Horst-Wessel-Lied in TV-Show
"Ein Volkslied aus dem 19. Jahrhundert", so kündigte der Kandidat seinen Song an, den er in der Show "Die große Chance" mit der Mundharmonika zum Besten geben wollte. Aber was Jury, Publikum und Zuschauern dann vergangenen Freitag im ORF zu Ohren kam, war alles andere als eine nette, heimelige Volksweise: Der Mann stimmt das Horst-Wessel-Lied an, eines der bekanntesten Propaganda-Lieder der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Darauf gingen zahlreiche erboste und entsetzte Anrufe in der Zuschauerzentrale des ORF in Wien ein. Der ORF reagierte daraufhin und schnitt besagten Auftritt in der Wiederholungssendung am Montag hinaus.
Eine Prüfung durch den ORF ergab allerdings, dass der Mann keine Ahnung hatte, welche Symbolik sich hinter dem von ihm dargebrachten Lied verbarg. "Der Kandidat selbst hat glaubhaft erklärt, dass er mit seiner Darbietung keinerlei Bezug zum Horst-Wessel-Lied herstellen wollte und ihm die Ähnlichkeit auch nicht bewusst war", so der ORF in einer Mitteilung von Dienstag. Fehler bei der Überprüfung gesteht der öffentlich-rechtliche Sender allerdings ein und gelobt Besserung: "Für zukünftige Aufzeichnungstermine und Produktionen wird zu den bestehenden Standards durch zusätzliche historische Recherchen eine weitere Sicherheitsmaßnahme eingezogen, die jegliches Risiko, dass problematisches Material unentdeckt bleibt, ausschließen soll".
"Die große Chance", in dessen Jury unter anderem Ex-Aggro-Berlin-Rapper Sido sitzt, läuft jeweils Freitag um 20:15 Uhr in ORF 1.
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