• Die Zahl der Affenpocken-Fälle in Europa nimmt überraschend schnell zu.
  • Die Krankheit kann jeden treffen.
  • Ansteckungswege, typische Symptome und wie Sie sich schützen – die wichtigsten Antworten.

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Bis vor Kurzem hatten die meisten Menschen in Europa noch nie etwas von Affenpocken gehört. Nun sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 1.000 Fälle gemeldet worden (Stand: 08. Juni), das Robert-Koch-Institut meldete am 10. Juni 165 Affenpockenfälle aus nein Bundesländern in Deutschland.

Diese Zahlen an bestätigten Infektionen und Verdachtsfällen betreffen nur Länder, in denen die Viruskrankheit zuvor nicht regelmäßig gehäuft auftrat – was vorwiegend in West- und Zentralafrika der Fall war. Das Ausmaß überrascht, dennoch sagen Expertinnen und Experten: Der Beginn einer neuen Pandemie, das neue Corona, sei das alles nicht. "Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein", heißt es.

In Deutschland sind in mehreren Bundesländern Fälle aufgetreten. Die meisten Infizierten steckten sich laut RKI bei Veranstaltungen an, "die mit sexuellen Aktivitäten verbunden waren", sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Allerdings: Die Krankheit kann jeden treffen, auch Kinder und Jugendliche. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick.

Was sind Affenpocken?

Bei Affenpocken handelt es sich um eine seltene Viruserkrankung. Ihr Name geht darauf zurück, dass sie erstmals 1958 in einem dänischen Labor bei Affen nachgewiesen wurden. Fachleute vermuten allerdings, dass der Erreger eigentlich in Hörnchen und Nagetieren zirkuliert, Affen gelten als sogenannte Fehlwirte – sie können also befallen werden, der Parasit kann sich aber nicht weiterentwickeln. Bei einem Menschen wurde das Virus erstmals 1970 in Afrika nachgewiesen.

Wie stecken sich Menschen an?

Durch Bisse oder beispielsweise engen Umgang können sich Menschen von Tieren anstecken. "Übertragungen von Mensch zu Mensch sind nach aktuellen Erkenntnissen selten, aber möglich, vor allem bei engem Kontakt", informiert das RKI.

Bei den aktuell erfassten Fällen sind häufig Männer betroffen, die Sexualkontakte zu anderen Männern hatten. Das könnte aber auch Zufall sein: Das Virus wurde womöglich zunächst in diesen Personenkreis getragen und dann dort weitergetragen. Deshalb gelten derzeit als Hauptrisikogruppe Männer, die Sex mit anderen Männern gehabt haben. "Und das muss man ansprechen können, um diese Gruppe zu schützen", betonte Lauterbach, "das ist keine Stigmatisierung".

Treffen kann die Krankheit allerdings jeden, denn die Übertragung ist laut RKI auf unterschiedliche Weise möglich:

  • Kontakt mit Körperflüssigkeiten (etwa Bläscheninhalt, Schorf) der Affenpocken-Infizierten
  • Sexuelle Kontakte mit Infizierten – wobei derzeit nicht sicher ist, ob Affenpocken durch Sperma oder Vaginalsekret verbreitet werden können. Sicher aber kann direkter Hautkontakt mit Läsionen während sexueller Aktivitäten das Virus verbreiten.
  • Face-to-Face-Kontakt: Noch vor Auftreten der Bläschen, wenn der Infizierte bereits Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen aufweise, ist laut RKI eine Übertragung über die Atemwege möglich.
  • Auch über Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Gegenstände wie Essgeschirr, die durch den Kontakt mit einer infizierten Person mit dem Virus kontaminiert wurden, können andere sich infizieren.
  • Geschwüre, Läsionen oder Wunden im Mund können ebenfalls ansteckend sein. Somit kann das Virus auch über den Speichel übertragen werden.

Wichtig also zu wissen: Das Risiko ist nicht auf Menschen beschränkt, die sexuell aktiv sind oder auf Männer, die Sex mit Männern haben. "Jeder, der engen körperlichen Kontakt mit einer ansteckenden Person hat, ist gefährdet", heißt es vom RKI. Dazu zählen auch Kinder und Jugendliche.

Wie lange ist die Inkubationszeit bei Affenpocken?

Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung können fünf bis 21 Tage vergehen.

Wie gefährlich sind Affenpocken?

Das Wort "Pocken" ruft bei vielen erst einmal Schrecken hervor. An der früher kursierenden, gefährlichen Pockenkrankheit, die von einem Virus aus der gleichen Gruppe verursacht wurde, starb ein großer Teil der Betroffenen. Sie gilt seit 1980 aber als ausgerottet. Fälle von Affenpocken verlaufen deutlich milder, die meisten Patienten erholen sich innerhalb weniger Wochen. "Soweit bekannt, erkranken die meisten Betroffenen nicht schwer", berichtet das RKI.

Es sind allerdings auch schwere Verläufe möglich. "Insbesondere Neugeborene, Kinder, Schwangere, alte Menschen und Menschen mit zugrunde liegenden Immunschwächen können schwer an den Affenpocken erkranken", warnt das RKI. Auch Gesundheitspersonal habe ein höheres Risiko, weil es dem Virus über längere Zeiträume ausgesetzt sei.

Zu den Komplikationen schwerer Fälle von Affenpocken gehören: Hautinfektionen, Lungenentzündung, Verwirrtheit und Augeninfektionen, die zu Sehverlust führen können. Auch Todesfälle gab es. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führten drei bis sechs Prozent der gemeldeten Fälle in den vergangenen Jahren in Zentral- und Westafrika zum Tod, häufig bei Kindern (hier Fallsterblichkeit bis zu elf Prozent) oder Personen mit anderen Gesundheitsproblemen. Allerdings können die tatsächlichen Zahlen darunter liegen, da die Überwachung in endemischen Ländern begrenzt ist. Schwere Krankheitsfolgen sind neben dem seltenen Sehverlust entstellende Narben.

Was sind typische Symptome bei Affenpocken?

Zu den ersten Symptomen zählen:

  • plötzlich einsetzendes Fieber
  • starke Kopfschmerzen
  • Muskel- und Rückenschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten

Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber:

  • pockentypischer Ausschlag, der vom Gesicht auf den Körper übergreift

Die Hautveränderungen zeigen sich erst als Flecken, werden dann zu Pusteln und verkrusten schließlich, bis sie abfallen. Meist tritt der Ausschlag auf Gesicht, Handflächen und Fußsohlen auf.

Wie werden Affenpocken behandelt?

Die Symptome verschwinden ohne Behandlung von selbst. Medikamente und Therapiemaßnahmen werden in der Regel eher unterstützend eingesetzt oder sollen bakterielle Infektionen verhindern.

Seit 9. Juni empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bestimmten Risikogruppen allerdings eine Indikationsimpfung:

  • Männern, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben (, da Fälle in Deutschland bisher ausschließlich bei Männern der MSM-Community aufgetreten sind und diese Gruppe deshalb besonders geschützt werden soll)
  • Personal in Speziallaboratorien mit gezielten Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben, die Orthopockenmaterial enthalten (nach individueller Risikobewertung durch Sicherheitsbeauftragte)

In dem Beschlussentwurf heißt es zudem, dass Menschen, die in Kontakt mit Infizierten gekommen sind, schnellstmöglich und innerhalb von 14 Tagen geimpft werden sollen, um eine Affenpockeninfektion zu verhindern. Zum Einsatz kommt der Pockenimpfstoff Imvanex.

Wie lange sind Affenpocken-Infizierte krank und ansteckend?

Solange Symptome da sind, sind Infizierte ansteckend. In der Regel seien das zwei bis vier Wochen, informiert das RKI: "Menschen, die in engem Kontakt mit einer ansteckenden Person stehen, wie zum Beispiel Sexualpartner und Haushaltsmitglieder, gegebenenfalls Angehörige des Gesundheitswesens, sind daher einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt und können Kontaktpersonen sein. Obwohl die Übertragbarkeit eher beschränkt ist, kann es zu einer begrenzten Ausbreitung kommen."

Was tun nach Kontakt mit einem Affenpocken-Infizierten?

