Im Ladengeschäft kann man ein Produkt selbst in die Hand nehmen, das Material und die Funktion möglicherweise prüfen. Da das im Internet nicht geht, verlassen sich viele Käufer auf die Bewertungen anderer, die das Produkt schon ausprobiert haben. Doch die Sternebewertungen sind schon lange kein eindeutiges Indiz mehr: Sie werden oft gekauft und verfälscht.

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Positive Kunden-Bewertungen lassen viele Produkte im Internet in bestem Licht erstrahlen. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt, warnt die "Stiftung Warentest". Jede noch so glaubwürdig klingende Rezension könne manipuliert sein, schreibt das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe.

Online-Händler würden vielfach Bewertungen von Agenturen kaufen - und die seien nicht selten geschönt. Vielfach würden mittelmäßige Bewertungen im Nachhinein aufpoliert, fanden die Redakteure in einem Test heraus. Oft wurden Produkte gar nicht getestet, sondern die Bewertungen blind geschrieben. Lediglich zwei Agenturen von sieben hätten dabei nicht versucht, die Bewertung zum Positiven zu beeinflussen.

Warentester kaufen Bewertungen

Auch einen Gegen-Check unternahmen die Warentester - und kauften mit Unterstützung eines Shop-Anbieters Bewertungen für dessen Google-Profil. Vier Agenturen lieferten dann insgesamt 120 gute Bewertungen - für rund 10 Euro das Stück.

Dabei können Kunden-Rezensionen beim Online-Einkauf durchaus hilfreich sein. Fake-Bewertungen lassen sich aber auch erkennen und herausfiltern, betont "Stiftung Warentest".

Indizien für eine Fake-Bewertung

  • "Lesen Sie lieber die negativen Kritiken und suchen Sie nach Übereinstimmungen", rät das Magazin. Würden sich mehrere Nutzer über denselben Mangel beklagen, könne das ein Indiz für eine faktische Schwachstelle sein.
  • Hat ein Rezensent vielleicht schon öfter Fünf-Sterne-Bewertungen abgegeben? Ein Klick bei Amazon oder Google auf dessen Profil verrät so einiges über seine/ihre Gewohnheiten - und mögliche "Agentur-Erfahrung".
  • Sind fast nur positive Bewertungen vorhanden oder folgen diese prompt nach einer schlechten, könnte womöglich getrickst worden sein.
  • Ungewöhnliche Formulierungen in einer Bewertung kann man auch mal googeln. Wird man an mehreren Stellen fündig, kann das ein Indiz für ein Fake sein.
  • Amazon hebt etwa mit Auszeichnungen wie "Amazon's Choice" oder "Bestseller" vermeintliche Top-Produkte hervor. Nutzer sollten sich aber im Klaren darüber sein, welche - möglicherweise manipulierbaren - Faktoren für die Bewertungen herangezogen werden.

Politik greift ein

Gegen das florierende Geschäft mit manipulierten Verbraucher-Bewertungen schreitet inzwischen aber auch schon die Politik ein. Die EU-Kommission hat festgelegt, dass Internetseiten mit Kundenbewertungen künftig offenlegen müssen, ob und wie sie die Echtheit selbst kontrollieren. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen diese Vorgabe nun in nationales Recht umsetzen.

Auch eine freiwillige Norm gibt es inzwischen für Online-Kundenbewertungen. Portale können sich über "Din Iso 20488" zertifizieren lassen, betont "Stiftung Warentest". (dpa/awa)

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