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31.01.2012, 11:04 Uhr

Wie schützt man sich vor Alzheimer?

Geistige Aktivität schützt vor der gefürchteten Alzheimererkrankung - doch warum? Tatsächlich gleicht der organische Zustand der Hirne von Leseratten denen 50 Jahre jüngerer Menschen, zeigt jetzt eine Studie.

Rot, orange, gelb - was im Hirnscan als fröhlich-bunte Wolken leuchtet, ist in Wirklichkeit ein Alarmzeichen: Die warmen Farbtöne enthüllen, wie stark sich sogenannte Amyloid-Beta-Plaques im Denkorgan ausgebreitet haben. "Ihr massives Auftreten ist typisch für Menschen mit Alzheimer", erklärt Demenzforscherin Susan M. Landau von der University of California in Berkeley im Gespräch mit NetDoktor.de.

Alzheimer ist das Schreckgespenst des 21. Jahrhunderts. Bislang hat man noch keine Therapie gefunden, die den geistigen Verfall aufhalten kann, der allein in Deutschland Millionen Menschen betrifft.

Aktive Neuronen

Nase

Neue Methode spürt die Krankheit schon Jahre vor Ausbruch auf. >

Lediglich eine Handvoll Strategien sind bekannt, die den Schwund der Nervenzellen offenbar ein Stück weit in Schach halten können. Das Vermeiden von Übergewicht gehört dazu, regelmäßiger Sport und der Verzicht auf zu viel Alkohol. Vor allem aber Aktivitäten, die die Neuronen in Schwung halten: Lesen, Schreiben, Kreuzworträtseln, Sudokus knacken. Menschen, die ihr Leben lang geistig aktiv waren, erkranken offenbar wenn überhaupt, dann meist später an Alzheimer als geistig trägere Mitmenschen.

Doch was steckt hinter dem schützenden Effekt? Das Team um Susan M. Landau ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Dazu scannten sie per Positronenemissionstomografie (PET) die Gehirne von 65 geistig gesunden Freiwilligen, die im Schnitt 76 Jahre alt waren. Dabei konzentrierten sich die Forscher vor allem auf das sogenannte Amyloid-Beta. Diese Eiweißstrukturen lagern sich mit zunehmendem Alter im Gehirn ab. Zwei Drittel der über sechzig Jährigen weisen derartige Plaques im Denkorgan auf - in unterschiedlicher Stärke. In den Ablagerungen vermuten Ärzte eine Ursache für das Absterben von Nervenzellen im dementen Gehirn.

Vorteil für Leseratten

Die Bilder aus dem PET verglichen die US-Forscher mit denen von zehn Alzheimerpatienten und elf gesunden Zwanzigjährigen. Das Ergebnis war beeindruckend: Menschen, die angegeben hatten, Zeit ihres Lebens viel gelesen und geschrieben zu haben, zeigten Hirnstrukturen die denen der zwanzigjährigen Vergleichsobjekte glichen. In ihren Hirnen herrschten gesunde Blautöne vor. Von Amyloid-Beta-Ablagerungen keine Spur.

Ganz anders sahen die Hirne der Teilnehmer aus, die ihr Lebtag wenig Sinn für geistige Beschäftigungen gehabt hatten. Das Farbspiel ihrer Denkorgane ähnelte dem von Alzheimerpatienten - obwohl sie geistig noch völlig fit waren. "Es ist denkbar, dass die Amyloid-Beta-Ablagerungen sich schon Jahre vor den ersten Alzheimersymptomen entwickeln", erklärt Studienleiterin Landau. Zwar wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob die Teilnehmer, die die bedenklichen Hirnscans zeigten, tatsächlich auch Alzheimer entwickeln - und die mit den augenscheinlich jugendfrischen Hirnen nicht. "Aber wir wissen, dass Amyloid-Beta der pathologische Hauptfaktor in der Entstehung von Alzheimer ist - insofern ist das sehr wahrscheinlich", erklärt die Wissenschaftlerin.

Kognitiver Restmüll

Auge einer alten Frau

Neue Methode ermöglicht Diagnose zehn Jahre vor Ausbruch. >

Auch eine mögliche Erklärung für das Phänomen können die Forscher bereits bieten: "Tierversuche haben gezeigt, dass neuronale Aktivität die Anreicherung von Amyloid-Beta fördert", berichtet Landau - eine Art kognitiven Restmülls also. Trotzdem sammelt sich bei eifriger Hirnnutzung davon weniger an als bei denkfaulen Personen. Der Grund: "Menschen, die kontinuierlich kognitive Herausforderungen bewältigen, entwickeln sehr effiziente neurologische Netzwerke", berichtet die Forscherin. Um dieselbe Aufgabe zu lösen, benötigen ihre Gehirne weniger Energie und weniger neuronale Aktivität als die von weniger trainierten. "Personen, die ihr Hirn ein Leben lang stimulieren, könnten daher im Endeffekt weit weniger Amyloid-Beta aufbauen - weil ihre Neuronen effizienter arbeiten."

