Das Pharmaunternehmen Janssen Vaccines in Bern-Bümpliz arbeitet mit Hochtouren an einem Corona-Impfstoff. Experte und Impfchef Dirk Redlich zeigt sich hoffnungsvoll und gibt Einblick in die aktuelle Lage.

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Bei der weltweiten Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus mischt derzeit auch die Schweiz ganz oben mit. So arbeitet etwa das Labor des Pharmaunternehmens Janssen Vaccines in Bern-Bümpliz an einem Medikament. Das soll ab September erstmals an Menschen in der ganzen Welt getestet werden.

Dirk Redlich, oberster Chef der technischen Impfstoffentwicklung von Janssen global, erklärt "blick.ch", dass andere Konzerne zwar schon aktuell Corona-Impfstoffe an Menschen testen würden. Doch aus der Sicht Redlichs gebe es bei der Pandemie "kein Konkurrenzdenken". "Ich fände es super, wenn auch ein anderer Impfstoff gut wirkt."

Darüber hinaus seien mehrere Partner vonnöten, um schnell einen passenden Impfstoff zu entwickeln. Bei Janssen Vaccines arbeiten derzeit 1.000 Mitarbeiter an dem Medikament.

Vektorviren sollen Produktion von Antikörpern anregen

Redlich und sein Team beschäftigen sich aktuell mit dem Adenovirus, das auch in der Natur vorkommt und eine Erkältungskrankheit erzeugt. Der Impfstoff aus Bern soll darauf aufbauen. Dafür habe man die Genetik des Virus so verändert, dass es den Menschen nicht mehr krank macht und sich nicht vervielfältigen kann.

Stattdessen soll es als Vektorvirus für den Impfstoff dienen. Heißt: Es vermittelt dem Körper eine Art Botschaft, durch die die Produktion von Antigenen ausgelöst wird. Die wiederum sorgen im Anschluss für die Herstellung von Antikörpern.

Redlich erwartet in den kommenden Wochen zudem erste Daten von Tierversuchen. Er gehe davon aus, dass das Medikament gut verträglich sei. Zudem erhoffe er sich noch vor Jahresende positive Ergebnisse aus den klinischen Versuchen bei Menschen. Für Notfälle soll der Impfstoff bereits im Januar 2021 auf den Markt kommen. Und wie steht es um eine beschleunigte Herstellung?

Große Produktionsmengen in Planung

Aufgrund Redlichs Erfahrung und der Robustheit des Stoffes könne man schnell große Mengen davon produzieren. In die Produktion werde derzeit schon investiert, merkt der Experte an. So könne man am Hauptsitz in Leiden (Niederlande) schon an die 300 Millionen Dosen herstellen. "Wir können viele Schritte parallel machen – die Bevölkerung muss keine Angst haben, dass wir irgendwelche Schritte auslassen", erklärt Redlich.

Das Ziel des Pharmaunternehmens sei es, den Impfstoff anschließend nach medizinischer Notwendigkeit zu verteilen. "Wir wollen eine Milliarde Impfdosen herstellen – wie das verteilt wird, muss international nach objektiven Kriterien beurteilt werden", so Redlich.

Was nützt der Corona-Impfstoff?

Einen genauen Schutz vor dem Coronavirus müsse man nach wie vor erforschen. "Aber wir sahen bei anderen Krankheiten, dass die Methode mit den Vektorviren verschiedene Teile des Immunsystems anregt und unterschiedlichen Schutz hervorruft."

Damit erinnert Redlich an den Ebola-Impfstoff, den der Konzern am Berner Standort im Schnellverfahren entwickelt hatte. Auch bei diesem habe man auf die Methode mit den Vektorviren gesetzt – mit Erfolg.

Weiter betont der Experte, dass das Unternehmen mit dem Corona-Impfstoff kein großes Geschäft machen wolle. "Wir wollen an dieser Pandemie auch kein Geld verdienen." (eee)

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Teaserbild: © imago images/localpic