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17.02.2012, 10:32 Uhr

"X-Plane 10":Gigant der virtuellen Lüfte

Fliegen erlernt man nicht an einem Tag, die Bedienung von Aerosofts Flugsimulator "X-Plane 10" erst recht nicht - auch wenn auf dem Handbuch "Abheben in 5 Minuten" steht. Doch wer sich in die Feinheiten dieses Mammutprogramms vertieft, das Entwickler Laminar Research in einer Blechhülle mit acht Dual-Layer-DVDs ausliefert, wird mit dem wohl realitätsnahesten Flugerlebnis belohnt, das derzeit auf heimischen PCs (Windows und Linux) und Macs möglich ist.

Von Herbert Aichinger

Das Entsetzen unter Genrefans war groß, als Microsoft verkündete, dass es keinen echten Nachfolger mehr für den traditionsreichen "Flight Simulator" geben würde. Stattdessen verpasst der Softwareriese derzeit "Flight" den letzten Schliff - einem laienfreundlicheren Programm, das ab 29. Februar zum Download bereitstehen soll. Freunde komplexer Flugsimulationen hatten bislang die Wahl zwischen Microsofts "Flight Simulator" und dem ehrgeizigen, aber weniger zugänglichen Open-Source-Projekt "X-Plane". Letzteres bleibt auch in der Version 10 den alten Grundsätzen treu: möglichst realistische Flugmodelle, ein sehr wirklichkeitsnahes Flugerlebnis und maximale Flexibilität für individuelle Anpassungen und Erweiterungen aller Art.

Ob einmotorige Cessna, vierstrahlige Boeing 747, Tarnkappenbomber oder Space-Shuttle - "X-Plane 10" bietet 30 Flugzeuge für die unterschiedlichsten Flugerfahrungen - immer mit detaillierten Cockpits, in denen beinahe jedes Instrument und jedes Knöpfchen tatsächlich eine Funktion haben. Beflogen werden kann theoretisch die ganze Welt. Wer jedoch die Daten aller Regionen und Flughäfen komplett auf seinem Rechner installieren will, muss viel Zeit und noch mehr freien Festplattenspeicher mitbringen. "X-Plane 10" reist mit jeder Menge Übergepäck und benötigt bei vollständiger Installation rund 80 Gigabyte (!) auf der Festplatte.

Einsteiger werden sich mit "X-Plane 10" schwerer tun als mit Microsofts "Flight Simulator X". Es gibt kein Tutorial, das Anfänger behutsam in die Feinheiten des virtuellen Luftverkehrs einführt. Auch vorgefertigte Szenarien mit Übungsaufgaben zum Trainieren der eigenen Flugkünste sucht man vergebens. Stattdessen gilt es, sich selbst mühsam mit den vielen Schaltern und Einstellungsmöglichkeiten vertraut zu machen. Weder das dünne "Schnellstart"-Heftchen noch der Punkt "Anleitung" im spartanischen Benutzerinterface bieten hier ausreichende Hilfestellung. Sofort starten und zum Einstieg eine Runde über der Heimatstadt drehen, das funktioniert mit "X-Plane 10" kaum.

Nach langer Einarbeitung weiß man jedoch jedes Detail dieser ausgefeilten Simulation zu schätzen - vom realistischen Verhalten der Maschinen in Wind und Wetter über die realitätsnahen Funksprüche der Flugverkehrskontrolle bis hin zum Einsatz spezieller Zusatzhardware, die den realen Vorbildern aus dem Cockpit nachempfunden wurde. Gesteuert werden kann "X-Plane 10" sowohl per Maus und Tastatur als auch mit Joystick oder - noch realitätsnaher - mit Yoke und Ruderpedalen. Sogar iPads lassen sich als Instrumentenanzeige über ein Netzwerk einbinden. Die benötigte App ist jedoch kostenpflichtig.

Die Szenerie, die man beim Blick aus dem Cockpit zu sehen bekommt, ist allenfalls solide. Zwar nutzten die Entwickler die globalen Geodaten von OpenStreetMap etwa für die Einbindung realistischer Straßenverläufe. Dennoch werden die Terrains größtenteils autogeneriert, was jede Menge grafischer Fehler mit sich bringt. Städte müssen zudem ohne ihre markanten architektonischen Fixpunkte auskommen, populäre Flughäfen wie Frankfurt oder München wurden nur halbherzig umgesetzt, was den Reiz des Programms doch etwas schmälert. Immerhin hat Aerosoft der Verkaufsversion von "X-Plane 10" gleich die hochauflösenden Szenerien für Nizza, Innsbruck, Faro, Seattle und Paderborn-Lippstadt (!) beigefügt. Weitere Wunschszenarien müssen über Add-ons separat erworben und hinzugefügt werden.

Wolken und Wetterverhältnisse, Wasserspiegelungen, Bäume, virtueller (aber nur bedingt stattfindender) KI-Flugverkehr - das alles zehrt an den Kräften der CPU. Selbst auf modernsten Rechnern sackt beim Einschalten aller Details die Framerate massiv ab - ein Performance-Gewinn gegenüber der Vorgängerversion ist jedenfalls nicht auszumachen.

Wer an einer "ernsthaften" Flugsimulation mit größtmöglichem Realitätsgrad interessiert ist, kommt nach dem Aus des "MS Flight Simulator" um "X-Plane 10" fast nicht herum. Um das Flugvergnügen jedoch voll auskosten zu können, bedarf es einer gehörigen Portion Beharrlichkeit und Tüftelfieber. Spieler, denen der Entertainment-Aspekt wichtiger ist als Realismus, sind mit "X-Plane 10" nicht gut beraten und sollten die paar Tage bis zum Release von Microsofts kostenlosem "Flight" abwarten.

