Selbst lange nach Vertragsende können Kunden vielen Lebens- und Rentenversicherungsverträgen widersprechen und dadurch teilweise noch Tausende Euro bekommen. Der Grund: Oft sind die Widerspruchsbelehrungen fehlerhaft oder unvollständig.

Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 7. Mai 2014 besagt, dass Kunden, die zwischen 1994 und 2007 Lebens- und Rentenversicherungsverträge mit falschen Belehrungen abgeschlossen haben, diesen noch heute widersprechen können. Das teilt "Finanztest" mit.

Das gilt nicht nur für noch laufende, sondern auch für gekündigte oder sogar abgelaufene Verträge, und für Riester- und Rürup-Rentenversicherungen.

Über 100 Millionen Verträge betroffen

Gute Chancen haben Kunden, die zwischen dem 29. Juli und dem 31. Dezember 2007 Verträge nach dem "Policenmodell" abgeschlossen haben. Das Urteil des BGH besagt, dass hier die Belehrungen oft fehlerhaft waren oder Unterlagen fehlten.

Das Pfand kann ein großes Loch ins Budget reißen: Die Alternativen.


Wenn die Versicherungen die Unterlagen erst später mit dem Versicherungsschein (Police) übergeben haben, hat die Widerspruchsfrist meistens nie begonnen.

Theoretisch sind über 100 Millionen Verträge betroffen. Nach Angaben der Allianz haben in diese Verträge Kunden rund 400 Milliarden Euro eingezahlt.

Wie Finanztest erklärt, hieß es in den Verträgen beispielsweise: "Wie Ihnen bereits aufgrund unseres Hinweises im Versicherungsantrag bekannt ist, können Sie innerhalb von 14 Tagen (An. d. R.: nach 2004 inner­halb von 30 Tagen) nach Erhalt des Versicherungsscheins dem Versicherungsvertrag widersprechen. Zur Wahrung der Frist genügt eine rechtzeitige Absendung des Widerspruchs."

Das kritisierten die Richter. Ihnen fehlte der Hinweis, dass der Widerspruch in Textform zu übermitteln ist. Die Belehrung müsse in den Verträgen auch optisch deutlich hervorgehoben werden. Sollte der Beginn der Frist nicht festgesetzt sein, bedeutet dies, dass der Kunde ein ewiges Rücktrittsrecht hat.

Sogar Zinsen müssen ausgezahlt werden

Wenn Sie einem Vertrag widersprechen wollen, sollten Sie dies allerdings nicht ohne die Hilfe eines Fachmanns tun. Dies alleine zu versuchen, ist sehr kompliziert. Finanztest rät, zu diesem Zweck am besten einen spezialisierten Anwalt, die Verbraucherzentrale Hamburg oder einen anderen Dienstleister zu kontaktieren.

Wenn Sie keine Rechtsschutzversicherung, sollten Sie zunächst die anstehenden Kosten des Widerspruchs erfragen. Die Ansprüche können meisten nur gerichtlich durchgesetzt werden.

Sollte ein Widerspruch erfolgreich sein, muss der Versicherer alle Einzahlungen und die Abschluss- und Verwaltungskosten erstatten. Nur die Beiträge für den "genossenen Versicherungsschutz" behält die Versicherung ein.

Auch die Zinsen, die sie mit den eingezahlten Beiträgen bekommen haben, müssen Ihnen ausgezahlt werden. In den meisten Fällen bekommen die Kunden nach einer Kündigung nicht so viel Geld zurück.

Viele Menschen denken, dass Geldstücke genau so viel wert sind, wie auf ihnen abgebildet ist. Doch das stimmt keineswegs: Der Fall einer 50-Cent-Münze aus dem Jahr 2002 zeigt, dass alltägliche Münzen durchaus mehrere hundert Euro wert sein können.


(ff)