Luxemburg, Serbien, Weißrussland – wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland reist, muss sich zukünftig einem Corona-Test unterziehen. So soll verhindert werden, dass Reiserückkehrer unbemerkt neue Infektionsketten auslösen. Was Sie dazu wissen sollten.

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Sommerzeit ist Urlaubszeit und nach langen Monaten zu Hause sehnen sich viele Menschen nach einer Auszeit fernab der eigenen vier Wände. Grundsätzlich ist ein Urlaub für Deutsche innerhalb der EU wieder möglich, Reisen ins europäische Ausland können allerdings sowohl bei der Einreise als auch bei der Rückkehr mit Problemen verbunden sein - besonders für Urlauber, die aus einem Risikogebiet heimkehren.

Reiserückkehrer: So ist der Stand der Dinge

Wer momentan aus einem Urlaub im Risikogebiet zurückkehrt, muss sich in Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Derzeit gibt es nur wenige Ausnahmen von der Quarantänepflicht. Sie gelten zum Beispiel für Durchreisende oder Reiserückkehrer, die durch ein ärztliches Zeugnis belegen können, dass sie innerhalb von 48 Stunden vor oder nach der Einreise negativ auf das neuartige Coronavirus getestet wurden.

Das soll kommen: Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten

"Die aktuellen Infektionszahlen zeigen einmal mehr: Wir sind noch mittendrin in der Corona-Pandemie", betonte Gesundheitsminister Jens Spahn. "Und der zunehmende Reiseverkehr erhöht das Risiko, dass wieder mehr Infektionen nach Deutschland hineingetragen werden." Deshalb haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschlossen, eine Testpflicht auf das Coronavirus für Rückkehrer aus den vom Robert-Koch-Institut gelisteten Risikogebieten einzuführen. "Wir müssen verhindern, dass Reiserückkehrer unbemerkt andere anstecken und so neue Infektionsketten auslösen", sagte Spahn. Das diene dem Schutz aller Bürgerinnen und Bürger.

Die Verordnung zur Anpassung der Nationalen Teststrategie wird voraussichtlich in der nächsten Woche (KW 32) in Kraft treten. Grundlage der Regelung ist § 5 Abs. 2 Nr. 1 e des Infektionsschutzgesetzes. Demnach kann der Bund eine ärztliche Untersuchung bei Einreisenden aus Risikogebieten zur Pflicht machen, um eine bedrohliche Krankheit festzustellen.

Welche Länder gelten als Risikogebiet?

Die Regionen, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2 besteht, werden vom Robert-Koch-Institut (RKI) auf deren Webseite aufgeführt.

Urlauber sollten allerdings beachten, dass es bei dieser Liste kurzfristig zu Änderungen kommen kann. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, dass das gewählte Reiseziel aufgrund gestiegener Infektionszahlen plötzlich als Risikogebiet eingestuft wird.

In Europa gelten momentan unter anderem Serbien, Luxemburg und Bosnien und Herzegowina als Risikogebiet (Stand: 29. Juli 2020).

Wo gibt es bereits Testzentren?

Die Corona-Tests für Reiserückkehrer finden zunächst an Flughäfen statt, da die Risikoliste des RKI insbesondere Länder außerhalb Europas umfasst. Am vergangenen Wochenende wurden die ersten Corona-Testzentren an Flughäfen eingerichtet. Reisende können sich beispielsweise in Düsseldorf, Dortmund, Köln/Bonn, München und Nürnberg nach der Landung testen lassen.

Ob und wie zukünftig bei Einreisen per Auto oder Zug getestet werden soll, ist derzeit noch unklar.

Ist der Corona-Test kostenlos?

Für Reiserückkehrer aus den vom RKI veröffentlichten Risikogebieten ist der Test momentan kostenlos. Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sollen die Tests auch weiterhin kostenfrei bleiben.

Spahn sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Gesundheit dürfe "keine Frage des Geldbeutels" sein. Das Ministerium plant zur Finanzierung, bestehende Regeln für die Kostenübernahme zu ergänzen. Demnach sollen alle aus dem Ausland Einreisenden auch ohne Krankheitsanzeichen getestet werden können, soweit die Einreise noch nicht mehr als 72 Stunden zurückliegt.

Die Kosten sollen zunächst die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen - der Bund könnte dies dann aber ausgleichen. So ist es bereits bei anderen Tests geregelt, die Gesundheitsämter auch bei Menschen ohne Symptome anordnen können. Angesetzt werden zunächst Kosten von 50,50 Euro pro Test. Die Tests sollen bis zu einmal pro Person wiederholt werden können.

Einige Flughäfen bieten freiwillige Tests für alle Heimkehrer unabhängig vom Herkunftsland an. Reisende, die nicht aus einem Risikogebiet kommen, müssen die Kosten jedoch selbst tragen. In Köln/Bonn fallen dafür laut "land.nrw" derzeit 90 Euro an.

Mit Material der dpa

Verwendete Quellen:

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Corona – Aktuelle Informationen
  • Bundesgesundheitsministerium: Informationen zum Coronavirus
  • Bundesgesundheitsministerium: Informationen für Urlaubsreisende
  • Land NRW. Landesregierung richtet Corona-Testzentren an nordrhein-westfälischen Flughäfen ein
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