• Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 12.000 Männer an Prostatakrebs.
  • Die regelmäßige Vorsorge ab 50 ist daher überaus wichtig und der PSA-Test für die Tumorerkennung oft unverzichtbar.
  • Ein Experte erklärt, was bei der Früherkennungsuntersuchung beim Urologen gemacht wird und räumt mit Vorurteilen auf.

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Prostatakrebs ist mit circa 25 Prozent die häufigste Krebsart bei Männern und betrifft diese meistens erst in der zweiten Lebenshälfte. Da der Tumor in der Regel langsam wächst, kann eine fachliche Beobachtung beim Urologen ausreichen. Streut der Tumor jedoch, ist die Krankheit nicht mehr heilbar - jährlich sterben deutschlandweit rund 12.000 Männer an Prostatakrebs.

Deshalb wird Männern die jährliche Früherkennungsuntersuchung empfohlen. Als private Leistung kann dabei auch ein PSA-Test gemacht werden.

Prostatakrebs: Das sollten Sie über die Früherkennungsuntersuchung wissen

Die Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs wird für Männer ab 50 Jahren empfohlen. "Im Intervall 40 bis 45 sollte gehen, wer eine familiäre Vorbelastung hat, das heißt, wenn der Vater, Onkel oder Bruder betroffen ist", sagt Urologe Christian Wülfing.

Bei der von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlten Untersuchung handelt es sich um eine rektale Tastuntersuchung, die durch einen Ultraschall ergänzt werden kann. Dabei können allerdings nur oberflächlich gelegene und größere Tumoren entdeckt werden.

Ist der Tumor sehr klein oder liegt er ungünstig, bleibt er unentdeckt. Dann drohen ein unbemerktes Tumorwachstum und Metastasen, der Krebs kann streuen und zu sehr schweren Verläufen führen. Um das zu vermeiden, ist die Früherkennung entscheidend. Deshalb ist ein PSA-Test als Ergänzung zu den anderen Untersuchungen sinnvoll und wichtig.

Was der PSA-Wert aussagt - und was der Test kostet

Beim PSA-Test handelt es sich um einen Bluttest, über den die Konzentration des Eiweißstoffes PSA (prostataspezifisches Antigen) im Blut bestimmt wird. Normalerweise findet sich von diesem nur sehr wenig im Blut. Da Krebszellen aber mehr PSA bilden als gesunde Zellen, gilt der PSA-Wert als genauer Tumormarker und somit als die empfindlichste Methode zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Er ist eine IGeL-Leistung, die der Patient aus eigener Tasche bezahlen muss. Die Kosten betragen rund 20 Euro.

Die deutschen Fachgesellschaften, unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Urologie und die Deutsche Krebsgesellschaft, haben in ihrer S3-Leitlinie Prostatakarzinom definiert, dass ab einem PSA-Wert von über 1,5 Nanogramm (ng) je Milliliter die Untersuchung in sechs Monaten wiederholt werden sollte.

Wenn der Wert im Rahmen der Untersuchungen steigt und ab einem Wert von 4 ng/ml ist eine weitere Abklärung notwendig. Sie geschieht häufig im Rahmen einer Biopsie. Das heißt, es wird beim Urologen Gewebe aus verschiedenen Stellen der Prostata entnommen und dann beim Pathologen auf Krebszellen untersucht.

Für wen der PSA-Test sinnvoll ist

Allerdings ist es nicht so, dass die Deutsche Gesellschaft für Urologie das Screening über den PSA-Test pauschal für alle Männer über 50 empfiehlt, betont Wülfing. Vielmehr gehe es darum, individualisiert vorzugehen.

"Patienten, die schwer vorerkrankt oder sehr alt sind, brauchen den Test in vielen Fällen nicht. Aber viele jüngere und gesunde Männer kann man durch die differenzierte Früherkennung vor einem Prostatatumor mit schwerem Verlauf und Metastasen bewahren", erklärt Wülfing. "Wir sehen in Studien, dass durch den PSA-Test deutlich frühere Tumorstadien erkannt werden."

Durch die rektale Tastuntersuchung und den Ultraschall erkenne man den Krebs häufig zu spät. Früherkannt liegen die Heilungschancen bei Prostatakrebs hingegen bei 80 bis 90 Prozent. Zudem stehe in der Leitlinie, dass der Arzt verpflichtet ist, den Patienten über Nutzen und Risiken des PSA-Testes aufzuklären. Dieser Verpflichtung käme man selbstverständlich nach und nehme sie auch sehr ernst.