Frühes Training nutzt am meisten

Tatsächlich konnten vor allem jene Testeilnehmer mit jugendfrischen Gehirnen aufwarten, die bereits im jungen und mittleren Lebensalter geistig aktiv gewesen waren. Wer erst im Alter dem Denksport frönte, dessen Hirn wies trotzdem Amyloid-Beta-Plaques auf."Das heißt jedoch nicht, dass sich kognitives Training im Alter nicht lohnt", erklären die Autoren. Die größere geistige Trägheit könnte die Lebensqualität unabhängig von den Plaques verbessern und möglicherweise dazu beitragen, dass erste geistige Abbauprozesse besser kompensiert werden.

Leider gilt aber auch die umgekehrte Variante: Nicht jeder, der sein Leben lang auf geistigen Hochtouren lief, bleibt von Alzheimer verschont. Tragische Beispiel sind der deutsche Rhetoriker, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Walter Jens, die englische Schriftstellerin und Philosophin Iris Murdoch und die "Eiserne Lady", Ex-Premierministerin Margaret Thatcher. Möglicherweise hat die Krankheit sie aber erst später ereilt, als es ohne geistige Höhenflüge der Fall gewesen wäre.

Zum Originalartikel bei Netdoktor.de

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Quelle: Quelle: Susan M. Landau: Association of Lifetime Cognitive Engagement and Low Beta-Amyloid Deposition Arch Neurol. Published online January 23, 2012., oi:10.1001/archneurol.2011.2748

© NetDoktor.de GmbH

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23 Meinungen zu "Alzheimer: So beugen Sie vor"

