• Die Booster-Impfungen in Deutschland sind in vollem Gange.
  • Welche Empfehlungen gibt es aktuell und warum sind Geboosterte eigentlich von der 2-G-Plus-Regel befreit?
  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Auffrischimpfung.

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Wem empfielt die Stiko eine Auffrischimpfung?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung zum 21. Dezember 2021 aktualisiert. Sie rät Menschen ab 18 Jahren zur Auffrischimpfung. Zum Einsatz kommen aktuell nur die mRNA-Vakzine Spikevax des Herstellers Moderna und Comirnaty von Biontech/Pfizer.

Beim Boostern sollte laut Stiko außerdem Folgendes berücksichtigt werden:

  • Der Booster erfolgt ausschließlich mit mRNA-Impfstoffen.
  • Menschen unter 30 empfiehlt die Stiko ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer, älteren auch den Impfstoff von Moderna.
  • Wer den Impfstoff "Janssen" von Johnson & Johnson erhalten hat, sollte den Impfschutz mit einem mRNA-Impfstoff erhöhen.
  • Zur Reihenfolge der Impfung: Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sollten bevorzugt geboostert werden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Booster?

Unabhängig des zuerst verwendeten Impfstoffes gilt: Die Grundimmunisierung sollte laut Stiko (Stand 21. Dezember) mindestens drei Monate zurückliegen. Bei Menschen ab fünf Jahren mit stark geschwächtem Immunsystem und bei denen eine deutlich verminderte Immunantwort zu erwarten ist, ist eine dritte Impfung als "Optimierung der primären Impfserie" bereits vier Wochen nach der zweiten Spritze möglich. Über eine weitere Booster-Impfung soll laut Stiko individuell entschieden werden.

Mit welchem Impfstoff sollte man sich boostern lassen?

Wer bei der Grundimmunisierung einen mRNA-Impfstoff erhalten hat, sollte diesen nach Möglichkeit auch bei der Auffrischimpfung verabreicht bekommen, heißt es seitens der Stiko. Wenn dieser nicht verfügbar ist, könne auch das andere Vakzin verimpft werden.

Am 7. Dezember teilte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) mit, dass sogenannte Kreuzimpfungen sowohl für die Grundimmunisierung als auch für das Boostern zu empfehlen seien, da sie einen besonders guten Impfschutz bieten können. Bei diesem sogenannten heterologen Impfschema kommen etwa ein vektorbasierter und ein mRNA-Impfstoff für die Grundimmunisierung zum Einsatz.

Was ist in der dritten Corona-Impfung?

Generell handelt es sich bei der Booster-Impfung um eine weitere Impfung eines zugelassenen mRNA-Vakzins. In Deutschland sind aktuell die Impfstoffe Comirnaty von Biontech/Pfizer und Spikevax von Moderna zugelassen. Während Comirnaty in der gleichen Dosis wie bei der Grundimmunisierung verabreicht wird, kommt bei Spikevax für den Booster nur die halbe Menge zum Einsatz.

Warum sind Geboosterte von der 2-G-Plus-Regel befreit?

Bundeskanzler Olaf Scholz sagte bei der Vorstellung der neuen Corona-Maßnahmen: "Die Booster-Impfung ist der beste Schutz vor Omikron." Wer diesen Schutz hat, muss gemäß der aktuellen Regelungen auch als Kontaktperson nicht in Quarantäne und braucht bei Restaurants und Bars mit 2-G-Plus-Regel keinen Test - und das vom ersten Tag der Booster-Impfung an.

Allerdings kann auch der Booster eine Infektion mit dem Virus nicht zu 100 Prozent verhindern. Vielmehr ist die Anzahl der Antikörper kurze Zeit nach Erhalt des Vakzins meist besonders hoch. Dieser Schutz baut sich Untersuchungen zufolge aber erst zwischen sieben und zwölf Tagen nach der Impfung auf. Wie sinnvoll es ist, dass frisch Geboosterte quasi direkt im Anschluss ungetestet in Restaurants, Bars oder Kinos gehen, ist also zumindest fraglich. In NRW mussten zuletzt auch Geboosterte überall dort einen negativen Corona-Nachweis erbringen, wo 2-G-Plus galt. Das wird sich nun ändern. Ministerpräsident Hendrik Wüst kündigte an, das Geboosterte künftig auch in NRW keinen zusätzlichen Nachweis bräuchten. Man sei "mit Blick auf Omikron vorsichtiger" gewesen, nun wolle man hingegen bundeseinheitliche Regelungen durchsetzen.