PSA-Test hat einen Nachteil - und leidet unter Vorurteilen

Ein Nachteil des PSA-Tests ist, dass er auch in die Höhe geht, wenn bei einem Mann die mit zunehmendem Alter verbreitete, gutartige Vergrößerung der Prostata eintritt. "Den Großteil dieser Männer kann man in der Praxis aber durch eine einfache Befragung, Abtastung und Ultraschalluntersuchungen erkennen", sagt Wülfing.

Ein Vorurteil wiederum lautet, dass es durch den PSA-Test oftmals zu Überdiagnosen käme. Dem stellt sich Wülfing entschieden entgegen: "Es braucht eine risikoadaptierte, individualisierte Strategie, die dem jeweiligen Patienten entspricht", sagt der Experte. "Abhängig von der Konstellation genetisches Risiko, Höhe des PSA-Wertes und dessen Entwicklung gilt es, die Früherkennungsuntersuchung und deren zeitliche Abstände zu gestalten."

Prostatatumor: Unterschiedliche Risikostufen

Auch der Vorwurf der Übertherapie sei nicht zutreffend. "Die Fachgesellschaften haben Prostatakarzinome in verschiedene Stufen eingeteilt: niedriges, mittleres und hohes Risiko", sagt der Urologe.

"In die Einteilung eines Tumors in die jeweilige Stufe laufen verschiedene Parameter aus der Früherkennungsuntersuchung hinein: Die Höhe des PSA-Werts und die Ergebnisse der Biopsie. Dazu zählt unter anderem, an wie vielen Stellen dabei Krebszellen gefunden wurden und wie aggressiv diese sind", sagt Wülfing.

Aktive Überwachung statt vorschneller Operation

"Ein Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko wird heutzutage in der Regel gar nicht behandelt. Da wird nicht mehr operiert", sagt der Urologe. Man habe festgestellt, dass diese Fälle sich extrem langsam verändern oder gar nicht wachsen. Dadurch gebe es weltweit 20 Prozent weniger chirurgische Eingriffe an der Prostata als das früher der Fall war.

"Der kerngesunde 60-Jährige mit dem Befund Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko wird heute nur beobachtet. Dann spricht man von einer aktiven Überwachung", erklärt der Experte. In einem Jahr wird die Untersuchung dann wiederholt und der PSA-Wert erneut genommen. So kann ein mögliches Wachstum oder eine aggressive Veränderung des Tumors frühzeitig erkannt und schließlich behandelt werden.

Die Hälfte seiner Patienten mit Prostatatumor überwacht Wülfing lediglich. Es werde keineswegs vorschnell operiert, wie dies vor zehn oder 20 Jahren noch der Fall war. Kommt es doch zu einer Operation, sind die Methoden heute deutlich besser. Häufig wird minimalinvasiv, nervenerhaltend und robotergestützt vorgegangen.

Männer befürchten häufig, nach einer Prostata-OP inkontinent oder impotent zu sein. Ersteres sei heute kaum mehr der Fall, sagt Wülfing. Auch Impotenz könne sehr häufig vermieden werden.

MRT zur Krebsfrüherkennung

Über den PSA-Wert als Kassenleistung hinaus fordert der Urologe den vermehrten Einsatz des MRT (Magnetresonanztomographie) der Prostata zur Krebsfrüherkennung. "Das MRT der Prostata hat in den letzten Jahren einen so großen Zugewinn an Informationsqualität gebracht, dass in den Leitlinien dieses inzwischen auch zur Früherkennung gefordert wird", sagt der Urologe.

Das Ergebnis sei sehr deutlich und könnte eine Biopsie viel genauer werden lassen oder diese sogar ersetzen. Mit der Untersuchung beim Radiologen kann die Aggressivität des Krebses somit noch besser erkannt und definiert werden.

Über den Experten: Prof. Dr. Christian Wülfing ist Chefarzt für Urologie an der Asklepios Klinik in Hamburg Altona. Zudem ist er Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Prof. Dr. Christian Wülfing
  • Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Prostatakrebs. Krebs der Vorsteherdrüse.

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