Wer zählt eigentlich als Corona-Fall? In den sozialen Netzwerken kursiert dazu ein Gerücht, das auf einem irreführenden Tweet eines Homöopathen beruht. Darin hieß es: Ein Patient mit Lungenentzündung werde als Corona-Fall gemeldet, auch nachdem er negativ auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Das stimmt nicht.

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Eine Kolumne
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Ein Beitrag des Homöopathen Thomas Quak auf Twitter führte einige Nutzer in die Irre: Er veröffentlichte am 28. November einen Screenshot der Falldefinition der "Coronavirus-Krankheit-2019" (COVID-19) des Robert-Koch-Instituts (RKI). Dazu schrieb er: "Jeder Patient mit Lungenentzündung, der Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatte, wird als COVID-19-Fall gemeldet, auch wenn er selbst negativ getestet wurde."

Diese Aussage ist ohne Kontext missverständlich. Als COVID-19-Fall gilt nach Recherchen von CORRECTIV.Faktencheck nur, wer positiv auf das Coronavirus getestet wird.

In dem Screenshot von Quak fehlten relevante Informationen aus dem Originaldokument des RKI. Bei der Beurteilung, ob es sich bei einem Patienten um einen COVID-19-Fall handelt, gibt es laut RKI drei Faktoren: Das "klinische Bild", den "labordiagnostischen Nachweis" und die "epidemiologische Bestätigung".

Warum Quaks Tweet ohne Kontext irreführend ist

In dem Screenshot ist zuerst die Überschrift "Klinisches Bild" zu sehen, unter der die Krankheit COVID-19 als eine "Lungenentzündung" definiert ist. Danach folgt anders als im Originaldokument sofort der Abschnitt "Über die zuständige Landesbehörde an das RKI zu übermittelnder Fall". In diesem definiert das RKI zudem eigentlich fünf Kategorien (A bis E) an zu übermittelnden COVID-19-Fällen. In dem Tweet von Thomas Quak tauchen aber nur die Kategorien A und B auf, der Rest ist abgeschnitten.

Links der Beitrag von Dr. Quak auf Twitter, rechts ein Screenshot des Originaldokuments des RKI.

Einen Satz unter Punkt B hat Quak farbig hervorgehoben. Demnach ist eine Kategorie von Fällen, die Landesbehörden an das RKI zu übermitteln haben, ein "Spezifisches oder unspezifisches klinisches Bild von COVID-19, ohne labordiagnostischen Nachweis, aber mit epidemiologischer Bestätigung (Kontakt zu einem bestätigten Fall)".

Daraus leitet Quak seine Aussage ab, jeder Patient mit Lungenentzündung werde "als COVID-19-Fall gemeldet". In Beiträgen auf Telegram und Facebook wurde sein Beitrag aufgegriffen. Nutzer empörten sich darüber, es sei eine "Manipulation" oder "Betrugsmasche".

Quaks Aussage wird dabei offensichtlich falsch verstanden. Denn diese Fälle fließen nicht in die offizielle Fallstatistik des RKI ein.

Das sagt das Gesundheitsamt Mannheim zu dem Fall

Einmal am Tag veröffentlicht das RKI die aktuelle Zahl der COVID-19-Fälle in Deutschland. In diesen täglichen Lageberichten werden "die bundesweit einheitlich erfassten und an das RKI übermittelten Daten zu laborbestätigten COVID-19-Fällen" dargestellt. In die gemeldeten Fallzahlen fließen also ausschließlich "laborbestätigte Fälle" ein.

In dem Originaldokument des RKI, das Quak verlinkt hat, wird der "labordiagnostische Nachweis" definiert als "positiver Befund" mit "direktem Erregernachweis", zum Beispiel durch einen PCR-Test (Nukleinsäurenachweis). Das heißt, nur Personen, die positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestet wurden, werden vom RKI als Corona-Fälle gemeldet.

Das bestätigten uns auch die Gesundheitsämter in Mannheim und Dresden, die jeweils ihre Daten an das RKI übermitteln.

Die Mannheimer Pressereferentin Beate Klehr-Merkl schrieb: "Eine Person, die engen Kontakt zu einer nachgewiesen positiven Person hatte, gilt als enge Kontaktperson der Kategorie 1 – aber nicht als positiver Fall. Als positiver Fall gelten ausschließlich Personen, bei denen mittels eines PCR-Tests das Virus nachgewiesen wurde – unabhängig von Krankheitssymptomen."

Auch vom Dresdner Gesundheitsamt hieß es, dass "nur laborbestätigte Fälle gezählt" werden – nach erfolgter PCR-Untersuchung mit positivem Ergebnis.

Thomas Quak spricht anschließend von einem Missverständnis

Nachdem CORRECTIV.Faktencheck über die Behauptung berichtet hatte, schrieb Quak auf Twitter, dass es ihm leidtue, wenn sein Tweet "missverständlich" gewesen sei. Er habe nicht gemeint, dass jeder Patient mit Lungenentzündung in die öffentliche Statistik des RKI eingeht.

Er schrieb, sein Tweet hätte lauten sollen: "Jeder Patient mit Lungenentzündung, der Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatte, wird [von der Landesbehörde] als Covid19 Fall [an das RKI] gemeldet, auch wenn er selbst negativ getestet wurde." Quak schrieb weiter als Erklärung: "Bei diesem Tweet ging es nicht, wie von Ihnen angenommen um die Meldezahlen, die das RKI veröffentlicht."

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