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18.11.2011, 10:12 Uhr

Doch kein Selbstmord der Nazi-Terroristen?

Berlin - Hamburgs ehemaliger Innensenator und Ex-Polizeipräsident Udo Nagel hat nach dem Tod zweier Rechtsterroristen aus Thüringen "erhebliche Zweifel" an der Selbstmordtheorie der Ermittlungsbehörden geäußert. Gegenüber der Bild-Zeitung (Freitagausgabe) erklärte Nagel: "Solche Tätertypen bringen sich in der Regel nicht selbst um. Ich gehe eher davon aus, dass es innerhalb der Gruppe Stress gab."

Nagel hat für eine Sondersendung des TV-Senders RTL2 ("Ungeklärte Morde Spezial") zahlreiche Ermittler und Zeugen des Falls befragt. "Wir haben im Rahmen unserer Recherchen mit einem Augenzeugen gesprochen, der von einem lauten Streit zwischen mindestens zwei Personen in dem Wohnmobil der Täter in Eisenach berichtet", so der ehemalige Polizeipräsident.

Nach zahlreichen Ermittlungs- und Abstimmungsfehlern in dem Fall halte er insbesondere die Rolle der Bundesanwaltschaft in dem Verfahren für "klärungsbedürftig", so Nagel im Interview mit der Bild: "Es gab schon ab 2004 dringende Anfragen von Ermittlern beim Generalbundesanwalt, bei der Aufklärung zu helfen, um die Ermittlungen der Länder zu koordinieren. Doch in Karlsruhe weigerte man sich, die Akten auch nur zu lesen. Aus heutiger Sicht gewiss ein Fehler!"

Auch das Vorgehen der Landesverfassungsschutzämter werde aus seiner Sicht "momentan zu Recht hinterfragt", erklärte Nagel: "Aufgabe des Staatsschutzes ist, extremistische Gruppen zu beobachten und solche Taten zu verhindern. Der Verfassungsschutz Niedersachsen räumt inzwischen offiziell Pannen und Fehler ein. Und dass beim Thüringer Verfassungsschutz jahrelang Chaos herrschte, ist inzwischen offensichtlich."

Nagel widersprach zugleich der These, dass es sich bei den Tätern aus Thüringen um eine von der rechtsradikalen Szene abgeschottete Gruppe handelt. Nagel: "Ich bin überzeugt, dass es weitere Mitwisser und Komplizen gibt."

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