1957 heuerte er im Weißen Haus als Putzkraft an, unter Obama ging er als Chefbutler in den Ruhestand: Wilson Jerman diente elf US-Präsidenten, nun erlag der 91-Jährige einer Corona-Infektion. Die Anteilnahme ist groß.

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Es wird dieser Tage viel über die Vorgänge im Weißen Haus geredet, und meistens geht es dabei um Äußerungen oder Entscheidungen von Vertretern der US-Regierung. Nun haben sich gleich mehrere frühere Bewohner des Regierungssitzes zu Wort gemeldet - und das hat nichts mit Politik und schon gar nicht mit dem aktuellen Staatsoberhaupt zu tun.

Sondern mit einem Mann, dessen Name bislang ziemlich unbekannt war. Wilson Jerman, so heißt es in einer Stellungnahme von George W. Bush und seiner Frau Laura, sei ein liebenswürdiger Mensch gewesen. "Er war die erste Person, die wir am Morgen sahen, wenn wir aufbrachen, und die letzte Person, die wir jeden Abend sahen, als wir zurückkehrten."

Der Ex-Präsident und die frühere First Lady sprechen so nicht über einen verdienten Minister oder Diplomaten - sondern über einen Butler des Weißen Hauses, der nun im Alter von 91 Jahren gestorben ist. Allerdings war Wilson Jerman mehr als einer unter etlichen Angestellten des US-Regierungssitzes. Er war offenbar eine Legende im Machtzentrum von Washington, eine ziemlich sympathische Legende.

Auch Michelle Obama und Hillary Clinton äußern sich

"Mit seiner Freundlichkeit und Fürsorge trug Wilson Jerman dazu bei, das Weiße Haus für Jahrzehnte zu einem Zuhause für die Familien der Präsidenten, einschließlich der unseren, zu machen", heißt es in einem Statement von Michelle Obama. "Sein Dienst an anderen - die Bereitschaft, für das Land, das er liebte, und all jene, deren Leben er berührte, alles zu geben - ist ein Vermächtnis, das seines großzügigen Geistes würdig ist."

Auch Hillary Clinton, frühere First Lady, Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin, äußerte sich. Jerman sei es gelungen, während elf Präsidentschaften den Familien der Staatschefs ein Gefühl von Zuhause im Weißen Haus zu vermitteln, heißt es in einer Stellungnahme auf Twitter. Sie und Ex-Präsident Bill Clinton seien traurig über den Tod des früheren Butlers.

Jerman begann im Jahr 1957 als Reinigungskraft unter dem damaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower, wie unter anderem die "Washington Post" berichtet. In den Sechzigerjahren fiel der junge Afroamerikaner laut BBC der First Lady Jackie Kennedy auf, die ihn zum Butler beförderte. Als er während der Präsidentschaft Barack Obamas 2012 in den Ruhestand ging, hatte er die Position eines Chefbutlers inne.

Jerman starb an COVID-19

Dass nun Millionen Amerikaner zum ersten Mal von diesem Ex-Butler aus der Hauptstadt hören, mag auf den ersten Blick nichts mit Politik und der gegenwärtigen Krise der USA zu tun haben - auf den zweiten Blick aber durchaus: Wilson starb am Wochenende an der Krankheit, deren katastrophalen Verlauf in den Vereinigten Staaten die Verantwortlichen im Weißen Haus nicht rechtzeitig eingedämmt hatten.

Was Jerman persönlich von jenen Politikern hielt, für die er arbeitete, ist nicht bekannt. Dass ihn als Afroamerikaner wohl einiges mit Barack Obama verband, liege jedoch auf der Hand, wie Koritha Mitchell, Professorin für Afroamerikanistik an der Ohio State University, der BBC sagte.

Jerman habe in den Fünfzigerjahren eine der höchsten Positionen erreicht, die Schwarzen damals offenstanden. Dass er am Ende seines beruflichen Werdegangs für einen schwarzen Präsidenten arbeitete, sei vermutlich sehr befriedigend für ihn gewesen, sagte Mitchell: "Das muss sich angefühlt haben wie ein Sieg."

Zum Abschied gab es ein Geschenk von Barack Obama

Als Jerman 2012 das Weiße Haus verließ, ehrte ihn sein Vorgesetzter mit einem besonderen Abschiedsgeschenk: Barack Obama schenkte dem Butler eine Reihe von elf Gedenktafeln - auf jeder war einer der Männer abgebildet, unter deren Präsidentschaft Jerman gedient hatte.  © DER SPIEGEL

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