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16.05.2012, 17:29 Uhr

Merkel entlässt Umweltminister Röttgen

Berlin (dpa) - Kanzlerin Angela Merkel hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen nach dem CDU-Wahlfiasko in Nordrhein-Westfalen gefeuert. Es ist das erste Mal, dass Merkel in ihrer siebenjährigen Kanzlerschaft einen Minister aus dem Kabinett wirft.

Nach Angaben aus Koalitionskreisen weigerte sich Röttgen, freiwillig zurückzutreten. Mitauslöser für die harte Entscheidung der Kanzlerin könnte gewesen sein, dass CSU-Chef Horst Seehofer Röttgen heftig für die NRW-Pleite kritisiert und seine Eignung als Minister infrage gestellt hatte. Allerdings erklärte Merkel noch am Montag, Röttgen könne Minister bleiben. Neuer Umweltminister wird nun Merkels Vertrauter Peter Altmaier (CDU).

Röttgen wehrte sich dem Vernehmen nach hartnäckig gegen seinen Rückzug aus dem Kabinett. Er hatte am Sonntagabend direkt nach der verlorenen Wahl den CDU-Landesvorsitz in NRW aufgegeben, wollte aber in der Bundes-CDU präsent bleiben. Daraufhin habe Merkel die Entscheidung getroffen, ihn aus dem Kabinett zu entfernen, hieß es.

Die CDU-Vorsitzende sagte am Mittwoch in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Kanzleramt, sie habe Bundespräsident Joachim Gauck gebeten, Röttgen von seinen Aufgaben als Bundesumweltminister zu entbinden - "um so in diesem Amt einen personellen Neuanfang möglich zu machen".

Die Energiewende mit dem Atomausstieg sei ein zentrales Vorhaben der schwarz-gelben Koalition in dieser Wahlperiode, betonte Merkel. Röttgen wurde in Koalitions- und Regierungskreisen nicht mehr zugetraut, das weltweit beachtete Prestige-Projekt mit der nötigen Autorität durchzusetzen.

Merkels Dank an ihren einstigen Musterschüler - der in Berlin lange den Spitznamen "Muttis Klügster" trug - fiel knapp aus. Röttgen habe als Umweltminister bei den Grundlagen für die Energiewende entscheidend mitgewirkt. Auch habe er großes Engagement beim internationalen Klimaschutz gezeigt. "Für diese Arbeit danke ich ihm", sagte Merkel. Die Entlassungsurkunde wird Röttgen von Gauck überreicht werden.

Nach Ansicht der Grünen markiert Röttgens Rauswurf einen neuen Höhepunkt in der Dauerkrise von Schwarz-Gelb. "Diese Regierung kann es nicht", teilten die beiden Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin mit. Schwarz-Gelb sei in zentralen Feldern der Politik handlungsunfähig - von der Energiewende bis zu Bildung und Haushalt. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann meinte: "Der Rausschmiss von Norbert Röttgen ist ein Verzweiflungsakt. Angela Merkel opfert Norbert Röttgen, um sich selbst zu schützen."

Jetzt soll der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier, die stockende Energiewende vorantreiben. "Peter Altmaier kenne ich sehr lange, ich schätze seine bisherige Arbeit, und ich bin mir ganz sicher, dass er mit voller Kraft sich der neuen Aufgabe zuwenden wird und es eine gute Zusammenarbeit geben wird", sagte Merkel.

Altmaier betonte, er freue sich auf seine neue Aufgabe: "Die Energiewende ist eine wichtige Aufgabe, von deren Gelingen viel abhängt für die Verbraucher, die Wirtschaft und vor allem auch die Umwelt." Das seien Schlüsselthemen moderner Politik. Er habe seit 1994 viel mit Röttgen zusammengearbeitet und wünsche seinem Vorgänger politisch und beruflich alles Gute.

Röttgen galt lange Zeit als Merkels "Kronprinz" und möglicher Kanzlerkandidat der CDU in der Zukunft. Der 46-Jährige musste jedoch am Sonntag mit 26,3 Prozent das historisch schlechteste Wahlergebnis der CDU in Nordrhein-Westfalen verantworten. Zu erwarten ist, dass er nun auch seinen Posten als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender aufgeben wird.

Seehofer hatte Röttgen schwerste Versäumnisse im NRW-Wahlkampf vorgeworfen. Als größten Fehler bezeichnete er die fehlende Bereitschaft Röttgens, sich auch im Falle einer Wahlniederlage auf Nordrhein-Westfalen festzulegen. Er habe Röttgen gewarnt, dass es nicht dessen private Entscheidung sei, sondern die ganze Union betreffe. "Ich habe mit ihm gesprochen, persönlich und über die "Bild"-Zeitung, und persönlich hat er mich dann abtropfen lassen."

Zuletzt hatte Merkel vor einem Jahr ihr Kabinett umgebildet, als Gesundheitsminister Philipp Rösler ins Wirtschaftsministerium wechselte und Daniel Bahr (beide FDP) ihm ins Gesundheitsressort folgte. Mit der Entlassung ist nun die vierte Kabinettsumbildung verbunden.

Alle News vom: 16. Mai 2012 Zur Übersicht: Nachrichten

514 Meinungen zu "Kreise: Röttgen tritt zurück"

  • 132leorobi
    Samstag, 19.05.2012, 08:12 Uhr
    rtitt zur rück oder ist er zurück getretten worden?
  • Seppele2
    Samstag, 19.05.2012, 07:59 Uhr
    binsicher Wenn man Kinder aufzieht und sie dann aus der Familie wirft, weil sie eigene Gedanken entwickeln, dann ist das nur ein riesengroßes Mamatrauerspiel. Gut dass sie selbst keine eigenen Kinder hat.
  • binsicher
    Freitag, 18.05.2012, 17:44 Uhr
    genau - wieder ein Bauernopfer, aber egal CSU und CDU mitsamt der FDP sollten insgesamt ausgetauscht werden - Merkel könnte sich gleich selbst entlassen - der Wulff war ja auch ein Merkelwunschkind - sie ist keine gute Mutter - s. Röttgen ............. ha - und der grinsende oberbayrische G'scheitmeier Seehofer passt .....die sollten auf eigenen Geleisen fahren, dann wäre das bei Wahlen für die CDU sowieso das A U S !!!!!!!!!!!!
  • Seppele2
    Freitag, 18.05.2012, 16:27 Uhr
    DrDenk gut erkannt
  • DrDenk
    Freitag, 18.05.2012, 15:40 Uhr
    Rösler? Ein Leistungsträger? Das soll wohl ein Witz sein. Der ist sogar für FDP-Verhältnisse eine Nullnummer.
  • Seppele2
    Freitag, 18.05.2012, 07:49 Uhr
    Speedport1948 Wenn Du schon gegen "Ausländer" schreibst, dann vergiß doch bitte nicht den in Asien gebürtigen Herrn Rösler. Ein Leistungsträger der guten deutschen Politik. Was der sich rein verbal alles leistet, verdient auf jeden Fall einen Ministerposten!
  • DrDenk
    Donnerstag, 17.05.2012, 16:29 Uhr
    @Speedport: Als ob der Hosenanzug gegen MuKu auch nur jemals einen Finger krumm gemacht hätte...
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