Es war Ubisofts erster großer Videospiel-Hit aus eigener Entwicklung: "Rayman" - ersonnen und umgesetzt von Michel Ancel, der das Jump&Run-Projekt im Jahr 1995 für Ataris Jaguar-Konsole, den PC und die erste PlayStation nahezu im Alleingang stemmte. Nach zwei 3D-Fortsetzungen und dem kolossal erfolgreichen Spin-Off "Raving Rabbids", in dem die Knubbelnase allerdings immer mehr zum Nebendarsteller degradiert wurde, war es etwas still geworden um das Firmenmaskottchen. Sein Schöpfer Ancel war mit anderen Projekten beschäftigt - darunter das von der Kritik gefeierte "Beyond Good & Evil" sowie die Versoftung von "Peter Jackson's King Kong". Aber auch das Hüpf-Genre selbst lag eine Weile im Dornröschenschlaf.
Doch die Zeit für eine Rückkehr ist reif - und "Rayman Origins" besinnt sich auf alte Traditionen: Statt eines weiteren 3D-Abenteuers im Stile von "Rayman 2" oder "Rayman: Hoodlum Havoc" erlebt man nun ein Abenteuer aus der Seitenperspektive. Es geht die meiste Zeit über von links nach rechts - und stets recht schräg zu.
Ubisofts neuer "UbiArt Framework"-Technologie sei Dank ist "Origins" ein regelrechtes 2D-Kunstwerk geworden, das die Ästhetik franko-belgischer Comic-Alben mit der Technik moderner Trickserien kombiniert. Obwohl die überwiegend visuell erzählte Geschichte kaum nennenswert ist (Raymans Heimat, die Lichtung der Träume, muss vor bösartigen Darktoons gerettet werden), fasziniert die muntere Hüpferei vom ersten bis zum letzten aberwitzigen, ideengespickten Plattform-Parcours.
Ob kunterbunter, idyllischer Feen-Wald, windige Wüste oder ein schräger Kosmos voller lebendig gewordener Musikinstrumente und durchgedrehter Noten: Rayman ist anders als Sega-Held Sonic angenehm gemütlich unterwegs und plant mit viel Bedacht Hopser für Hopser. Zumal sein volles Bewegungsspektrum erst nach und nach zur Verfügung steht.
Im Verlauf des rund 15-stündigen Abenteuers lernt er zu sprinten, mit seiner Helikopter-Haarpracht über Abgründe zu gleiten und die Fäuste zu schwingen: Dann werden Fieslinge wie skelettierte Tropenforscher oder aufdringliche Piepmätze einfach in den nächsten Abgrund gekloppt. Bei den grandios inszenierten Bossduellen ist dagegen etwas mehr Taktik gefragt.
Keine Frage: Wer klassische Jump&Runs und coole, fantasievolle Zeichentrickgrafik liebt, der kommt um "Rayman Origins" nicht rum. In Ancels jüngstem Geniestreich ist jede Landschaft und jeder Widersacher so schön, dass man sich am liebsten ein Bild davon als Poster an die Wand pinnen würde. Genre-Einsteiger werden zwar bereits ab der zweiten Spielwelt den allzu rasant ansteigenden Schwierigkeitsgrad beklagen, aber mit ein wenig Übung sind auch die gemeinsten Stellen und rasantesten Rutschpartien und Höhenflüge kein Problem mehr.
Obendrein bietet man einen herrlich durchgeknallten Multiplayer-Modus für gesellige Familienabende: Bis zu vier Spieler dürfen sich um den Fernseher versammeln und jederzeit in das Geschehen einsteigen, was ungemein spaßig, aber auch irre chaotisch ist. Aber auch wer alleine unterwegs ist, kommt in den Genuss, andere Figuren als Frontfigur Rayman spielen zu dürfen: Einfach zurück zum Einstiegs-Level, einen anderen (bereits freigespielten) Charakter wählen - und schon geht es als Kumpel Globox, Kleinlings-König oder in der Gestalt eines anderen, herrlich verschrobenen Hupf-Genossen weiter.
Wertung
| Grafik | sehr gut |
| Sound | gut |
| Steuerung | sehr gut |
| Spielspaß | sehr gut |
| Gesamt | sehr gut |
Datenblatt
| Titel | Rayman Origins |
| Genre | Jump & Run |
| Alter | ab 6 Jahren |
| Schwierigkeit | Für Einsteiger und Fortgeschrittne |
| Plattform | PlayStation3 (getestet), Xbox 360 (getestet), PC |
| System | |
| Mehrspieler | 2-4 |
| Entwickler | Ubisoft |
| Anbieter | Ubisoft |
| Preis | ca. 60 Euro |
| EAN | 3307215595589 |
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