Hotspots der Pandemie: Wo das Coronavirus am schlimmsten wütet

Nach wie vor kommt Deutschland in der Corona-Pandemie vergleichsweise glimpflich davon. Bedrohlich ist die Situation allerdings in den USA, Brasilien oder Mexiko, aber auch in Indien, Russland, Großbritannien und Spanien. Italien atmet etwas durch. Unsere Übersicht.

In den USA sind inzwischen etwa 200.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das entspricht einer ausgelöschten Großstadt. Zuletzt wurden täglich rund 40.000 bestätigte Neuinfektionen gemeldet. Experten zufolge müsste diese Zahl unter 10.000 gebracht werden, um sie unter Kontrolle zu bringen.
Donald Trump scheint im Endspurt des Wahlkampfs um das Präsidentenamt vor allem auf eine Corona-Impfung zu setzen. Fast täglich verspricht er, der Impfstoff werde bald verfügbar sein. Kritiker werfen dem US-Präsidenten Versagen vor.
Indien steht mit Blick auf Corona-Infektionen weltweit an zweiter Stelle - bislang wurden dort mehr als 5,4 Millionen Fälle bestätigt. In absoluten Zahlen gerechnet steigen die bekannten Neuinfektionen in der südasiatischen Nation seit Wochen schneller als in jedem anderen Land.
Trotzdem lockert die indische Regierung ihre Corona-Maßnahmen, um die Wirtschaft wieder etwas in Schwung zu bringen. Wegen eines ehemals strikten Lockdowns ist die Wirtschaftsleistung des Landes stark eingebrochen, Millionen Menschen verloren ihre Jobs, viele hatten Angst, zu verhungern.
Der Frühlingsbeginn erschwert es den Menschen in Brasilien, die Corona-Maßnahmen konsequent einzuhalten. Als es Anfang September durch den Unabhängigkeitstag ein langes Wochenende gab und die Temperaturen schon gestiegen waren, nutzten viele das etwa zum Reisen oder füllten in der Metropole Rio de Janeiro die berühmten Strände, Restaurants und Bars.
Seit Wochen hat sich Brasilien auf dem Stand von mehr als 40.000 Neuinfektionen und über 1.000 Toten im 24-Stunden-Zeitraum eingependelt. Präsident Jair Bolsonaro, der sich wie weitere Familienmitglieder selbst mit Corona infiziert hatte, steht wegen seines laxen Umgangs mit der Pandemie seit langem international in der Kritik.
Auch in Russland - momentan auf Platz vier der weltweiten Fallzahlen-Liste - steigen die Zahlen wieder ordentlich an. Zu Wochenbeginn gab es knapp 6.200 neue Fälle. Seit Beginn der Pandemie haben sich im Riesenreich mehr als 1,1 Millionen Menschen angesteckt. Vor allem die Hauptstadt Moskau ist weiter Hotspot.
Weitere Schutzmaßnahmen seien jedoch weder notwendig noch erforderlich, sagte Anna Popowa, Leiterin der Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor. Die russische Führung hofft im Kampf gegen Corona auch auf ihre Wunderwaffe Sputnik V: Der Impfstoff wurde medienwirksam im Sommer freigegeben.
Mexiko hat weltweit bisher die viertmeisten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet. Die Infektionskurve sinkt nach offiziellen Zahlen allmählich, es kommen aber noch immer jeden Tag Hunderte Tote hinzu.
In Israel hat die Regierung auf jüngste Rekordwerte reagiert: Seit dem 18. September gilt ein zweiter landesweiter Lockdown. Die Menschen müssen sich mit Schulschließungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit arrangieren. Das Gesundheitsministerium teilte am 23. September mit, am Vortag seien 6.923 Fälle registriert worden.
So viele Neuinfektionen an einem Tag wurden in dem Land bislang noch nicht verzeichnet. Die Regierung will mit den neuen, zunächst drei Wochen geltenden Restriktionen vor allem eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern. Die Regierung beschloss außerdem weitere milliardenschwere Hilfen für Unternehmen und Angestellte.
In Großbritannien verdoppelt sich die Zahl der Infektionen ungefähr innerhalb von sieben Tagen. Verbreite sich das Virus ungehindert im gleichen Tempo weiter, könnte Großbritannien Mitte Oktober fast 50.000 Fälle pro Tag zählen, warnten führende Gesundheitsexperten.
Das Testsystem steht am Rande des Kollapses, vielerorts sind derzeit kaum Coronatests verfügbar. Die Regierung empfiehlt ihren Bürgern wieder die Arbeit im Home Office. Vom 24. September an sollen außerdem Pubs und Restaurants in England spätestens um 22 Uhr schließen.
Mit mehr als 640.000 Infektionen und über 30.000 Toten ist Spanien das von der Pandemie am heftigsten getroffene Land Westeuropas. Am schlimmsten ist die Lage in der Hauptstadt: Auf den Großraum Madrid entfällt seit Wochen mehr als ein Drittel aller Neuinfektionen.
Zahlreiche Gebiete in und um die Hauptstadt dürfen die Menschen seit 21. September nur noch für dringende Angelegenheiten betreten oder verlassen - etwa um zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt zu fahren. Auch Parks und Kinderspielplätze wurden geschlossen. Ähnliche Maßnahmen gibt es auch in vielen anderen Teilen des Landes, darunter auch auf Mallorca.
Auch in Frankreich steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen seit Wochen an. Die tägliche 10.000er-Marke wurde bereits geknackt. Die französische Regierung kämpft nun vor allem mit regionalen Maßnahmen gegen das Virus. So haben etwa besonders schwer getroffene Städte wie Marseille oder Nizza strengere Maßnahmen eingeführt.
Das betrifft besonders Verbote von bestimmten Feiern oder Einschränkungen beim Alkoholkauf und -konsum in der Öffentlichkeit. Generell gilt in Frankreich die Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln sowie bei der Arbeit. In vielen Städten - darunter auch Paris - ist die Maske auch unter freiem Himmel Pflicht.
Verhältnismäßig gute Nachrichten kommen hingegen aus Italien: Das im Frühjahr 2020 besonders stark von der Pandemie getroffene Mittelmeerland gehört beim aktuellen Infektionsgeschehen nicht mehr zu den absoluten Corona-Hotspots.
Die Zahlen steigen nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwar seit sieben Wochen im Durchschnitt kontinuierlich an, aber vom Höchststand vom 21. März mit 6.557 Infizierten in 24 Stunden ist Italien deutlich entfernt. Im ganzen Land gelten weiter strenge Hygiene- und Abstandsregeln.
In Deutschland, genauer gesagt: in Bayern, müssen die Menschen dieses Jahr auf das Münchner Oktoberfest verzichten.