Wertung

Grafik gut
Sound befriedigend
Steuerung gut
Spielspaß gut
Gesamt gut

Datenblatt

Titel X-Plane 10
Genre Simulation
Alter ab 0 Jahren
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene und Profis
Plattform PC (getestet), Mac OS X
System Minimum CPU mit 3 GHz, 4 GB RAM, Grafikkarte mit 512 MB RAM, ca. 25 bis 80 GB Festplattenspeicher
Mehrspieler 2-100
Entwickler Laminar Research
Anbieter Aerosoft
Preis ca. 70 Euro
EAN 4015918119702

© teleschau - der mediendienst GmbH

0 Sterne - basierend auf 0 Bewertungen
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11 Meinungen zu "Gigant der virtuellen Lüfte"

  • nofussball
    Freitag, 24.02.2012, 12:44 Uhr
    Bin auch Fan von Flugsims. Besitze auch einige. Das beste und für mich interessanteste ist IAF. Historische und futur-Kampangen, nahe an der Realität. Leider habe ich noch keine wirklich gutes Helikopter-Sim. gefunden! Hat da jemand einen Tipp ? leyla
  • pitotpete
    Montag, 20.02.2012, 10:12 Uhr
    Ach ja Pacster noch was - unter der Golden Gate bin ich schon oft durchgeflogen - im FSX.
  • dnull
    Montag, 20.02.2012, 10:12 Uhr
    Ich bereue es nicht, mir dereinst zu meinem letzten Computer X-Plane 9 dazugekauft zu haben. In der Tat kann ich nicht sämtliche Optionen bis auf Maximum stellen, und es gibt keine Missionen oder sowas. Mein selbst gesetztes Ziel zu starten und wieder heil zu landen ist manchmal aber schon Mission genug. Abgesehen davon, dass es den Microsoft-FS gar nicht für Mac OS X gibt und ich darüber hinaus auch gar nicht vergleichen kann (kenne nur eine Uralt-Version von ca. 1995), macht mir X-Pane gewaltigen Spaß. Besonders der Plane-Maker ist der Hit.
  • pitotpete
    Montag, 20.02.2012, 10:08 Uhr
    Und für Pacster habe ich natürlich auch etwas - Zusatzprogramme N.Y. für FSX sind so aktuell, dass das WTC da schon lange nicht mehr existiert - man kann also 9/11 nicht nachüben - dies Form von perversem Sarkasmus ist damit ein Riegel vorgeschoben - aber die Baukräne am Ground Zero kannst du gerne unter Beschuss nehmen, die existieren nämlich. (Software zu FSX z.b. bei Aerosoft Paderborn zu bestellen) Mit brennenden Triebwerken landen...hm, wenn du die Gase aus den Triebwerken ziehst (Gashebe zurück, kannst du ja schon mal Triebwerksausfall simulieren, solche Dinge gehen immer.)
  • pitotpete
    Montag, 20.02.2012, 09:38 Uhr
    ...und tinfo, sinnfreies Rumeumeln gibt es in der Fliegerei überhaupt nicht - ich verdiene z.B. mein Geld damit, ein gut gemachtes Flugsimulationsprogramm ist so anspruchvoll, dass selbst ich - auch aus Mangel an Zeit - es nicht voll ausnutzen kann. Allein die wirklichkeitsnahe Beherrschung der Funknavigation, des Autopiloten oder bei gut gemachten Airliner-Modellen den NAV-(navigations-computer) zu programmieren erfordert Profierfahrung. Tritt man dann noch einer der wenigen online-gruppen bei und setzt sich am heimischen Schreibtisch einen Kopfhörer auf, dann muss "Realfunk" gemacht werden und Anweisungen der "Internet" - Lotsen, Menschen aus Fleisch und Blut, die tatsächlich dort sitzen, wo man gerade virtuell fliegt - z.B. Chicago, muss exakt Folge geleistet werden, fliegerisch und sprechfunktechnisch - Anschiss und endlich Rausschmiss sind sonst schnell die Folge. Versuche einen Hubschrauber im Simulator zu fliegen erfordern fast die gleiche Übung wie reale Drehflügler durch den Luftraum zu bewegen, Start und Landung sind hier die hohe Kunst.
  • pitotpete
    Montag, 20.02.2012, 09:32 Uhr
    tinfo hat aber nicht gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt sich selbst Missions zu stricken - dazu gehört etwas Erfahrung, sondern er wollte wissen, ob es da Missions gibt, die man einfach aufruft. Bei selbstgestrickten Missions gibt es für Anfänger keine Hilfestellungen, bei aufrufbren Missions sehr wohl, zB. Briefings, Pfeile in der Landschaft, denen es zu folgen gilt, spielerisch in der Landschaft aufgestellte Rahmen, die man durchfliegen kann.
  • Liestehkeiner
    Montag, 20.02.2012, 09:16 Uhr
    Naja man könnte ja bei IPS als Frachtpilot arbeiten und andauernd Krams nach XY schleifen, was dann eine halbherzig versteckte Begründung ist gewisse Flugrouten abzuklappern xD Aber naja ich habe keine Ahnung, notfalls bastelt man sich seine "Missionen" einfach selber und stellt sich nen Flugplan für ne Weltumrundung mit ner Cesna auf :D
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