Italien oder auch Spanien haben ihre Corona-Toten längst mit offiziellen Gedenkfeiern geehrt. In Deutschland haben der Bundespräsident und der Gesundheitsminister nun ein ähnliches Gedenken angeregt. Über die Frage des richtigen Zeitpunkts für einen Staatsakt herrscht aber Uneinigkeit.

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Italien gedachte bereits am 29. Juni in der besonders vom Sars-CoV-2-Virus betroffenen Stadt Bergamo seiner mittlerweile mehr als 35.000 Corona-Toten. Spanien feierte am 16. Juli in seiner Hauptstadt Madrid einen entsprechenden Staatsakt. Damals waren bereits rund 28.000 Menschen in Spanien Opfer einer Infektion mit dem Coronavirus geworden.

Steinmeier und Spahn wollen Staatsakt für Corona-Tote

In Deutschland sind es zwei Monate später über 9.000 Tote. Ihnen in einem offiziellen Staatsakt zu gedenken, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angeregt. Der einstige Bundesaußenminister erntete dafür Zustimmung seitens des Bundesgesundheitsministers. Jens Spahn sagte in der "Bild am Sonntag", es sei "schon auch wichtig, finde ich, zu zeigen, dass wir wahrnehmen, welche Härten, welches Leid es auch eben gegeben hat und zum Teil bis heute noch gibt."

Dieses Leid aber sei noch nicht beendet, hielt die Deutsche Stiftung Patientenschutz den beiden Spitzenpolitikern entgegen. Deshalb sei es "zu früh, jetzt über eine Gedenkstunde für die Opfer der Corona-Pandemie zu sprechen. Schließlich ist Deutschland noch mitten in der Krise", sagte Vorstand Eugen Brysch am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Eugen Brysch: "Brauchen erst einen Impfstoff"

Erst, wenn die Menschen hierzulande durch einen Impfstoff ausreichend geschützt seien, sollte über einen Staatsakt nachgedacht werden. "Dieser sollte aber nicht nur Opfer und Angehörige in den Blick nehmen, sondern auch diejenigen, die Tag für Tag geholfen haben, anderen in der Not beizustehen", sagte Brysch.

Steinmeier hatte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland daran erinnert, dass "der Corona-Tod ein einsamer Tod" sei. Viele seien in Kliniken und Altenheimen ohne Beistand ihrer Angehörigen gestorben, Hinterbliebene hätten nicht Abschied nehmen können.

Wann der richtige Zeitpunkt und ob eine Gedenkstunde der richtige Rahmen sei, wolle er mit den Vertretern der anderen Verfassungsorgane besprechen, hatte Steinmeier angekündigt. (dpa/hau)