für den 24. März einen Direktflug von Madrid nach Frankfurt. Die Mitarbeiterin meinte aber, dass ich schon mal einchecken sollte. Am Check-in dann das Unfassbare: Der Steward fragte mich, ob ich nicht jetzt sofort fliegen wolle, was ich natürlich bestätigte. Er meinte, ich solle meine Koffer stehen lassen, gab mir die Bordkarte und bat mich um Eile.

Glück im Unglück

Dann saß ich endlich und viel eher als erwartet schon am 23. März im Flieger nach Frankfurt. Als ich in Frankfurt aus dem Flieger stieg, hatte ich Tränen der Erleichterung in meinen Augen. Und ich hatte wirklich großen Hunger! In den Flugzeugen sind die Mahlzeiten ebenfalls stark rationiert. Zum Glück hatten in Frankfurt noch einige Geschäfte offen.

Dann ging es von dort mit dem Zug nach Nürnberg. Dort musste ich dann mitten in der Nacht eineinhalb Stunden warten, bevor ich endlich weiter nach Leipzig fahren konnte. Im Zug lernte ich noch Urlauber kennen, die tagelang auf der AIDA vor Kapstadt festgesessen hatten und nicht aufs Festland gelassen wurden. Am 24. März kam ich dann um 5 Uhr morgens erschöpft zu Hause in Leipzig an."

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