Wie gut schützt der Booster gegen Omikron?

Bei der Frage nach der Impfwirkung müsse man zwischen dem Schutz vor einer Infektion und dem Schutz vor einer schweren Erkrankung unterscheiden, sagt Immunologe Carsten Watzl der Deutschen Presse-Agentur. "Der reine Schutz vor Ansteckung mit Omikron wird mit den jetzigen Impfstoffen immer suboptimal sein", so der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Aber: "Die Impfstoffe tun trotzdem, was sie sollen: Sie schützen vor schweren Verläufen und das sehen wir aktuell bei Omikron."

Eine gerade erst von der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA vorgestellte Analyse weist darauf hin, dass Booster-Impfungen der besonders gefährdeten Gruppe der Senioren auch bei Omikron einen hohen Schutz vor schweren Verläufen bieten. Drei Monate nach der Drittimpfung liegt der Schutz vor Einlieferung ins Krankenhaus für Menschen ab 65 Jahren demnach bei rund 90 Prozent. Der Schutz vor einer Corona-Infektion mit milden Symptomen liegt hingegen nur noch bei rund 30 Prozent, wie die vorläufigen Daten zeigen.

Auch die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt präsentierte bereits vor einigen Wochen Laborergebnisse, die auf eine deutlich niedrigere Antikörper-Antwort der Impfstoffe schließen lassen.

Dieser Studie zufolge liegt die Antikörper-Antwort des Körpers nach vollständiger Grundimmunisierung bei 0 Prozent, die Antikörper nach einer Booster-Impfung schützen demnach zu 25 Prozent gegen die neue Variante, wohingegen der Schutz gegen die Delta-Variante bei 95 Prozent liegt. "Diese Daten können nichts dazu aussagen, ob man weiterhin vor einem schweren Verlauf geschützt ist (Stichwort T-Zellen)", ordnet Ciesek das Ergebnis ein. Denn: Bei der Verteidigung gegen Viren sind nicht nur Antikörper und die körpereigene Immunantwort im Einsatz, sondern unter anderem auch sogenannte T-Zellen. Diese Gedächtniszellen sind in der Lage, Antikörper zu bilden, wenn das Virus etwa erneut versucht, Zellen zu befallen. Wegen dieser wichtigen Immunreaktion lässt sich nicht allein anhand der Anzahl von Antikörpern sagen, ob und wie stark jemand vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt ist.

Warum schützt die Impfung nicht so gut vor einer Omikron-Infektion wie vor einer Infektion mit vorherigen Virusvarianten?

Dass die Impfstoffe vor einer Omikron-Ansteckung weniger zu schützen scheinen als vor anderen Virusvarianten wie Delta, legen immer mehr registrierte Infektionen bei Menschen mit Grundimmunisierung oder gar Auffrischungsimpfung nahe. "Die Impfstoffe wurden auf eine bestimmte Sequenz des Spike-Proteins entwickelt, das sich auf der Virusoberfläche befindet. Mittlerweile gibt es jedoch Varianten, die haben das Spike-Protein an entscheidenden Stellen verändert", erklärt Impfstoffexperte Ulbert. Dadurch werde diese Virusvariante vom Immunsystem nicht mehr so gut erkannt. Hinzu komme, dass bei ansteckenderen Varianten meist weniger Viren für eine Infektion ausreichten.

Welche Impfstoffe schützen am besten gegen Omikron?

Erste Studien legen nahe, dass nicht alle Impfstoffe gleich stark gegen Omikron wirken und manche Vakzin-Kombinationen bei Grundimmunisierung und Auffrischung effektiver sind. Ulbert rät aber von Pauschalaussagen dazu ab, welches Vakzin am besten schütze. Alle bisherigen Impfstoffe zeigten, dass der Schutz vor Ansteckung mit der Zeit nachlasse – dass die zirkulierenden Antikörper nach und nach weniger würden, sei normal. "Bei den wenigen Studien bisher zum Schutz vor Omikron wurden vor allem Ansteckungen oder Infektionen mit leichten Symptomen betrachtet." Um den Schutz vor schweren Erkrankungen beurteilen zu können, müssten die Studien länger laufen.


