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08.02.2012, 16:26 Uhr

Warum die Kelvin-Skala keine Minusgrade kennt in Kooperation mit WELT Online

Wie kalt kann es eigentlich werden? Minus 300? Minus 500? Unsinn, würden Physiker sagen. Für sie liegt der absolute Temperaturnullpunkt bei null Kelvin.

Von Norbert Lossau

Draußen ist es doppelt so kalt wie im Gefrierschrank. Aussagen wie diese hören und lesen wir dieser Tage immer wieder. Wenn man einen Moment darüber nachdenkt, was mit doppelter Kälte gemeint sein könnte, wird schnell klar, dass diese Formulierung keinen Sinn ergibt.

Doppelt so hoch, doppelt so schnell, doppeltes Volumen, eine zwei Mal so lange Zeitspanne, doppelte Stromstärke, doppelte Energie – das alles ist sofort verständlich. Doch warum funktioniert das mit der Kälte nicht?

Das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist das Messen von Minusgraden vom Gefrierpunkt des Wassers (Null Grad) aus eine willkürliche Angelegenheit. Die Celsius-Temperaturskala ist ja nur eine von vielen Möglichkeiten. In den USA werden Temperaturen beispielsweise in Fahrenheit angegeben. Null Grad Celsius entsprechen dort 32 Grad Fahrenheit.

Zweitens ist Kälte im Gegensatz zur Wärme gar keine eigene physikalische Entität. Kälte ist das Fehlen von Wärme, so, wie zum Beispiel Dunkelheit das Fehlen von Licht ist. Doch wer würde schon davon sprechen, dass irgendwo eine doppelte Dunkelheit herrscht?

Die Temperatur ist ein Maß für die in einem Körper oder Luftvolumen steckende Bewegungsenergie der Atome oder Moleküle. Bewegen sich die Stickstoff- oder Sauerstoffmoleküle der Luft mit einer vergleichsweise hohen Geschwindigkeit, so hat diese Luft eine höhere Temperatur, als wenn die Teilchen mit geringerer Geschwindigkeit herumschwirren würden. Der Energiegehalt eines Liters Luft ist proportional zu seiner Temperatur.

Doch Vorsicht! Diese Aussage gilt nicht, wenn man mit Celsiusgraden rechnet. Physiker verwenden ausschließlich die Kelvin-Skala, bei der null Kelvin den absoluten Temperaturnullpunkt markiert. Dieser liegt bei rund minus 273 Grad Celsius. Tiefere Temperaturen gibt es einfach nicht – auch nicht irgendwo im Universum.

Man kann also in der Regel durchaus sagen, dass ein Körper bei 200 Kelvin die doppelte Wärmeenergie enthält wie bei 100 Kelvin. Doppelte Temperatur; doppelte Energie.

Doch was wäre dann also "die halbe Temperatur" von minus 18 Grad, der Gefrierschranktemperatur? Nun, minus 18 Grad Celsius entsprechen 255 Kelvin. Die Hälfe davon sind rund 128 Kelvin. Und die entsprechen minus 145 Grad Celsius. Nun ja, so kalt ist es draußen zum Glück dann doch nicht.

© WELT Online

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5 Meinungen zu "Warum Kelvin kein Minus kennt"

  • motzbock
    Sonntag, 12.02.2012, 12:28 Uhr
    Ob Celsius, Fahrenheit oder Kelvin. Es ist verdammt kalt draußen.
  • Nils162
    Samstag, 11.02.2012, 09:48 Uhr
    CiC "Eigentlich ist Kelvin die logischere Maßeinheit, da unabhängig von allen chem. Elementen. " Nicht ganz. 1 Kelvin ist definiert als der 273,16-te Teil der thermodynamischen Temperatur des Tripelpunktes des Wassers. Die Definition des Kelvin ist also an Wasser geknüpft - genau wie das Celsius.
  • pallacH
    Freitag, 10.02.2012, 14:25 Uhr
    von fahrenheit aus gesehen ist die celsius-skala genauso "bescheuert"! mach Dich einfach mal kundig, wie fahrenheit zu seiner skala kam.
  • Altayr
    Freitag, 10.02.2012, 11:20 Uhr
    Wobei die Celsius-Skala immer noch wesentlich sinnvoller ist als die Farenheit-Skala. Die ist ja wirklich nur noch bescheuert...
  • CiC
    Donnerstag, 09.02.2012, 17:48 Uhr
    Eigentlich ist Kelvin die logischere Maßeinheit, da unabhängig von allen chem. Elementen. Aber Grad C. hat sich halt eingebürgert.
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