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Ernährungskrise: Hilfskräfte am Limit

Das Gesicht des jungen Mannes bleibt düster, während er spricht "Manchmal wird mein Ausdruck missverstanden. Ich zeige keine Gefühle, wenn ich ein Kind sehe, das schwer krank ist – aber es bewegt mich hier", sagt er und berührt sein Herz. Adama Diarra, gelernter Krankenpfleger, zuständig für das Konio Community Health Centre im Südosten Malis erklärt seine Philosophie. "Ich tue diese Arbeit aus meinem Glauben heraus. Ich möchte meinen Mitmenschen helfen – und ich freue mich sehr, wenn jemand geheilt wird."

In dem vollgestellten, staubigen Raum, der für die Beratungen genutzt wird, wird es dunkel: Ein weiter Tag neigt sich für Adama und sein Team an Assistenten und Community-Health-Arbeitern dem Ende zu. Es sind motivierte Mitarbeiter, aber die Arbeitsbedingungen sind nicht gut.

Viele der Community Health Centres wie Konio sind heruntergekommen. Im Verhältnis zu dem riesigen Land gibt es nicht ausreichend Community Health Centres. Aufgrund großer Entfernungen sind Lieferungen mit Ausrüstung und Material oft verspätet. Es ist sehr schwierig für die sowieso sehr arme Bevölkerung, die teure Reise für eine Beratung zu unternehmen. Für die Mitarbeiter bedeuten Hilfseinsätze in Dörfern, die oft weit von den Centres entfernt sind, lange und anstrengende Arbeitstage.

Und nun stehen die Mitarbeiter des Health Centre aufgrund der derzeitigen Lage in Mali unter zusätzlichem Druck, weitere Dienste im Gesundheits- und Ernährungswesen zu liefern. Vor dem letzten Putschversuch und der Übernahme durch Rebellen im Norden steuerte das Land 2012 bereits auf eine Krise zu, was an einer Dürreperiode im letzten Jahr und vernichteten Ernten lag. Lebensmittelpreise stiegen um das Dreifache und machen das Überleben für viele Familien zu einem verzweifelten Kampf. Die genauen Auswirkungen der eskalierenden militärischen, politischen und wirtschaftlichen Spannungen vorauszusagen ist schwierig – aber es ist wahrscheinlich, dass die Armen, die ihre schwindenden Einkommen aus Landwirtschaft und Fischerei beziehen, noch härter getroffen werden.

Konio ist ein Dorf zehn Meilen von der nächsten asphaltierten Straße entfernt, Hütten aus Lehmziegeln sind über die karge Weite verteilt. Das Community Health Centre ist für fast 14.000 Menschen zuständig, die im Umland leben. Es ist eines von 16 Centres in der riesigen Region, in deren Herzen die Stadt Djenne liegt. Der 35-jährige Adama ist seit zwei Monaten hier und hat auch seine Frau und die beiden kleinen Kinder nachgeholt. "In den ersten Tagen war ich so müde, dass mich eine Mutter, die an einem Abend spät mit ihrem kranken Baby kam, hier schlafend gefunden hat", sagt er und deutet auf eine Holzbank unter einem schattigen Baum.

Zu der Müdigkeit kommt eine unterschwellige Angst. In einem Land, das 2011 auf Platz 175 von 182 auf dem UN-Entwicklungsindex lag, hat man die vorherrschende Armut stets vor Augen. "Heutzutage haben die meisten dieser Mütter Probleme, ihre Kinder richtig zu ernähren, viele sind selbst unterernährt", sagt Adama und zeigt auf die im Hof wartenden Frauen, von denen die meisten Babys auf dem Rücken tragen.

Als Reaktion auf die Ernährungskrise und einer Expertise von UNICEF hat die Regierung das Thema Ernährung auf die Entwicklungsagenda gesetzt und arbeitet mit Partnern daran, Unterernährung bei Kindern unter fünf Jahren und Frauen zu verhindern und zu behandeln.

