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07.12.2011, 10:25 Uhr

Haben Pflanzen einen Geruchssinn?

Blumen duften herrlich - ohne Frage. Aber verströmen Pflanzen nicht nur Gerüche, sondern verfügen sie selbst auch über einen Geruchssinn? Dieser Frage gehen wir in unserer Serie "Nachgefragt" heute auf den Grund.

VonJeannette Mayer für 1&1

Noch immer hält sich in den Köpfen vieler Menschen die weitverbreitete Meinung, Pflanzen seien nicht mehr als wachsendes Grünzeug - auf keinen Fall seien sie gleichzusetzen mit Tieren. Wissenschaftler vertreten mittlerweile jedoch eine etwas andere Auffassung und behaupten sogar, Pflanzen können sehen, hören, schmecken und miteinander kommunizieren.

So hat man etwa durch verschiedene Untersuchungen herausgefunden, dass Pflanzen über ein photosensitives System verfügen, mit dem sie auf bestimmte Wellenlängen des Lichts reagieren. Damit können sie Tag und Nacht unterscheiden, wissen, wie viel Licht verfügbar ist und aus welcher Richtung es kommt. Man könnte somit fast sagen, Pflanzen können sehen. Auch eine Art Tastsinn ist bei Pflanzen vorhanden. Man denke hier beispielsweise an die Mimose, die ihre Blätter nach unten biegt, sobald man sie berührt.

Dass manch ein Gewächs sogar hören kann, auch wenn es keine Ohren hat, davon sind nicht nur Blumenflüsterer überzeugt. Für einen Versuch beschallte der Pflanzenphysiologe Mordecai Jaffe von der amerikanischen Wake Forest University Pflanzen permanent mit Tönen in der Lautstärke menschlicher Stimmen und siehe da: Die Erbsen wurden doppelt so groß wie zuvor. Auch Weintrauben, die klassischer Musik ausgesetzt waren, trugen größere und süßere Früchte als ihre nicht beschallten Nachbarn.

Wenn Pflanzen erwiesenermaßen hören können, so ist es wenig verwunderlich, dass sie auch untereinander kommunizieren. Das funktioniert über in Wasser gelöste Botenstoffe, die die Pflanzen über ihre Wurzeln miteinander austauschen und schmecken können, wie verschiedene Forscher herausgefunden haben.

Stellt sich nur noch die Frage, ob Pflanzen, die offensichtlich kommunizieren können, ohne Mund und Ohren zu haben, die sehen können, ohne Augen zu haben und fühlen können, ohne Hände zu haben möglicherweise auch riechen können, obwohl sie keine Nase haben?

Womit wir wieder bei unserer Ausgangsfrage wären. Die Antwort darauf lautet kurz und knapp: Ja. Verschiedene Versuche an Tomaten haben dies bestätigt. So verströmt das Nachtschattengewächs, wenn es etwa durch Schädlinge verletzt wird, einen Duftstoff als Notsignal, um Nachbarpflanzen vor der Gefahr zu warnen. Diese "riechen" das Duft-SOS-Zeichen und beginnen mit der Vorbereitung von entsprechenden Abwehrmaßnahmen.

Alles in allem scheint es also, als müssten wir unser Bild, das wir von der Flora haben, noch einmal überdenken. Einzig die vieldiskutierte Frage, ob Pflanzen Schmerz empfinden können, muss auch weiterhin unbeantwortet bleiben: "Schmerzrezeptoren haben wir bei Pflanzen noch nicht entdeckt", sagt Zellularbiologe Dieter Volkmann von der Universität Bonn gegenüber dem Magazin "Stern".

