In sozialen Netzwerken kursiert die Behauptung, gegen das Coronavirus geimpfte Menschen seien genauso ansteckend wie ungeimpfte. Dafür gibt es nach einer Recherche von CORRECTIV.Faktencheck allerdings keine Belege.

Ein Faktencheck

Immer wieder wird in Deutschland die Frage diskutiert, wie mit gegen das Coronavirus geimpften und ungeimpften Menschen umzugehen ist. Es geht dabei auch darum, wie häufig sich Geimpfte mit dem Virus infizieren und ob sie das Virus ebenfalls übertragen können.

Laut eines Facebook-Beitrags der Partei "Die Basis" seien Geimpfte genauso ansteckend wie Ungeimpfte. Doch nach einer CORRECTIV.Faktencheck-Recherche gibt es dafür keine Belege.

Datenlage lässt wenig Schlüsse zu – es gibt aber Hinweise darauf, dass Viruslast bei Geimpften schneller abnimmt

Klar ist schon lange: Die Impfungen gegen das Coronavirus führen nicht zu einer sogenannten sterilen Immunität, also dem Schutz sowohl vor einer Erkrankung als auch vor der Infektion, sondern schützen lediglich vor COVID-19-typischen Symptomen im Falle einer Infektion. Das erklärte uns RKI-Sprecherin Ronja Wenchel bereits für einen anderen Faktencheck im August.

Inzwischen wurden mehrere noch zu begutachtende Studien (Preprints) veröffentlicht. Sie befassen sich mit der Frage, wie häufig sich Geimpfte mit der Delta-Variante des Coronavirus infizieren und inwiefern sie das Virus übertragen. Eine im US-Bundesstaat Wisconsin durchgeführte Studie vergleicht zu diesem Zweck PCR-Testergebnisse von positiv auf die Delta-Variante getesteten Personen und schlüsselte diese hinsichtlich ihres Impfstatus auf.

Bei der Studie wurde kein Unterschied zwischen der Viruslast bei vollständig Geimpften und Ungeimpften ausgemacht. Die Viruslast deute darauf hin, dass das Virus auch übertragbar ist, schreiben die Forschenden.

Eine andere Analyse des CDC aus Massachusetts kommt zum gleichen Ergebnis: Mit der Delta-Variante infizierte Personen hatten zum Zeitpunkt des PCR-Tests eine ähnlich hohe Viruslast wie ungeimpfte Infizierte. Allerdings ist die Viruslast nur einer von mehreren Faktoren, die bei der Ermittlung der Ansteckungsfähigkeit relevant sind.

Dem RKI zufolge reicht dieser Wert allein nicht aus, um die Ansteckungsfähigkeit (Kontagiosität) eines Patienten zu bestimmen. Die seit Symptombeginn vergangene Zeit oder der klinische Verlauf der Infektion seien dafür ebenfalls wichtig.

Ralf Bartenschlager, Leiter der Abteilung für Molekulare Virologie an der Uniklinik Heidelberg und Präsident der Gesellschaft für Virologie, weist in einer E-Mail an uns darauf hin, dass es noch wenig Daten gibt, die es ermöglichten, anhand der Viruslast Schlüsse auf die Ansteckungsfähigkeit von infizierten Geimpften zu ziehen. Man könne jedoch, wenn auch nicht mit Sicherheit, davon ausgehen, dass aufgrund der kürzeren Zeitspanne, in der Geimpfte eine hohe Viruslast haben, die Übertragungsrate bei ihnen geringer ist als bei Ungeimpften.

RKI: "Risiko einer Übertragung stark vermindert"

Eine vorveröffentliche Studie aus den Niederlanden deutet ebenfalls darauf hin, dass die Impfung einen Einfluss auf die Übertragbarkeit des Coronavirus hat. Und das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt zu der Frage, ob Geimpfte das Virus übertragen können: "In der Summe ist das Risiko einer Übertragung stark vermindert."

Die Behörde kommt auch deshalb, weil die Viruslast bei Geimpften schneller abnimmt, zum Schluss: "Aus Public-Health-Sicht erscheint durch die Impfung das Risiko einer Virusübertragung in dem Maß reduziert, dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung keine wesentliche Rolle mehr spielen." (Stand: 27. August 2021)

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