Madlen Brückner

Bloggerin

Früher wollte Madlen Brückner nach Berlin, heute in die Welt. Sie sehnt sich immer nach dem, was sie nicht hat. Das lernte sie bereits in ihrer Kindheit östlich der Mauer. Sehnsüchte wurden zur Sucht. Ihr Blog puriy unterwegs soll den Blick für das Andere öffnen, um die Welt bewusst und aktiv zu erleben.

Artikel von Madlen Brückner

Die Berghänge liegen in ihrem grünen Gewand vor mir. Aus diesem steigen Nebelschwaden auf. Oder ist es Nieselregen, der sich aus den Wolken ergießt? Man kann das in diesen Tagen nie mit Sicherheit sagen, denn in Costa Rica ist Regenzeit.

Eine Zugfahrt von Oslo nach Otta ist schon der perfekte Einstieg, um vom stressigen Alltag runterzukommen. Wen es in das zentral gelegene Nationalparkgebiet Norwegens, die Nasjionalparkrikets, zieht, der sucht gewiss Ruhe. Den stört es sicherlich nicht einmal, wenn der Regen auf das Autodach niederprasselt.

Denke ich an Madagaskar, rieche ich Vanille und schmecke Pfeffer, sehe ich Lemuren und höre das Rauschen des Meeres. Das ist die eine Seite des Landes, die Tourismusprospekten entspringt. Die andere Seite ist die Armut und der Verfall.

In der zerkratzten Scheibe des Flugzeugs spiegelt sich das Lichtermeer der philippinischen Hauptstadt. Kleine Punkte schimmern auf der Wasseroberfläche in der Bucht von Manila.

Ich war noch nie in Rom und auch nicht in der Toskana. Während sich alle auf Rom freuen, fahre ich 1,5 Stunden Richtung Norden in die südliche Toskana.

"Hier gibt es ja gar keine schwarzen Strände!" Buchten mit feinem, weißem Sand liegen mir zu Füßen – eingerahmt vom tief rotbraunem Gestein.

Seit Stunden ruckeln wir nun über eine löchrige Asphaltpiste, die zu Sowjetzeiten erbaut wurde. Immer wieder murmle ich "Highway" vor mich hin.

Irgendwo unterhalb des Horizonts scheint sich die Sonne versteckt zu haben. Es ist der Abend des 20. Junis, als wir uns um 22 Uhr noch einmal auf die Söders Höhe begeben, um dem mittsommerlichen Lichtspiel Stockholms beizuwohnen.

Ich bin irgendwo zwischen Jaffator und Damaskustor, als über dem muslimischen Viertel der alten Stadt der Ruf des Muezzins hallt. Es ist das erste Mal auf meiner Reise durch Israel, dass ich dem Ruf aus dem Minarett lausche. Kurz verweile ich auf den Stufen der Mauer und schaue über das dichte Häusermeer Jerusalems, aus dem die goldene Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg herausragt.

Nicht mehr als ein Tag bleibt mir für Genua. Und in dem Moment, in dem ich mich in dem Labyrinth der Caruggi, wie die engen Gassen von Europas größter mittelalterlichen Altstadt heißen, verliere, bereue ich meine Eile. Wo andere Großstädte Hast bedeuten, ist Genua Zerstreuung.

Bogotá liegt so wunderbar farblos am Fuße des Montserrat. Rotbrauner Backstein, wohin das Auge sieht. Das ist aber nur ein Blick, der erste Blick von oben. Wagt man einen zweiten, dann erscheint die Hauptstadt Kolumbiens sehr bunt.

Es sind die Sonnenuntergänge, die uns auf Reisen immer wieder sprachlos machen. Wie gelähmt folgt unser Auge dem orangenen Ball, bis er am Horizont verschwindet – egal ob über dem Meer, hinter den Bergen oder der Skyline einer Großstadt.

Lässig hängt ein Mann an der Hauswand und streicht die Fassade grün. Das ist hier nichts Besonderes. Vielmehr reiht sich sein Haus in eine Farbwelt ein, die mich an Pippis Villa Kunterbunt erinnert. Der Straßenzug leuchtet in Lila, Orange, Blau.

Ich schaue aus dem Fenster im 11. Stock in einem der Flame Towers auf die Stadt. Die Bucht ist ein Farbspiel, das sich bis in das Kaspische Meer ausweitet. Der Regen spiegelt die Lichter der nassen Straßen. Alles schimmert.

Kurz vor 23 Uhr bewegt sich unser Geländewagen von Gulliver Expedition vom Basislager La Rinconada Richtung Cotopaxi. Erst jetzt ist mir klar, dass ich es machen werde.

Bunte Fischschwärme ziehen unter mir vorbei. Nüchterner Sand- und Steinboden bildet die Kulisse, keine leuchtende Farben von Korallen, die vom Wesentlichen ablenken könnten.

Endlose Birken- und Lärchenwälder ziehen an mir vorbei. Dazwischen immer wieder Wiesen, die das Farbspektrum der Spätblüher abdecken. Ich versuche mich, aus dem Fenster zu lehnen, um die Holzhäuser mit ihren liebevollen Gärtchen auf’s Bild zu bekommen. Doch die Bahn ist zu schnell. Sie ist nicht immer so schnell, aber eben genau in diesem Moment.

Über mir kreisen Möwen. Der Duft des Schwarzen Meeres liegt in der Luft. Fast könnte ich das Meeresrauschen hören, würde ich mich ein wenig anstrengen. An diesem Sonntagmorgen ist fast niemand in den Straßen des beliebten Küstenörtchens Sozopol unterwegs.