Alle News vom: 7. Dezember 2011 Zur Übersicht: Wissen

8 Meinungen zu "Können Pflanzen riechen?"

  • Lotusknospe
    Freitag, 09.12.2011, 12:05 Uhr
    @Carinja "Tatsache ist, wir kommen als lebende Wesen auf dieser Erde nicht um einen Konflikt herum, wenn wir uns ernähren." . ** Meinst Du den Konflikt, dass wir Töten müssen, um zu überleben? Ja, das stimmt. Wir können uns allerdings dafür entscheiden, zumindest Meeresbewohner, Vögel und unsere eigene Tierklasse - die der Säugetiere, - nicht zu quälen und umzubringen. Denn im Gegensatz zu den von Dir erwähnten Löwen besteht dafür für uns ja auch keinerlei Notwendigkeit. "Das berechtigt nicht dazu, diese Tiere schlecht zu behandeln, aber es hilft ihnen auch nicht, wenn sie nicht gegessen werden." ** Jemanden umzubringen IST schlechte Behandlung. Dazu kommt, dass diese Tiere (heutige Kühe und Hühner) in der Regel schlimme Qualzüchtungen sind. Wenn einem wirklich deren Wohl am Herzen liegt, sollte man dafür eintreten, zumindest ihre kommerzielle Ausbeutung für Muttermilch, Eier und Fleisch zu beenden. Übrigens, es sterben durch die genannte Waldvernichtung (für Weideland und Tierfutteranbau) jedes Jahr wesentlich mehr Tiere aus, als es überhaupt Tier(qual)züchtungen gibt.
  • Carinja
    Donnerstag, 08.12.2011, 17:51 Uhr
    Nun, so etwas habe ich schon vor vielen Jahren gelesen. Und ich meine auch oft zu bemerken, dass meine Pflanzen auf mich reagieren. Bewunderung mögen sie sehr. Aber nun muss das ja nicht gleich wieder zum Konflikt zwischen Vegetarieren, Veganern und Nichtvegetariern kommen. Tatsache ist, wir kommen als lebende Wesen auf dieser Erde nicht um einen Konflikt herum, wenn wir uns ernähren. Und so lobenswert das vegane Leben auch sein mag, wenn alle vegan lebten, gäbe es eine Unzahl von Tieren gar nicht mehr. Das berechtigt nicht dazu, diese Tiere schlecht zu behandeln, aber es hilft ihnen auch nicht, wenn sie nicht gegessen werden. Ich habe gerade die Filme "Planet Erde" gesehen und "Die größten Naturereignisse". Da wird einem manchmal ganz anders, wenn man z.B. sieht, wie die kleinen Löwenkinder leiden müssen und eines nach dem anderen eingeht - bis sich das Blatt wendet und die Löwen endlich wieder was erbeuten: Ein hinreißendes süßes Zebrafohlen oder ein springlebendiges junges Gnu... Wir können diesen Konflikt nicht lösen, auch nicht durch veganes Leben. Wir haben uns nicht gemacht und die Erde und die Natur mit ihren Bedingungen auch nicht.
  • Lotusknospe
    Donnerstag, 08.12.2011, 16:13 Uhr
    @mulo -- "was fühlt der Salat, wenn Du ihm den Kopf abschneidest und mehr oder weniger lebendig verspeist oder ein Baum, wenn Du ihn zum verheizen fällst?" . ** Nach den Wissenschaftlern? Vermutlich nichts. Aus dem Artikel: "Schmerzrezeptoren haben wir bei Pflanzen noch nicht entdeckt", sagt Zellularbiologe Dieter Volkmann von der Universität Bonn. Bei uns Säugetieren und bei Vögeln brucht man dagegen nicht mehr zu vermuten, Schmerzrezeptoren und Bewußtsein sind da schon lange festgestellt worden. Davon abgesehen: wie ich schon sagte, vernichtet man als vegan lebender Mensch in der Regel wesentlich weniger Pflanzen und Waldgebiete als ein unvegan lebender Mensch. Der Grund ist der massive Anbau von Pflanzen (insbesondere unzählige Tonnen von brasilianischem Soja) zum Zwecke der Mast. Im Amazonas sind 70% der einstmals bewaldeten Gebiete für Weideland gerodet worden. Die übrigen 30% sind zu einem großen Teil Anbaufläche für Futtermittel, nicht für menschliche Nahrung.
  • Lotusknospe
    Donnerstag, 08.12.2011, 15:37 Uhr
    @Mulo -- "da bleibt den Veganern künftig nur noch das Wasser" . **Nö, ich lebe vegan und habe kein Problem mit wissenschaftlichen Erkenntnissen dieser Art. Selbst wenn ich den ganzen Tag essen würde, könnte ich niemals soviele Pflanzen vernichten, wie es üblicherweise durch den Konsum von Muttermilch, Eiern oder Fleisch von Tieren geschieht - denn es werden jedes Jahr Millionen Tonnen von Pflanzen angebaut und für die Mast zu Tierfutter verarbeitet (oft sogar auf zuvor gerodeten Regenwaldgebieten). Darüber hinaus ist es so, dass ich Bewußtsein und Schmerzempfinden unserer Klasse der Säugetiere (also sowohl von Elefanten, als auch von Schweinen, Menschen oder Rindern) und das von Vögeln höher bewerte, als eine Art "Geruchssinn" oder "Tastsinn", die (höchstwahrscheinlich) nicht auf einer ähnlich komplexen Empfindungsfähigkeit basieren.
  • Reder
    Mittwoch, 07.12.2011, 15:22 Uhr
    Ich hab vor Jahren mal gelesen das man an Pflanzen elektrische Ausschläge mit einem Lügendetektor messen konnte. Di Pflanzen identifizierten so einen Pflanzenschänder der einen Blumentopfplanze zerstört hat. Also kann es sein das Pflanzen nicht nur mit dem Wurzelwasser Komunizieren.
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