Eigentlich sterben in der EU und Großbritannien einer aktuellen Studie zufolge weniger Menschen an Krebs. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Junge Menschen, die an Darmkrebs erkrankt sind.

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Bereits zum 14. Mal in Folge hat ein Team Forschender WHO-Daten zu Krebserkrankungen und Todesfällen ausgewertet und vergleichen. Sie geben auch eine Prognose für das Jahr 2024 ab. Die gute Nachricht: Im Schnitt sterben in der EU und Großbritannien immer weniger Menschen an Krebs. Die Ausnahme: Auch wenn es vergleichsweise wenig Erkrankte gibt, steigen die Todesfälle junger Darmkrebspatientinnen und -patienten zwischen 25 und 49 an.

Darmkrebs - Wer ist betroffen?

  • Etwa 55.000 Menschen erkranken nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums jedes Jahr an Darmkrebs, mehr als 20.000 sterben.
  • Darmkrebs entsteht meist aus Wucherungen der Darmwand. Diese können bei einer Darmspiegelung entfernt werden, bevor sie sich möglicherweise zu Darmkrebs entwickeln.

Besonders stark steigt die Todesrate bei Darmkrebs im Altersbereich von 25 bis 49 Jahren nach der Prognose des Forschungsteams für 2024 verglichen mit dem Zeitraum 2015 bis 2019 in Großbritannien: um 26 Prozent bei Männern und fast 39 Prozent bei Frauen der Altersgruppe. Bei 25- bis 49-jährigen Frauen in Deutschland (plus 7,2 Prozent) werde ein Anstieg zu verzeichnen sein.

Mehr junge Menschen sterben an Darmkrebs - Forscher sieht Probleme bei Lebensstil

Die Gründe dafür, dass mehr junge Darmkrebs-Patientinnen und -patienten sterben, sieht Studienautor Carlo La Vecchia besonders im Lebensstil: Eine Ursache sei der höhere Anteil übergewichtiger junger Menschen, erläutert ein Forschungsteam um Carlo La Vecchia von der Universität Mailand im Fachjournal "Annals of Oncology". Weitere Faktoren seien ein erhöhter Alkoholkonsum und verminderte körperliche Aktivität. Die Steigerungsraten bei jungen Menschen seien besorgniserregend, so La Vecchia - gerade auch, weil sich Diagnose und Behandlung von Darmkrebs verbessert hätten.

In der Regel ist Darmkrebs in jüngerem Alter aggressiver, die Überlebenschancen sind geringer als bei älteren Menschen, wie die Forschenden erläutern. Es sei zu überlegen, die Darmkrebsvorsorge auf jüngere Menschen, beginnend mit 45 Jahren, auszuweiten. In Deutschland können Frauen ab 55 und Männer ab 50 Jahren als gesetzlich Krankenversicherte eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen. La Vecchia hält außerdem mehr politische Maßnahmen, unter anderem zur Förderung körperlicher Aktivität und zur Verminderung des Alkoholkonsums, für nötig.

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Denn obwohl im Vergleich mehr junge Patienten mit Darmkrebs sterben, gibt es vergleichsweise wenig junge Erkrankte. Und: Über alle Altersgruppen hinweg gerechnet sinkt die Todesrate bei Darmkrebs unter Berücksichtigung der Altersstruktur der Bevölkerung: in Deutschland verglichen mit 2019 bei Männern um 11,55 Prozent, bei Frauen um 7,99 Prozent.

Sterberaten bei den meisten Krebsarten sinken

Auch bei anderen Krebsarten sinken die Sterberaten für Betroffene: Besonders stark sinken der Untersuchung zufolge bei Männern in Deutschland die altersstandardisierten Todesraten bei

  • Magenkrebs (17,92 Prozent)
  • Lungenkrebs (17,53 Prozent)
  • Blasenkrebs (15,88 Prozent)
  • Leukämie (11,65 Prozent)
  • Keinen positiven Trend gibt es bei Prostatakrebs

Bei Frauen in Deutschland gehen die Todesraten der Berechnung zufolge bei

  • Leukämie (18,52 Prozent)
  • Magenkrebs (16,71 Prozent)
  • Brustkrebs (10,77 Prozent)
  • Eierstockkrebs (10,75 Prozent) zurück.
  • Die Rate bei Blasenkrebs steigt hingegen um 1,22 Prozent

Auch EU-weit sinken die altersstandardisierten Todesraten bei Krebs dem Team um La Vecchia zufolge weiter: über alle berücksichtigten Krebsarten gemittelt bei Männern um 6,5 Prozent von 132 auf 123 pro 100.000 Einwohner im Vergleich zu 2018, bei Frauen um 4,3 Prozent von 82,5 auf 79 pro 100.000 Einwohner. Bei der altersstandardisierten Rate wird die Altersverteilung der Bevölkerung in der Berechnung als Faktor berücksichtigt.

Die von den Studienautoren verwendeten Daten stammen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie berücksichtigten die Angaben seit 1970 bis zu den neuesten verfügbaren Daten (zwischen 2017 und 2021). (dpa/tar)

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