  • ErstDenk
    Donnerstag, 02.02.2012, 16:05 Uhr
    Gaikana # Fürchte fast sie haben Recht. Kenne auch solche Fälle. Natürlich wäre es möglich daß es seriöse Statistische Untersuchungen dazu gibt. Allerdings ist mir keine davon bekannt.
  • Gaikana
    Donnerstag, 02.02.2012, 12:51 Uhr
    Ich weiß nicht, woher immer diese Behauptungen kommen, dass geistig rege Menschen später oder garnicht an AZ erkranken. Alles was ich aus meinem Umfeld kenne spricht absolut dagegen. Mein Vater hat wenig gelesen, keine Rätsel gelöst, hatte Übergewicht. Einzig war er zeit seines Lebens sportlich, aber nicht übermäßig, einmal die Woche Tennis und einmal Schwimmen. Mein Schwiegervater war Oberlehrer und zeit seines Lebens geistig rege, permanent an seinen Geschichtsforschungen, als Leher hat er jedes Schuljahr seinen Unterricht neu erarbeitet, nie die Vorlagen vom Vorjahr benützt. Ich kenne ihn nur lesend oder schreibend und sich bildend. Er hatte niemals Übergewicht, weil er sich sehr bewußt und gesund ernährt hat und schon oft belächelt wurde, ob seiner Gewissenhaftigkeit. Einzig sportlich war er nicht. Er hat sich zwar bewegt, aber nur als Spaziergänger, das aber doch fast täglich. Jetzt raten sie mal wer die Az bekam? Mein Vater ist geistig rüstig und topfit mit 78 Jahren an Herzinfarkt gestorben, mein Schwiegervater ist seit ca. 8 Jahren mehr und mehr an AZ erkrankt, er ist 86 und erkennt uns schon lange nicht mehr. Ein Freund der Familie, Professor an Uni Hohenheim, ein beleserner aktive schlanker Mann ist mit Mitte 60ig an Alzheimer erkrankt. Alles Schmarrn, was da erzählt wird. Ich glaube, dass man es einfach nicht weiß, woher es kommt. Und ich finde es diskriminierend, wenn da so einfache Thesen propagiert werden, wie kein Übergewicht, viel Bewegung und geistige Regsamkeit. Natürlich ist das alles wünschenswert und nützlich gegen jede Art von Zivilkrankheiten, aber es ist halt nicht vermeidbar, auch wenn man alles befolgt hat. Eine Heidi Kabel, Maler Schriftsteller usw. sind auf jeden Fall geistig rege, meist auch ohne Übergewicht und schon durch die öffentliche Aufmerksamkeit gesundheitsbewußt und treiben Sport. Ich finde diese klischeehaften Weisheiten einfach unmöglich.
  • ErstDenk
    Mittwoch, 01.02.2012, 16:26 Uhr
    Manche Leute die hier Beiträge be- bzw. abwerten würde ich auch gern mal auf ihre kognitiven Fähigkeiten hin untersuchen.
  • Alinghi
    Mittwoch, 01.02.2012, 14:05 Uhr
    @ Yunona "@Alinghi: Ich meine es jetzt nicht böse, aber ich würde die Arbeit als Fremdsprachenkorrespondent nicht unbedingt als besondere geistige Aktivität bezeichnen. Als ich meine Ausbildung in dem Bereich gemacht habe, nannte man uns "die besseren Sekretärinnen". Denn ein Fremdsprachenkorrespondent macht nicht viel anderes, als Geschäftskorrespondenz von einer Sprache in eine andere möglichst ohne Bedeutungsverluste zu übersetzen. Es gehört zwar viel Fachvokabular dazu, aber das kriegt auch fast jeder polyglotte Student hin. ____________ Ich habe ja auch nicht geschrieben, dass diese Arbeit nobelpreisträchtig ist, aber es ist Kopfarbeit und das ist geistige Aktivität, ganz abgesehen davon hatte meine Tante ein eigenes kleines Unternehmen und musste das neben der normalen Arbeit auch organisieren. Dabei musst du geistig rege sein. Wie definierst du denn Kopfarbeit?
  • sagitta68
    Mittwoch, 01.02.2012, 10:06 Uhr
    äähhhhh - Mist, jetzt habe ich vergessen, was ich schreiben wollte ...................
  • ErstDenk
    Dienstag, 31.01.2012, 17:14 Uhr
    Tatsache ist auch dass die Theorie der Plaques als Ursache für Alzheimer immer noch oder immer mehr umstritten ist. Es gibt mehrere Untersuchungen die darauf hindeuten daß sie nur ein Nebenprodukt der Krankheit sind und nicht etwa deren Ursache. (Folgereaktion auf entzündliche Prozesse) Man muss nur mal nach "Plaque Theorie" und "falsch" googeln. Hinweise in diese Richtung gibt es auch dadurch daß erste erfogreiche Ansätze die Plaques zu reduzieren zu keinerlei Verbesserung des Krankheitsbildes führten auch keiner Verzögerung des Fortschreitens der Krankheit bzw. des äußerlich sichtbaren Krankheitsbildes. In dieser Hinsicht würde ein für das Gehirn gesunder Lebensstil narürlich zur Prophylaxe beitragen da schädliche Prozesse minimiert würden.
  • Carinja
    Dienstag, 31.01.2012, 16:51 Uhr
    Man weiß ja nicht, ob die Leute, die nicht lesen, nicht vielleicht schon durch etwas geschädigt sind. In Wikipedia lese ich einen interessanten Beitrag zu Alzheimer, wonach Menschen, die zwischen dem 20-igsten und 50-igsten Lebensjahr beruflich monotone Tätigkeiten ausführen mussten, häufiger an Alzheimer erkranken. Dazu kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen, dass sehr monotone Tätigkeiten, die gleichzeitig sehr anstrengend sind (weil schnell durchzuführen), zu einer Art Müdigkeit führen, bei der man keine Kraft und Lust mehr zu eigenen Aktivitäten findet. Ich, die ich ansonsten mein Lebtag ohne Fernsehgerät ausgekommen bin, wollte in einer solchen Situation abends nur noch fernsehen und sonst nichts. Glücklicherweise konnte ich meine Situation verändern. Auch interessant aus gleichem Artikel: "In-vitro-Untersuchungen zeigten, dass das Antioxidans Epigallocatechingallat (EGCG) des Grünen Tees die Bildung von Plaques verhindern kann.[69][70] Andere Studien weisen darauf hin, dass EGCG die Plaques auch auflösen kann.[71][72][73] In Tierversuchen mit Mäusen konnte gezeigt werden, dass nach sechsmonatiger EGCG-Behandlung die Plaque-Belastung im Kortex, Hippocampus und im entorhinalen Kortex um jeweils 54 %, 43 % und 58 % reduziert wurde.[74] Eine weitere Studie, die die Auswirkung von EGCG auf die Alzheimer-Krankheit untersucht, wird an der Charité in Berlin durchgeführt.[75] Neue Untersuchungen konnten zeigen, dass Theaflavinbestandteile des Schwarzen Tees ebenfalls die Entstehung von Plaques verhindern und bestehende Plaques auflösen kann.[76]" Ich bin leidenschaftliche Teetrinkerin, das gibt Hoffnung.
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