Mund und Nase zu bedecken, ist eine der ersten Regeln im Kampf gegen Corona. Ihre Umsetzung klingt einfach. Doch einige Menschen wehren sich bewusst dagegen. Sie könnten sich auf ein Bild des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen berufen.

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Es war im IC 2269 auf dem Weg von Stuttgart nach München. Harsch fuhr der Zugbegleiter zwei Männer an: "Es heißt nicht ohne Grund Mund-Nasen-Schutz. Wenn Sie nicht sofort die Maske über die Nase ziehen, ist der nächste Halt Endstation."

Die Worte kamen ruppig daher, die Angesprochenen reagierten abwehrend bis empört. Aber sie folgten der Anweisung des Schaffners.

Letztlich hatte er das ausgesprochen, was die Akkuraten unter den Maskenträgern wohl immer wieder denken, wenn anderen das Stück Stoff unter dem Zinken hängt.

Armin Laschets lascher Umgang mit der Maske

Unfreiwilliger Vorreiter dieses Kleidungsstils ist wohl der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet von der CDU. Ende März bei einem Termin in Aachen zum Thema "Virtuelles Krankenhaus" trug er die Maske so, dass der Riechkolben als Brillenstütze frei darüber empor blitzte.

Er habe den "Mundschutz" wohl zu wörtlich genommen, scherzten einige da. Laschet demonstrierte später in einem Kurzvideo auf Twitter, wie der Mundschutz richtig über Mund und Nase angelegt wird.

Meiste Viren lauern in der Nase und im Nasenrachenraum

So ein Schutz sei wichtig, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO-KHC): "Die größte Virusdichte findet sich in der Regel aber nicht in der Lunge, sondern in den oberen Atemwegen, vor allem in der Nase und im Nasenrachenraum."

Nach Auskunft weiterer Mediziner sind ACE2-Rezeptoren, mit deren Hilfe Coronaviren in den Körper gelangen können, in vielen Organen zu finden - etwa in der Lunge, in der Augenhornhaut, vor allem aber in der Nase. Eine freie Nase ist also in beide Richtungen gefährlich, gewissermaßen als Ein- und Ausflugschneise für Corona.

Die Sommerhitze erschwert das Tragen der Schutzmaske

Gut - je freier man atmen kann, desto angenehmer ist es. Nicht erst bei den sommerlichen Temperaturen wie im Moment schwitzt man unter der Maske. Und einigen Menschen beschlägt beim Schnaufen dann schon einmal die Brille. Dennoch will die Bahn das Einhalten der Maskenpflicht in Zügen notfalls mit Verweisen durchsetzen.

Der Nase auch in Corona-Zeiten einen Freiluftplatz zu bescheren, ist gefährlich. Denn die Nase spielt beim Corona-Krankheitsverlauf ebenfalls eine große Rolle: Laut Robert-Koch-Institut sind Husten und Fieber zwar die Hauptsymptome.

Jeder Fünfte nennt aber auch Schnupfen. 15 Prozent bemerken eine Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns. Anosmie, abgeleitet vom griechischen Wort für Geruch, bezeichnet das vollständige Fehlen oder den Verlust des Geruchssinns.

Wir müssen unsere Nase nicht zeigen, um uns zu verstehen

Für das nonverbale Kommunizieren der Menschen spielt die Sichtbarkeit der Nase kaum eine Rolle. Für unsere Mimik, das Sich-ohne-Worte-Verstehen sind eher Augen und Mund relevant: Sie unterscheiden lachende von wütenden oder traurigen Gesichtern.

Nicht ohne Grund kommen die gelben Emojis für Nachrichten via Smartphone in der Regel ohne Nase aus. Nicht mal ein Punkt ist da, wo früher sogar ein Komma hingehörte.

Einzige Ausnahme: Das Lügen-Gesicht mit einer langen Nase wie bei Pinocchio. Dass ausgerechnet hier die Nase zu sehen ist, hat also einen ganz und gar nicht positiven Kontext. (dpa/hau)