20 Jahre sind in der Computerwelt so lang wie ein ganzes Jahrhundert. Dennoch wären die technischen Geräte von heute nicht denkbar ohne die Entwicklungen von damals. Ein Rückblick.

Wir schreiben das Jahr 1995. Das World Wide Web ist noch jung, doch es herrscht Krieg im Internet. Dabei handelt es sich nicht um kriminelle Cybergangster, die mit virtuellen Waffen unbescholtenen Bürger das Online-Banking-Konto leerräumen oder eine vorzeitige Anonymous-Gruppe, die ihren Gegnern den Garaus machen will.

Microsofts Kampf um Marktanteile im Internet

Es handelt sich um den sogenannten Browserkrieg, der Mitte der Neunziger entflammte und mehrere Jahre andauerte. Die Protagonisten: Der Netscape Navigator und der Internet Explorer aus dem Hause Microsoft. Bill Gates hatte das Internet unterschätzt und die Entwicklung eines Browsers verschlafen. Netscapes Marktanteil hingegen belief sich auf monopolartige 80 Prozent. Die Software war technisch auf einem hohen Niveau, kostete aber Geld. Microsoft erst sorgte dafür, dass wir für Browser heutzutage nichts bezahlen müssen und verschenkte seinen 1995 eingeführten Internet Explorer an die Kunden. Letztendlich schaffte es das Unternehmen mit einem fiesen Streich – zumindest eine gewisse Zeit lang – die Marktmacht im Netz zurück zu gewinnen. Der Trick hatte aber auch Gerichtsverfahren gegen Bill Gates zur Folge.

Ein Betriebssystem sollte die Welt verändern

Denn Microsoft verknüpfte den Internet Explorer fest mit dem neuen Windows 95, das eines der erfolgreichsten Betriebssysteme wurde. Die Firma aus Redmond schaffte das Dank eines prominenten Helfers. Mick Jagger trällerte im Werbespot zu Windows 95 "Start me up" und mit den Rolling Stones im Rücken schaffte Microsoft etwas, was nach der Jahrtausendwende sonst nur Apple gelang: Einen Kult um ein IT-Produkt zu schaffen. Die meisten Computer standen zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich bei Nerds auf den Schreibtischen, doch Bill Gates holte den PC aus der Nickelbrillenträger-Ecke. Die Welt stand Kopf aufgrund eines Betriebssystems - ein junger Mann erklärt einem TV-Sender, dass er unbedingt die CD mit Windows 95 kaufen musste, es sei schließlich so hip. Das Skurrile: Einen Computer, auf dem er das System installieren könnte, hatte der Herr zu diesem Zeitpunkt nicht.

Auch wenn Windows 95 nicht das gerade sicherste und stabilste Betriebssystem wurde, begeisterte es die Massen. Das Startmenü wurde zum Markenzeichen der Microsoft-Softwarewelt. Als sich der Technikriese Jahre später bei Windows 8 traute, auf dieses Menü zu verzichten, war der Gejammer groß – und Microsoft belebte das Startmenü wieder.

Kleine mobile Rechner werden populär

Das Jahr 1995 war aber auch ein Jahr, in dem eine neue Gerätegattung Popularität erreichte: der PDA. Die kleinen mobilen Rechner tauchten zwar schon Jahre zuvor auf, doch erst Mitte der Neunziger wurden die digitalen Assistenten zu einem Organizer für das Leben der Besitzer. Der IBM Simon beherrschte den Mobilfunk, konnte Faxe genauso schicken und empfangen wie E-Mails und bot Anwendungen wie Adressbuch, Kalender und Notizen. Das meiste klingt vertraut, oder? Ja, denn der IBM Simon gilt als das erste Smartphone der Welt. Noch lange bevor das iPhone die mobile Welt revolutionierte, brachte Apple den PDA Newton auf den Markt, der 1995 Hollywood eroberte und durch den Kinofilm "Alarmstufe: Rot 2" Bekanntheit erreichte. Steve Jobs sollte drei Jahre später die Produktion des kleinen Helfers zwar einstellen, bis seine Entwickler 2007 den Nachfolger, das iPhone bastelten.

Eine weitere Entwicklung aus den Neunzigern als Revolution

Doch es zeichnete sich im Jahr 1995 noch eine andere Technologie ab, die 20 Jahre später langsam aber sicher in der breiten Masse anzukommen scheint. Auf der Cebit '95 stellte die Firma Softline einen VR-Helm für zirka 1.500 Mark vor. Virtuelle Welten waren damals also schon möglich, hatten Mitte der Neunziger aber noch denselben Status wie Computer in den Achtzigern: nerdig, freakig und total verrückt. Aber wer weiß. Vielleicht könnte sich – dank Entwicklungen wie Oculus Rift – die Geschichte wiederholen und erneut ein IT-Produkt einen großen Hype auslösen und unser Leben verändern.