• Die ersten Bundesländer haben bereits im August mit der dritten Corona-Impfung der Risikogruppe begonnen.
  • Anfang Oktober sprechen die Ständige Impfkommission (STIKO) und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Empfehlungen für bestimmte Personengruppen aus.
  • Wir beantworten die fünf wichtigsten Fragen rund um die Auffrischimpfung.

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Warum eine dritte Corona-Impfung?

Generell dienen Booster-Impfungen dazu, einen bereits bestehenden Impfschutz aufzufrischen. So soll auch die dritte Corona-Impfung den Schutz vor dem Virus (nochmal) erhöhen. Studien zeigen inzwischen, dass sich bei vollständig Geimpften, aber auch Genesenen die Anzahl der Antikörper gegen das Virus nach einigen Monaten reduziert – und besonders der Schutz vor asymptomatischen Verläufen und leichten Krankheitsverläufen abnimmt. Durch die dritte Injektion erhöht sich die Anzahl der Antikörper gegen das Virus wieder.

Auffrischimpfung: Was empfehlen STIKO und EMA?

In einigen Bundesländern ist die Booster-Impfung seit August für die sogenannte Risikogruppe möglich. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat Anfang Oktober eine Empfehlung ausgesprochen, wer seinen Impfschutz auffrischen sollte. Diesen Personengruppen rät die STIKO derzeit zur Booster-Impfung:

  • Menschen ab 70 Jahren
  • Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen
  • Pflegepersonal, Personal in medizinischen Einrichtungen und Betreuende mit Patientenkontakt
  • Außerdem empfiehlt die STIKO allen, die den Impfstoff "Janssen" von Johnson & Johnson erhalten haben, den Impfschutz mit einem mRNA-Impfstoff zu erhöhen.

Generell gilt: Wer bei der Grundimmunisierung einen mRNA-Impfstoff erhalten hat, sollte diesen nach Möglichkeit auch bei der Auffrischimpfung verabreicht bekommen. Unabhängig des zuerst verwendeten Impfstoffes gilt außerdem: Die Grundimmunisierung sollte mindestens sechs Monate zurückliegen.

Für diesen zeitlichen Abstand zwischen den Impfungen spricht sich auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) aus. Die Empfehlung gilt derzeit allerdings nur für Menschen ab 18 Jahren ohne Vorerkrankungen und für die Verimpfung des Vakzins von Biontech/Pfizer.

Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sei die Booster-Impfung bereits 28 Tage nach der Grundimmunisierung möglich.

Welche Kritik gibt es an der Drittimpfung?

Die Booster-Impfung steht insbesondere aus ethischer Sicht in der Kritik: Reiche Staaten impfen bereits zum dritten Mal, während es in anderen Ländern noch keine flächendeckenden Erstimpfungen gab. Und: Für die Boosterimpfung kommen derzeit ausschließlich die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zum Einsatz. Sie gewähren Forschungen zufolge einen besonders hohen Impfschutz gegen das Virus - sind aber aktuell auch in vielen Ländern knapp. Aus diesem Grund spricht sich die WHO mittlerweile zwar für die Drittimpfung immungeschwächter Menschen aus, lehnt aber die Booster-Impfung für die Allgemeinheit weiterhin ab - und fordert dazu auf, Impfstoff an ärmere Länder abzugeben.

Auch Christian Drosten von der Berliner Charité äußerte sich im Podcast "Corona Virus Update" auf NDR Info kritisch zur dritten Impfung: Zwar sei eine Booster-Impfung "hervorragend", da sie nicht nur dazu führe, dass "das Niveau von neutralisierenden Antikörpern steigt" sondern auch "der nachweisbare Krankheitschutz vor schwerer und vor überhaupt einer Infektion". An anderer Stelle thematisiert Drosten aber auch den ethischen Konflikt: "Und ich muss zugeben, ich wäre gerne auch noch ein drittes Mal geimpft. Aber hier würde ich als Bürger dann auch sagen: Meine dritte Impfdosis geht erst mal nach Afrika."

Wie ist der wissenschaftliche Stand zur Corona-Booster-Impfung?

In anderen Ländern sind Booster-Impfungen schon länger im Einsatz. Erste Forschungsergebnisse zur Dritt-Impfung kommen zum Beispiel aus Israel, wo die dritte Impfung bereits seit Juli möglich ist und sich auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen den Booster verimpfen lassen können.

Das Forschungsteam um Yinon M. Bar-On hat kürzlich eine Studie zum Thema als Preprint veröffentlicht. Das heißt, dass sie bereits online der Öffentlichkeit zugänglich, aber noch nicht von wissenschaftlichen Gutachtern geprüft ist. In der aktuellen Studie vergleichen die Forschenden den Impfschutz von Menschen mit und ohne Booster-Impfung und werteten über den Zeitraum von Juli bis September 2021 Daten von Geimpften aus. Sie untersuchten, wie viele Menschen mit beziehungsweise ohne Booster-Impfung an Covid-19 erkrankten, schwere Verläufe hatten oder starben.

Das Ergebnis: Die Infektionsrate war insgesamt in der Gruppe mit Booster-Impfung um das 10-fache niedriger als in der Kontrollgruppe. Besonders auffällig dabei: Junge Menschen unter 40 mit Drittimpfschutz hatten sich im untersuchten Zeitraum deutlich seltener infiziert (16,6 Prozent) als ohne Booster (46 Prozent).

Kommt die dritte Corona-Impfung für alle in Deutschland?

Das lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht eindeutig sagen. Zwar ist es vorstellbar, dass es bald auch eine Auffrischungsimpfung für Jüngere und Gesunde geben könnte. Fakt ist aber auch: Aktuell dominiert die Delta-Variante in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt das Infektionsgeschehen. Laut RKI und WHO bieten insbesondere die mRNA-Vakzine, die derzeit im Einsatz sind, einen hohen Schutz gegen die Delta-Variante. Zugleich warnen Forscher vor aggressiven Varianten, die resistent gegen diese Impfstoffe sein könnten. Eine weitere Impfung könnte also gegen neue Varianten des Virus zum Einsatz kommen oder um generell die Immunwirkung vor dem Winter zu steigern, in denen das Infektionsgeschehen meist höher ist.

Verwendete Quellen:

  • Robert-Koch-Institut:Pressemitteilung der STIKO zur COVID-19-Auffrischimpfung und zur Optimierung der Janssen-Grundimmunisierung
  • Zoe Covid Study: Protection provided by COVID vaccines fades over time
  • Ema.europa.eu: Comirnaty and Spikevax: EMA recommendations on extra doses and boosters
  • Medrxiv.org: Protection Across Age Groups of BNT162b2 Vaccine Booster against Covid-19
  • Who.int: Interim statement on booster doses for COVID-19 vaccination
  • Ndr.Info: Coronavirus-Update: Die Wissenschaft hat geliefert
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