Alice Schwarzer droht genau wie Uli Hoeneß ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung: Womöglich ist ihre Selbstanzeige unvollständig. Auf der sicheren Seite sind Steuersünder nur mit einem Anwalt.

Gut die Hälfte der Selbstanzeigen wegen Steuerbetrugs in Deutschland ist fehlerhaft. Das schätzt zumindest Rudolf Mellinghoff, der als Präsident des Bundesfinanzhofs mit Steuerfahndern zusammenarbeitet. Für reuige Steuersünder ist es unumgänglich, sich Beistand zu suchen. Ein Steuerberater darf nur steuerrechtlich beraten, ein Anwalt kann auch strafrechtliche Auskünfte geben.

"Eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung platzt, wenn man unvollständige Angaben gemacht hat", erklärt Burkardt Jordan. Er ist Fachanwalt für Steuerrecht und betreibt ein Infoportal zum Thema Steuerhinterziehung. Eine solche unvollständige Selbstanzeige könnte Frauenrechtlerin Alice Schwarzer zum Verhängnis werden: Der "Spiegel" hatte am Freitagmorgen gemeldet, Schwarzer habe in ihrer Selbstanzeige Einnahmen aus einem Konto in der Schweiz verschwiegen. Dem Nachrichtenmagazin zufolge soll es sich um eine sechsstellige Summe handeln. "Sollten diese Informationen zutreffen, dann wäre ihre Selbstanzeige hinfällig", fasst Jordan zusammen. Ein Strafprozess wäre dann wohl unausweichlich.

Jordan zufolge wirkt eine "verunglückte", also unvollständige Selbstanzeige nur strafmildernd, kann einen Strafprozess aber nicht verhindern. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2010 müssen Steuerbetrüger sämtliche Konten und Beträge sofort angeben. "Eine Selbstanzeige bedeutet, die Hose nicht bis zum Knie, sondern bis zum Knöchel runterzulassen", fasst der Anwalt zusammen.

Ist die Selbstanzeige fehlerhaft, kann das richtig teuer werden: Jordan ist ein Fall bekannt, in dem ein Steuersünder eine Strafzahlung aufgebrummt bekam. Kosten: der dreifache Betrag des eigentlichen Steuerschadens. Eine Beratung durch einen Anwalt koste dagegen "nur einen fünfstelligen Betrag" - für Jordan "im Verhältnis zu einer Verurteilung - ob mit oder ohne Bewährung - die bessere Lösung".

Das Beispiel Uli Hoeneß

Beispiele wie das von Uli Hoeneß zeigen, wie hoch das Risiko einer späten Selbstanzeige ist. Der ehemalige Präsident des FC Bayern München war Mitte März wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Diese Woche trat er seine Haft in der JVA Landsberg an.

Für die Mandanten von Fachanwalt Jordan ist es besonders wichtig, ein Strafverfahren zu vermeiden. Ein Prozess werde oft offen geführt. Der Fall Hoeneß zeige, wie unangenehm das für die Betroffenen sein könne.

Für auf Steuerrecht spezialisierte Anwälte haben prominente Steuersünder auch ihr Gutes: Selbstanzeigen boomen. Jordan oder sein Kollege Kian Fathieh, Rechtsanwalt aus Heidelberg, werden zurzeit mit Anfragen überschwemmt. Für Fathieh gibt es ebenfalls keine Alternative zur Selbstanzeige. Dabei sei es wichtig schnell, aber qualifiziert zu handeln.

Beim Verfahren der "abgestuften Selbstanzeige" könne man etwa gemeinsam mit einem Anwalt innerhalb weniger Tage eine "qualifizierte Schätzung" abgeben, erklärt Fathieh. Diese kann, sofern sie richtig ist, strafbefreiend wirken. Es besteht die Möglichkeit, später exaktere Angaben zu machen und Unterlagen nachzureichen. In der Regel weiß man Fathieh zufolge dann innerhalb "weniger Monate", ob ein Antrag Erfolg hatte. Straffreiheit erlange ein Steuersünder dann, sobald er die Strafzahlung beglichen habe.

Ein gewisses Risiko bleibt: "Sie haben nur einen Schuss", stellt Fathieh klar. Und dieser eine Schuss wird zunehmend erschwert. Viele Staaten in Europa, darunter etwa die Schweiz, erschweren das Eröffnen von Schwarzgeldkonten und tauschen Steuerdaten aus.

Bund und Länder planen zudem, auch reuige Steuersünder härter zu bestrafen. Dazu haben sie im Frühjahr einen Gesetzentwurf vorgelegt. Ab 2015 sollen die Strafzinsen demnach von derzeit sechs auf 7,5 Prozent angehoben werden. Darüber hinaus müssten dem Entwurf zufolge künftig in allen Fällen Unterlagen für zehn und nicht wie bisher fünf Jahre eingereicht werden. Bisher ist das nur bei schwerer Steuerhinterziehung der Fall. "Ab 2015 wird es also nach derzeitigem Sachstand sehr wahrscheinlich wesentlich schwerer eine Selbstanzeige zu stellen", resümiert Fachanwalt Fathieh. "Das Tor geht zu."