Dutzende junge Frauen versuchen in der neuen Staffel von "Germany's next Topmodel", Heidi Klum von ihren Modelfähigkeiten zu überzeugen. Julia F. ist eine von ihnen und fällt dabei durch einen ganz besonderen Look auf. Ihre Glatze ist aber kein Modestatement - die GNTM-Teilnehmerin leidet an einer Autoimmunerkrankung namens Alopecia. Was steckt hinter der Krankheit?

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In der neuen Staffel von "Germany's next Topmodel" (hier im Couchticker) möchte Julia F. aus Unterfranken zusammen mit vielen anderen Frauen den Durchbruch als Model schaffen. Die 20-Jährige hat eine besondere Geschichte: Eigentlich geht sie nur mit einer ihrer sieben Perücken aus dem Haus.

Denn im Alter von zehn Jahren verlor Julia plötzlich ihre Haare. Zunächst wussten sie und ihre Familie nicht, was mit ihr los ist. "Das war schon hart am Anfang für mich", erinnert sie sich im Interview mit ProSieben. Mittlerweile hat Julia kein einziges Haar mehr an ihrem Körper – und kennt den Grund für den Verlust ihrer Haare: Sie leidet unter einer schweren Form der Autoimmunkrankheit Alopecia.

Bei GNTM stand am Donnerstag das härteste Nackt-Shooting aller Zeiten an. Zwei Kandidatinnen fielen bei Heidi Klum durch und eine fiel auf: Tamara. Die einen lieben ihre Art, die anderen hassen sie. Und was sagt die Model-Mama?

Was ist Alopecia?

Alopecia ist eine Form des Haarausfalls, bei der die Haare typischerweise in kreisrunden Arealen ausfallen. Daher ist die Erkrankung auch als kreisrunder Haarausfall bekannt. Meist beginnt es mit einer einzelnen kleinen kahlen Stelle am Kopf. Diese kann sich ausbreiten, weitere haarlose Areale am Kopf und im Bartbereich können hinzukommen.

Wie viele Haare man verliert und wie die Krankheit letztendlich verläuft, ist individuell sehr unterschiedlich. In manchen Fällen fallen die Haare sogar auf dem gesamten Kopf aus – davon können beispielsweise auch Augenbrauen oder Wimpern betroffen sein. Sogar der Verlust der kompletten Körperbehaarung ist möglich.

Wie entsteht Alopecia?

Die Ursachen für kreisrunden Haarausfall sind noch immer weitgehend unklar. Nach dem heutigen Stand der Forschung handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung: Das körpereigene Immunsystem richtet sich dabei gegen Bestandteile der Haarwurzeln, die es irrtümlicherweise als fremd erkennt. Die Haare fallen infolge einer sich um die Haarwurzel herum auftretenden Entzündungsreaktion aus.

Diese Autoimmunerkrankung ist weder Folge noch Anzeichen einer anderen Erkrankung, obwohl einige Betroffene auch unter einer Schilddrüsenerkrankung oder Vitiligo (einer Hautpigmentstörung) leiden.

Dass Umweltfaktoren oder Stress ein Auslöser sein können, ist wissenschaftlich ebenfalls nicht belegt. Auch für hormonelle Störungen sind keine Anhaltspunkte zu finden, denn die Krankheit kommt bei Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts vor. Jedoch gibt es Forschungsergebnisse, die nahelegen, dass unter anderem eine genetische Veranlagung eine gewisse Rolle spielen könnte.

Wie wird Alopecia behandelt?

Betroffene sollten immer zum Dermatologen gehen, wenn sie eine oder mehrere kahle Stellen bemerken. Zwar ist Alopecia nicht gefährlich, allerdings können auch andere Erkrankungen wie etwa eine Pilzinfektion der Kopfhaut zu Haarausfall führen.

Bisher wurde noch keine Therapie gefunden, die Alopecia ursächlich heilen kann. Lediglich die Symptome können behandelt werden. Bei fortgeschrittenem Befund und hohem Leidensdruck kann mit Kortison therapiert werden, die Behandlung ist allerdings in der Regel mit Nebenwirkungen wie einer Gewichtszunahme verbunden. Außerdem fallen die Haare nach Ende der Behandlung oft wieder aus.

Ist die Krankheit schon stark fortgeschritten, können Kontaktallergene zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich um bestimmte Chemikalien, die auf die Kopfhaut aufgetragen werden und durch eine Reizung das Haarwachstum anregen sollen. Doch auch bei dieser Therapieform drohen unangenehme Nebenwirkungen.

Eine weitere Möglichkeit ist eine immunsuppressive Behandlung, wie sie bei Schuppenflechte und Rheuma durchgeführt wird. Dabei wird das Immunsystem mit Medikamenten unterdrückt, sodass es aufhört, die Haarwurzeln anzugreifen. Allerdings wird man so anfälliger für Infekte und andere Erkrankungen.

Chancen auf Heilung bei leichter Form

Nicht immer ist daher eine Behandlung gewünscht – oder überhaupt notwendig. Handelt es sich um eine leichte Form der Alopecia, wächst das Haar normalerweise nach einigen Monaten wieder nach. Bei Menschen mit ausgedehntem Haarausfall ist ein spontanes Nachwachsen dagegen weniger wahrscheinlich.

Gerade dann kann der Austausch mit anderen Betroffenen im Rahmen von Selbsthilfegruppen wie Alopecia Areata Deutschland e.V. eine wertvolle Unterstützung sein. Bei Bedarf kann zudem ein Psychologe helfen, mit der Erkrankung leben zu lernen.

Ob Julia noch Chancen auf den Titel hat, lesen Sie hier: Wer ist schon raus bei GNTM?

Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine persönliche Beratung und Behandlung durch einen Arzt.

Verwendete Quellen:

  • ProSieben: GNTM-Julia F.: "Wegen einer Autoimmunkrankheit hat sie keine Haare"
  • MSD Manual: "Alopecia areata"
  • Alopecia Areata Deutschland e. V.
  • Biermann Medizin Kompakt Dermatologie und Allergologie: "Alopecia areata: Aktuelle Therapiemöglichkeiten"

GNTM Kandidatinnen 2020: Julia F.

Julia aus Schweinfurt leidet an der Autoimmunkrankheit Alopecia (kreisrundem Haarausfall). Dennoch fühlt sie sich mit einer ihrer sieben Perücken auf dem Kopf wohl. Aber wird sie auch den Mut finden, auch ohne Perücke bei #GNTM durchzustarten? © ProSiebenSat.1