Watzl gibt eine erste Einschätzung: "Moderna ist der etwas bessere von den beiden mRNA-Impfstoffen – einfach, weil er die höhere Dosis verwendet." Mit Moderna Geimpfte seien "einen Ticken" besser gegen Omikron geschützt als etwa mit Biontech Geimpfte.

Warum schwindet der Booster-Schutz?

In der Diskussion um die weitere Impfstrategie scheint klar: Auch nach der Auffrischungs-Impfung wird der Schutz vor Infektionen mit der Zeit wieder nachlassen. "Die vielen Antikörper, die man nach dem Booster hat, gehen mit der Zeit wieder verloren. Das hat den Hintergrund, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert wie auf eine Infektion und erst einmal viele Antikörper produziert", erklärt Watzl. Irgendwann würden diese aber nicht mehr gebraucht, so dass die Zahl sich deutlich reduziere. Damit steige dann auch wieder das Risiko, sich zu infizieren.

Wird es weitere Booster-Impfungen geben?

Immunologe Watzl zufolge braucht es derzeit noch engmaschigen Impfschutz, weil es das wichtigste Ziel sei, die Virusverbreitung einzudämmen. Schließlich seien noch nicht alle ausreichend vor schweren Verläufen geschützt, "weil wir noch diese Impflücke haben". Mit Blick in die Zukunft sei aber der Schutz vor schweren Verläufen das primäre Ziel – und der lasse viel langsamer nach. Bei Menschen aus Risikogruppen könnten dann zwar regelmäßige Booster sinnvoll bleiben. Bei jüngeren und gesunden Menschen sei künftig aber vorstellbar, dass keine regelmäßige Auffrischungsimpfung mehr nötig sei, solange sich das Virus nicht gravierend verändere.

Israelische Daten zur vierten Impfung hatten kürzlich gezeigt, dass sie zwar einen erneuten Anstieg der Antikörper bringt. Der sei zwar "gut, aber nicht ausreichend", hatte Studienleiterin Gili Regev zu den vorläufigen Ergebnissen gesagt. Man sei kurz nach der vierten Impfung wieder auf demselben Antikörper-Stand wie kurz nach der dritten - und es könne nicht das Ziel sein, sich etwa alle vier Monate erneut gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Für gefährdete Gruppen wie Senioren sei die vierte Dosis vorerst der richtige Weg - für die übrige Bevölkerung sei das fraglich.

Warum heißt es überhaupt Booster-Impfung?

Das englische Wort "booster" heißt auf Deutsch übersetzt "Verstärkung". Auch in der Medizin und speziell in der Immunologie spricht man von einem Booster oder dem Booster-Effekt. Eine Auffrischimpfung verstärkt und beschleunigt die Immunantwort des Körpers, die er bereits durch eine Grundimmunisierung erlangt hat.

Generell dienen Booster-Impfungen dazu, einen bereits bestehenden Impfschutz aufzufrischen. So soll auch die dritte Corona-Impfung den Schutz vor dem Virus (nochmal) erhöhen. Studien zeigen inzwischen, dass sich bei vollständig Geimpften, aber auch Genesenen die Anzahl der Antikörper gegen das Virus nach einigen Monaten reduziert – und besonders der Schutz vor asymptomatischen Verläufen und leichten Krankheitsverläufen abnimmt. Durch die dritte Injektion erhöht sich die Anzahl der Antikörper gegen das Virus wieder.

Verwendete Quellen:

  • Robert-Koch-Institut: Aktuelle Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten und Public Health
    Epidemiologisches Bulletin (21. Dezember)
  • European Medicine Agency: EMA and ECDC recommendations on heterologous vaccination courses against COVID-19 (7. Dezember)
  • Zoe Covid Study: Protection provided by COVID vaccines fades over time
  • Ema.europa.eu: Comirnaty and Spikevax: EMA recommendations on extra doses and boosters
  • Medrxiv.org: Protection Across Age Groups of BNT162b2 Vaccine Booster against Covid-19
  • Who.int: Interim statement on booster doses for COVID-19 vaccination
  • Ndr.Info: Coronavirus-Update
  • Material der dpa
  • eigene Recherchen

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Dieser Artikel wurde am 11.01. aktualisiert.

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