Da die Inkubationszeit bis zu 21 Tage beträgt, können Infizierte andere angesteckt haben, bevor ihre Erkrankung ausbrach. Für solche Kontaktpersonen empfiehlt das RKI eine Quarantäne von 21 Tagen. Sie sollten sich an das lokale Gesundheitsamt und bei Symptomentwicklung umgehend telefonisch an eine Arztpraxis wenden. Die Diagnose wird durch einen PCR-Test abgesichert. Der Arzt oder die Ärztin oder das Labor müssen laut dem Infektionsschutzgesetz einen bestätigten Fall innerhalb von 24 Stunden an das zuständige Gesundheitsamt melden.

Im Fall einer Affenpocken-Infektion: Wie verhalte ich mich richtig?

Die dringende Empfehlung ist: Infizierte sollten jede Art von engem Kontakt mit anderen vermeiden, bis der letzte Schorf abgefallen ist. Dies kann laut RKI bis zu vier Wochen dauern. Das RKI empfiehlt eine Isolation von mindestens 21 Tagen.

"Wenn die Betroffenen mit anderen Personen zusammenleben, sollten sie, solange sie den Ausschlag haben, möglichst in einem Zimmer bleiben, idealerweise mit Zugang zu einem eigenen Badezimmer. Bettzeug und Haushaltsgegenstände sollten nicht mit anderen Personen geteilt werden. Das Affenpockenvirus ist in der Lage, über lange Zeiträume (Tage bis Monate) auf Oberflächen oder Stoffen zu überleben", so die Hinweise des RKI.

Gibt es eine Impfung gegen Affenpocken?

In der EU gibt es keine speziell gegen Affenpocken zugelassene Impfung. Historischen Daten zufolge könnte aber eine Pockenimpfung vor Affenpocken schützen. Diese erhielten aber in der Regel nur Personen, die heute schon älter sind. Die Pflicht zur Erstimpfung wurde in der BRD 1976 und in der DDR 1982 aufgehoben. Allen Altersgruppen wird jedoch empfohlen, die Empfehlungen zum Schutz vor dem Virus zu befolgen.

Für den möglichen Fall einer weiteren Ausbreitung der Affenpocken wurden laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach "bis zu 40.000 Dosen" Pockenimpfstoff bestellt. Das Vakzin namens Imvanex sei in den Vereinigten Staaten gegen Affenpocken zugelassen. Es gehe darum, vorbereitet zu sein auf eventuell nötige Impfungen von Kontaktpersonen. In Großbritannien wurden nach Behördenangaben von Dienstag bereits mehr als 1.000 Imvanex-Dosen an Kontaktpersonen verabreicht.

Ist die Lage besorgniserregend?

"In der Vergangenheit waren die Affenpocken-Ausbrüche begrenzt in der Ausbreitung", sagte der Virologe Stephan Becker von der Uni Marburg der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Infektionsketten zwischen Menschen seien ungewöhnlich und müssten eng überwacht werden. Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, erklärte: Das Affenpocken-Virus sei "weit weniger ansteckend als Corona" und werde fast nur durch "engen Körperkontakt und Körperflüssigkeiten" übertragen. Kinder gehörten nicht zu denjenigen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, hätten aber zumindest nach Daten aus Afrika eine höhere Sterblichkeit als Erwachsene.

Die Fälle von Affenpocken-Erkrankungen in Deutschland werden laut RKI nun weiter zunehmen. Es müsse hart, früh und schnell reagiert werden, erklärte Lauterbach in der gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Wieler. Lauterbach betonte aber: "Was wir mit den Affenpocken gerade erleben, ist nicht der Beginn einer neuen Pandemie." Es handele sich um einen bekannten Erreger, und man wisse, wie man ihn bekämpfen könne. Durch gute Kontaktnachverfolgung und Vorsicht könne man die Situation in den Griff bekommen. (af/sbi)

Verwendete Quellen:

  • Robert-Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Affenpocken; 24. Mai 22 / Internationaler Affenpocken-Ausbruch: Fallzahlen und Einschätzung der Situation in Deutschland; 10. Juni 22
  • dpa: Lauterbach zu Affenpocken: Lage ernst, aber keine neue Pandemie; 24. Mai 22
  • dpa: Immer mehr Affenpocken-Fälle weltweit - Was hat das zu bedeuten? 22. Mai 22
  • Pressemitteilung der STIKO zur Affenpocken-Impfempfehlung; 09. Juni 22
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Teaserbild: © IMAGO/Christian Ohde/IMAGO/Christian Ohde