Seit "Star Wars: Episode 1" grassiert der Prequel-Wahn: Anstatt eine bestehende Geschichte um Fortsetzungen zu bereichern, baut man den Handlungsrahmen aus, indem man von den Geschehnissen erzählt, die sich vor dem Original zugetragen haben. Nintendo schlägt für seine "The Legend of Zelda"-Reihe nun denselben Weg ein: Anscheinend hatten Meister-Designer Shigeru Miyamoto und sein Team das Gefühl, es würde ihrer Mär vom zipfelmützentragenden Spitzohr am nötige Story-Unterbau mangeln - darum bekommt die Geschichte vom sich ewig reinkarnierenden Helden und seiner ewig gleich betitelten Flamme - der schönen Prinzessin Zelda - jetzt die längst überfällige Vergangenheit spendiert.
Und die geht in etwa so: Weil die Völker am Erdboden schon vor langer Zeit vor einem unaufhaltsamen Bösen überrollt wurden, entschloss sich die Schutzgöttin der Spielwelt Hyrule, die Überlebenden auf ein schwebendes Inselarchipel umzusiedeln. Hier fristen die Geretteten seit Generationen ein behütetes Dasein im Schutze von Göttin, kuschligen Schäfchenwolken und dressierten Reitvögeln, von denen jedem Himmels-Insulaner schon in Kindesjahren einer zur Seite gestellt wird.
Besonders gut getroffen hat es an dieser Stelle Frontfigur Link, der man in "Skyward Sword" nicht als Dreikäsehoch, sondern zum Übergang ins Mannesalter begegnet. Ein Wettrennen auf dem Rücken der Reitvögel soll darüber entscheiden, wer den Übergang in den Ritterstand und ins Mannesalter schafft und eine schicke Trophäe der schönen Zelda empfängt. Nachdem Link das Wettfliegen gewinnt und mit seiner Angebeteten bei einem luftigen Rendezvous über den Wolken schwelgt, tobt auf einmal ein unheilvoller, schwarzer Wirbelstorm los: Dessen Trichter saugt Zelda ins Bodenlose - und damit in das sagenumwobene Erdland. Keine Frage, dass der frischgebackene Ritter seine Freundin sucht und sich selber an die Erkundung der Welt unter den Wolken macht.
Was Nintendos Spitzohr hier erlebt, ist typisches (in diesem Fall: perfekt designtes, vor schöner Einfälle strotzendes) Serienprogramm, wurde aber um verlockende Besonderheiten und insbesondere eine äußerst penible Bewegungssteuerung bereichert: Wenn Link gigantische Verlies- oder Waldlandschaften erkundet, mit Schwert respektive Schild putzige bis finstere Widersacher verdrischt und über ausgefuchsten Gehirnzellen-Verdrehern der ältesten Action-Adventure-Schule brütet, dann macht er das ausschließlich mit Hilfe von Wii MotionPlus - also jener Erweiterung die aus Wiis Fernbedienung ein echtes Präzisionsinstrument macht, das auch die räumliche Tiefe der Spieler-Bewegungen genau misst.
Für den "Zelda"-Helden bedeutet das, dass seine Schwerthiebe exakt den Wiimote-Manövern des Spielers entsprechen:
Als Resultat muss der Abenteurer seine Waffe besonders exakt schwingen, sonst trifft der die durch die Verliese krabbelnden, trappelnden, stampfenden und glibbernden Monstrositäten nicht so, dass sie ihr Bildschirmleben endgültig aushauchen. Im Gegenzug gilt's feindliche Attacken sauber mit dem Schild zu parieren, das zuweilen repariert und verbessert werden muss.
Das neue "Zelda" wurde der Wii-Controller-Kombi perfekt auf den Leib geschneidert, strengt damit aber auch erheblich mehr an als sein Vorgänger "Twilight Princess". Denn der war im Grunde nicht mehr als eine erweiterte Wii-Version des gleichnamigen Gamecube-Spiels, die man auch durch reines Knöpfchendrücken und ohne Wiimote-Schwingerei bestreiten konnte.
Wer aber schweißtreibende, mitunter frustrierende und für den Bewegungsapparat strapaziöse Verrenkungen nicht scheut, der bekommt hier vielleicht nicht das spielerisch stärkste, aber zumindest zugänglichste und erzählerisch tiefste "Zelda"-Abenteuer serviert. Denn obwohl das ganz und gar auf Wii-MotionPlus getrimmte Abenteuer ganz klar für eine junge Zielgruppe konzipiert wurde, hält es auch für altgediente Serien-Fans attraktive Neuerungen bereit - darunter eine Peitsche oder ein fernsteuerbarer, fliegender Skarabäus, der sich durch Fernbedienungs-Neigung durch enge und luftige Passagen dirigieren lässt. Zudem verfügt Link nun über eine begrenzte Ausdauer, was ebenfalls in einigen Spielabschnitten und Rätseln aufgegriffen wird.
Visuell zeigt das im Vergleich zu aktuellen HD-Blockbustern eher grobschlächtige "Skyward Sword", wie dringend eine neue, leistungsstärkere Konsolen-Hardware benötigt wird. Bezaubernd sind die verwaschenen 3D-Grafiken im Aquarellstil dennoch. Nur der Verzicht auf eine zusammenhängende Spielwelt schmerzt. Stattdessen gibt es klar gegliederte Umgebungen.
Nichtsdestotrotz kommen Genre-Freunde um den Kauf von "Skyward Sword" nicht herum und dürfen sich auf ein ungewöhnlich feinsinnig erzähltes und mit rund 50 Stunden äußerst umfangreiches "Zelda"-Abenteuer freuen. Das bemüht noch immer dieselben Mechanismen wie zu seiner Frühzeit, schlägt aber zugleich eine erfrischend neue Richtung ein, die besonders für künftige, technisch stärkere "Zelda"-Generationen auf Großes hoffen lässt.
Wertung
| Grafik | sehr gut |
| Sound | sehr gut |
| Steuerung | sehr gut |
| Spielspaß | sehr gut |
| Gesamt | sehr gut |
Datenblatt
| Titel | The Legend of Zelda: Skyward Sword |
| Genre | Action-Adventure |
| Alter | ab 12 Jahren |
| Schwierigkeit | Für Einsteiger und Fortgeschrittene |
| Plattform | Wii (getestet) |
| System | |
| Mehrspieler | nein |
| Entwickler | Nintendo |
| Anbieter | Nintendo |
| Preis | ca. 50 Euro |
| EAN | 0045496400682 |
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