Adama wird bei seinen Ausführungen über die aktuelle Situation ständig von neuen Fällen unterbrochen. "Die Zahlen steigen jeden Tag, wir sind so überlastet", erklärt er. Viele der Mütter ziehen aus ihren farbenfrohen Kleidern, Boubou genannt, eine Karte hervor. Diese Karten haben sie von dem Community Health Worker erhalten, der ihre Kinder während Routineuntersuchungen in ihrem Dorf als unterernährt eingestuft hat. Normalerweise fällt eine Behandlungsgebühr an, eine finanzielle Hürde. Die Karte berechtigt sie jedoch zu kostenloser Behandlung.

Für mäßig unterernährte Kinder gibt es angereichertes Mais-Soja-Mehl, das von dem World Food Programme gespendet wurde und das als Brei angerührt werden kann. Bei regelmäßiger Gabe unterstützt dies die Ernährung und verhindert, dass ein Kind die besorgniserregende schwere, akute Unterernährung erreicht.

Für die schlimmeren Fälle, wie die zweijährige Fatoumata Kayentao, steht Erdnusspaste bereit. Kinder, die diese Spezialnahrung erhalten, nehmen schnell an Gewicht zu. Das Baby schreit und streckt seine dünnen Ärmchen aus. Die Mutter von Fatoumata, ebenfalls Fatoumata heißt, ist auch nicht in guter Verfassung. Ihr Gesicht ist blass und ausgemergelt. Sie stillt und hatte heute kein Frühstück. "Viele Familien verzichten auf Mahlzeiten, denn sie haben einfach nicht ausreichend Lebensmittel", erklärt Adama. "Ich sage ihnen, dass sie essen sollen, bevor sie wieder nach Hause reisen." An der Rückseite des Gebäudes hinter dem Beratungsraum wird gekocht und Frauen geben Reis mit Sauce aus. Eine dieser Frauen erzählt, dass Adama selbst den Großteil der Kosten für das Essen trägt.

Als wir das spärlich eingerichtete Heim besuchen, in dem er mit seiner Familie lebt, wird klar, dass Adama kein reicher Mann ist. Er spielt mit seinem zweijährigen Sohn Menasse Jacques und sagt: "Als wir geheiratet haben, sagte ich meiner Frau, dass ich nicht viele Dinge besitzen möchte. Ich möchte, dass wir jederzeit dorthin ziehen können, wo ich gebraucht werde." Er spricht von seiner "Vision", wie das Community Health Centre verbessert werden könnte. "Wenn ich die richtige Unterstützung bekomme, kann ich es schaffen", sagt er und schwelgt über die Arbeit als Arzt bei einer Organisation wie Ärzte ohne Grenzen. Zunächst muss er jedoch sein Medizinstudium beenden, das er nach drei Jahren beendete, als ihm das Geld dafür ausging.

Ein neues Protokoll soll in ganz Mali überlasteten Mitarbeitern der Health Centres wie Adama und seinem Team bei der Bewältigung der sich ausweitende Ernährungskrise helfen. UNICEF als leitende Organisation für Ernährung bietet Unterstützung für die Regierung bei der Koordination der Hilfe, einschließlich bei der Lagerbildung und der Auslieferung von therapeutischer Fertignahrung. Adama bestätigt, wie die Schulung seinem Team helfen wird. Er erkennt auch, dass die therapeutischen Maßnahmen zwar großen Anklang finden, doch die Zahl der Unterernährten wird unweigerlich ansteigen. Es darf nicht nachgelassen werden, bis die Dürre beendet und der Frieden wieder hergestellt wurde.

Doch Adama scheint unbeirrt. "Ich bin nicht müde", behauptet er. "Ich bin bereit, weiterzumachen – und es ist eine Herausforderung, die wir bewältigen werden."

Nicht nur die Menschen vor Ort können helfen, auch Sie können mit einer kleinen Spende die Arbeit der Hilfskräfte unterstützen. Deshalb bittet die Stiftung United Internet for UNICEF Sie um Ihre Unterstützung für die notleidenden Kinder in der Sahelzone.

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