Deutschland unterstützt seine EU-Partner Italien und Frankreich bei der Behandlung schwerkranker Corona-Patienten. Kliniken in mehreren Bundesländern haben bereits ausländische Notfallpatienten aufgenommen oder ihre Unterstützung angekündigt. Nach aktuellem Stand nimmt Deutschland 47 Patienten aus Italien auf, wie das Auswärtige Amt auf Twitter ankündigte.

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Die Welt kämpft gegen die Verbreitung des Coronavirus - auch über Landesgrenzen hinweg: Viele deutsche Kliniken haben sich bereit erklärt, schwer erkrankte Patienten aus Italien und Frankreich hierzulande zu behandeln, denn ohne Solidarität geht es im Kampf gegen diese weltweite Pandemie nicht. Was in vielen Krankenhäusern Italiens und Frankreichs fehlt, sind Betten mit Beatmungsgeräten, Behandlungsmaterial, Schutzbekleidung sowie Personal.

In einer Sondersitzung des NRW-Landtags sagte Ministerpräsident Armin Laschet in dieser Woche, dass Nordrhein-Westfalen zehn Corona-Patienten aus dem besonders betroffenen Norditalien aufzunehmen gedenke. "Das ist ein kleiner Tropfen. Aber wir wollen signalisieren: Ihr seid nicht allein", so Laschet.

Jedes Leben, das man retten könne, sei es wert. Viele andere Bundesländer erklärten sich ebenfalls bereit, Patienten aufzunehmen - darunter unter anderem Baden-Württemberg, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Berlin, Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen.

Viele Krankenhäuser an der Belastungsgrenze

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bedankte sich via Twitter für die grenzübergreifende Unterstützung. "Vielen Dank an unsere europäischen Nachbarn. Europäische Solidarität rettet Leben", twitterte er am Montag und nahm dabei direkt Bezug auf die Aufnahme französischer Notfallpatienten in Krankenhäusern in Baden-Württemberg, dem Saarland und Rheinland-Pfalz sowie in der Schweiz und Luxemburg.

Im Saarland werden seit dieser Woche fünf französische Patienten behandelt, um das Gebiet Grand Est zu entlasten. Aufgrund der hohen COVID-19-Fallzahlen sind die Gesundheitseinrichtungen in der französischen Nachbarregion bereits an ihrer Belastungsgrenze angekommen.

Das Auswärtige Amt twitterte am Donnerstagabend außerdem, dass Deutschland 47 italienische Intensivpatienten aufnehmen würde, um sie in Deutschland zu behandeln. "Wir stehen an der Seite unserer italienischen Freundinnen und Freunde", erklärte Bundeaußenminister Heiko Maas.

Im Interview mit der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera sagte er: "Sich gegenseitig in Europa zu helfen, sollte eine Selbstverständlichkeit für uns alle sein. [...] Diese Pandemie ist eine weltweite Herausforderung. Wir werden sie nicht im Modus‚ jeder für sich bewältigen. Es muss jetzt heißen: 'einer für alle, alle für einen.'"

Deutschland hat die Kapazitäten frei

Stellt sich die Frage, wie es Deutschland trotz steigender Infektionszahlen im eigenen Land überhaupt möglich ist, Patienten aus anderen Ländern aufzunehmen? Von der Pressestelle des Universitätsklinikums Freiburg wird erklärt: "Das Universitätsklinikum Freiburg befindet sich momentan noch in der Situation, aufgrund der frühzeitig begonnenen Vorbereitungen und dem großen Einsatz der Mitarbeiter, zwei Beatmungsplätze für französische Patienten anbieten zu können."

Die Intensivbetten sind also derzeit frei und es wird immer weiter aufgestockt, um vorbereitet zu sein, wenn der Bedarf in Deutschland ansteigt. Und bis dahin können die aktuell unbelegten Intensivbetten für Patienten anderer europäischer Länder verwendet werden. Denn weiter wird davon ausgegangen, dass die ausländischen Patienten wieder genesen sind, wenn die Kapazitäten für Patienten aus Deutschland benötigt werden.

Auch in der Uniklinik Leipzig befinden sich zwei eingeflogene Coronavirus-Patienten aus Italien, so Klinikumssprecher Markus Bien. Ansonsten gebe es derzeit keine weiteren Coronavirus-Patienten dort, aber eben freie Intensivbetten. "Stationär zu behandelnde Infizierte im Gebiet der Stadt Leipzig werden derzeit alle im Städtischen Klinikum St. Georg und seiner Sonderisolierstation versorgt", erklärt Bien.

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Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Christian Schütz, Pressesprecher der Uniklinik Saarland
  • Gespräch mit Markus Bien, Pressesprecher der Uniklinik Leipzig
  • Auswärtiges Amt: "Die Solidarität, gerade in schwierigen Zeiten, gehört zum Fundament der Europäischen Union."
  • Universitätsklinikums Freiburg: "Übernahme von Covid-Patienten aus Frankreich"
  • Twitteraccount von Emmanuel Macron
  • Twitteraccount von Heiko Maas
  • dpa
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