• Am 10. September hat Dänemark alle Beschränkungen in der Corona-Pandemie aufgehoben. Geht diese Strategie auf?
  • Wir zeigen, wie sich die Lage seither entwickelt hat und wie Dänemark im Vergleich mit Deutschland dasteht.

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Samstag, 11. September 2021: Beim Konzert der Band The Minds of 99 feiern 50.000 Zuschauer ausgelassen in der Arena "Parken" in Kopenhagen. Die Fans tanzen, klatschen, singen, schwitzen.

Das Konzert galt als inoffizielle Auftaktveranstaltung in die Nach-Pandemie-Zeit. Denn dank guter Werte und hoher Impfquote hatte die dänische Regierung am 10. September alle Corona-Beschränkungen aufgehoben. Keine Maskenpflicht mehr, keine Zugangsbeschränkungen, kein Impfpass. Zwei Wochen danach scheint sich die Strategie auszuzahlen.

Aktuell hat Dänemark eine 7-Tages-Inzidenz von 44,9 (Stand: 28.9.). Noch am 25. August hatte diese bei 120,7 gelegen. Am 10. September, dem Tag der Öffnung, lag der Wert immerhin noch bei 66. Die Aufhebung der Beschränkungen scheint also bis jetzt keinen Einfluss auf die Ausbreitung des Virus gehabt zu haben. Eine von manchen Experten befürchtete starke Zunahme der Neuansteckungen blieb aus, auch wenn die Kurve in den letzten Tagen wieder leicht anstieg.

Hohe Impfquote als Erfolgsgarant im Kampf gegen Corona

Noch am 24. August wurden 1.340 neue Corona-Fälle gemeldet – einer der höchsten Werte im ganzen Jahr 2021. Knapp einen Monat später liegt die Zahl bei 338 (Stand: 28.9.).

Zum Vergleich: In Deutschland bewegte sich im selben Zeitraum relativ wenig. So lag die 7-Tages-Inzidenz am 23. August bei 59,6. Knapp einen Monat später, am 28. September, meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Inzidenz von 60,3.

Was also haben die Dänen besser gemacht? Ein entscheidender Punkt dürfte die hohe Impfquote sein. 75 Prozent der Bürger sind bereits vollständig gegen Corona geimpft, in Deutschland sind es 64,1 Prozent (Stand: 28.9.). Bei den Über-65-jährigen liegt die Quote – laut einer Statistik des dänischen Gesundheitsdienstes – gar bei über 95 Prozent.

Digitalisierung macht das dänische Gesundheitssystem flexibel

Dieser Erfolg dürfte auch damit zu tun haben, dass in Dänemark die meisten Menschen den Empfehlungen der Experten vertrauen. Querdenker gibt es zwar auch, aber diese sind lange nicht so zahlreich und präsent wie hierzulande.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Gesundheitssystem, das mit hoher Digitalisierung glänzt. So kann bei eventuellen Corona-Ausbrüchen schnell reagiert werden. Es gibt elektronische Patientenakten, auf die im Notfall jeder Arzt schnell zugreifen kann. Jeder Bürger ist mit einer Sozialversicherungsnummer erfasst, Überweisungen laufen ebenfalls digital.

In einer Untersuchung bezeichnete das Bertelsmann Institut das Gesundheitssystem Dänemarks in Bezug auf Digital Health als eines der fortschrittlichsten weltweit.

Impfstoffe als "Superwaffe" – alle Dänen sollen gegen die Pandemie mitziehen

Zudem wollen die Dänen ihre Impfkampagne weiter vorantreiben. Das betonte auch Staatsministerin Mette Frederiksen in einer Pressemitteilung Ende August: "Wir erwarten, dass wir in Zukunft nationale Shutdowns vermeiden können – einfach weil wir jetzt die Superwaffe haben, nämlich die Impfstoffe. Und deshalb ist es absolut entscheidend, dass auch die Letzten sich impfen lassen, damit wir alle sicher in den Herbst gehen können."

Dänemark nahm in der Pandemie schon mehrere Male die Rolle des Vorreiters ein. So verordnete das Land als eines der ersten einen strengen Lockdown. Genauso schnell wurden Öffnungen vorangetrieben, sobald das wieder möglich war. Auch beim Testen legte das Land den Turbo ein.

COVID-19 ist in Dänemark nun nicht mehr als "gesellschaftskritische", sondern als "allgemeingefährliche Krankheit" eingestuft. Das bedeutet aber auch: Sobald sich die Lage verschlechtern sollte, kann die Regierung schnell wieder Maßnahmen zur Eindämmung anordnen.

Denn ob die dänische Strategie auch diesmal aufgeht, bleibt abzuwarten. Noch ist zu wenig Zeit vergangen, um ein verlässliches Urteil zu fällen. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass das Virus sehr schnell zurückschlagen kann.

Verwendete Quellen:

  • Johns Hopkins University: Corona Virus Resource Center
  • Corona-in-zahlen.de: Zahlen für Dänemark
  • RKI: COVID-19-Dashboard
  • Our World in Data: Impfquote Deutschland
  • Website des Statens Serum Institut
  • Pressemitteilung Statsministeriet (23. August 2021)
  • Bertelsmann Stiftung: #SmartHealthSystems (2018)
  • ntv.de: Was man von Dänemark lernen kann

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