Privat oder gesetzlich? Wann sich ein Wechsel lohnt
Endlich mal als Erster beim Arzt drankommen, die teuren Füllungen beim Zahnarzt nicht selbst bezahlen müssen, im Krankenhaus vom Chefarzt behandelt werden - solche Vorstellungen verbinden viele Menschen mit einer privaten Krankenversicherung. Aber nicht für jeden sind die privaten Anbieter erreichbar: Zwar dürfen Beamte und Selbstständige ihre Kasse frei wählen. Aber Angestellte sind oftmals verpflichtet, in die gesetzliche Versicherung einzuzahlen. Es sei denn, sie verdienen viel Geld.
Bis 2010 mussten Angestellte drei Jahre hintereinander ein hohes Einkommen nachweisen, um wechseln zu dürfen. Seit 2011 ist das einfacher: Jetzt reicht es, die sogenannte Versicherungspflichtgrenze ein Jahr lang überschritten zu haben. 2011 lag sie bei einem Bruttojahreseinkommen von 49 500 Euro, 2012 sind es 50 850.
Die Branche habe von dieser Gesetzesänderung profitiert, sagt Dirk Lullies vom Verband der Privaten Krankenversicherung in Berlin. In den ersten sechs Monaten 2011 hätten insgesamt 54 000 Menschen eine Vollversicherung abgeschlossen, 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Knapp neun Millionen Bundesbürger seien damit inzwischen in einer privaten Kasse.
Lullies wirbt mit der Flexibilität der Angebote. "Wir bieten eine sehr große Freiheit, was sowohl das Produkt als auch den Tarif angeht. Ich kann die Leistungskomponenten wählen, die mir wichtig sind." Nur für das, was sich der Kunde aussuche, müsse er auch bezahlen. Wichtig sei außerdem: "In die bestehenden Verträge kann nicht eingegriffen werden." Anders sei dies bei der gesetzlichen Krankenversicherung, denn die gesetzlichen Grundlagen könnten sich ändern.
"Die private Krankenversicherung ist in Einzelfällen kurzfristig billiger, langfristig rechnet sie sich jedoch kaum", hält Florian Lanz vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen dagegen. Ein Nachteil einer privaten Absicherung sei, dass Kinder und nicht-arbeitende Ehepartner ebenfalls einen eigenen Vertrag abschließen müssten. In der gesetzlichen Versicherung seien sie über den Hauptverdiener beitragsfrei geschützt.
Zwar biete eine private Kasse punktuell mehr Leistungen. Allerdings müsse jeder Kunde diese mit seiner Krankenversicherung auch vertraglich festlegen, sagt Lanz. Denn was nicht im Vertrag stehe, werde auch nicht bezahlt. Das könne viele Kuren und wichtige Hilfsmittel betreffen. Der Leistungskatalog der gesetzlichen Versicherung entwickle sich dagegen laufend weiter, und alle Kassen müssten immer das zahlen, was vorgeschrieben sei. Das sei für alle Menschen das Gleiche.
Ein weiterer Punkt sei die schwere Rückkehr in eine gesetzliche Versicherung: Nur in besonderen Fällen könnten Privatversicherte in die gesetzliche Krankenversicherung zurück. Wer älter als 55 Jahre sei, für den heiße es: "In der Regel kommen sie nicht zurück."
Für Sascha Straub, Leiter des Bereiches Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Bayern in München, ist es schwierig, pauschale Empfehlungen für oder gegen eine bestimmte Versicherung auszusprechen: "Es ist immer eine individuelle Prüfung notwendig." Allein in einem ist er sich sicher: "Für Beamte lohnt sich die private Versicherung auf jeden Fall, weil sie nur die Hälfte zahlen müssen." Das gelte auch, wenn ein Beamter oder eine Beamtin einen Ehepartner und Kinder mitversichern müsste.
Ein Angestellter hingegen müsse sich die Vor- und Nachteile genau angucken. Gut an den Privaten seien die Wahlmöglichkeiten: "Man kann es individuell komplett anders vereinbaren als bei einer gesetzlichen Kasse." Für einen jungen, gut verdienenden und gesunden Mann, der sich sicher sei, dass er nie Kinder bekommen wolle, könne sich das lohnen. Allerdings solle jeder Interessent aufpassen, dass er nicht nur auf einen niedrigen Beitrag achte: "Diese Mager-Tarife sind nicht zu empfehlen", erklärt der Verbraucherschützer. Hierin seien zu wenige Leistungen enthalten.
Der Bund der Versicherten weist in einer Broschüre darauf hin, dass sich gesetzlich Versicherte bestimmte Leistungen wie eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus auch durch eine private Zusatzversicherung verschaffen können. Unschlüssige, die sich über hohe Zahlungen in der gesetzlichen Kasse ärgerten, sollten sich bewusst sein, dass die Beiträge bei den Privaten mit dem Alter stiegen: "So mancher Rentner hat sich erstaunt die Augen gerieben, als er feststellen musste, dass die private Krankenversicherung für ihn fast unbezahlbar geworden ist", heißt es in der Broschüre. Wer wechsle, solle in jungen Jahren Geld sparen, um im Alter die Versicherung zahlen zu können.
14 Meinungen zu "Privat oder gesetzlich?"
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Historiefakten
Donnerstag, 05.01.2012, 17:02 Uhr Bitte nicht im Falle von "privileg" oder "günstig" etc. geraten. Privat versichert wird nur besser, wenn man weiß, daß man insgesamt im Leben besseren Gesundheitszustand noch hat, wenn man längerfristig tatsächlich bessere sichere Arbeitsplätze hat. Die PKV (Private Kranken Versicherung) ist anders als GKV (Gesetzliche Kranken Versicherung), daß bei PKV jede ist selber versichert und genauso mit Beiträgen, bei der GKV kann man Familien versichert, dann für die Familie ist günstiger und besser. Die PKV erstatten keine Hilfsmittel wie Gehwagen, Rollstuhl etc. die auch manchmal bis € 25000 oder mehr kosten können. Manche Zusatz PKV versichert nur für die Behandlungen bei den Heilpraktikern, aber nicht bei den Ärzten, da sowohl Heilpraktiker als auch Ärzte können beide die Naturrheilverfahren bzw. TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) oder Akupunktur oder Homöopathie praktizieren. Bitte genauer fragen, v.a. es muß auf den Vertrag nicht nur die Behandlungsmethoden, sondern auch impliziert drauf steht, daß auch die ärztlichen naturheilkundlichen Therapien erstattet werden, zwar nicht nur bei den Kassenärzten sondern auch ausnahmlos bei den Privatärzten. Solche Grundversicherung (= GKV ind Deutschland) + Zusatzversicherung privat in der Schweiz machen keinen Aushnahme von Kassenärzten und Privatärzten oder Heilpraktiker, alle werden erstattet. In Deutschland ist total anders zu Gunsten von Heilpraktiker oder Kassenärzten, nicht zu Gunsten von Patienten/Versicherten. (Lobyisten in der Ärzteschaft/Politik/Ministerium/Kassenverbänden). Bei der Zusatzversicherung, die zusammen arbeitet mit der GKV, erstatten sie wenn überhaupt die Leistungen von Heilpraktikern und von Kassenärzten, aber nicht von Privatärzten, die meisten in der Ausbildung der Naturheilverfahren, v.a. der TCM weit länger und besser/tiefer sind als die Kassenärzte, da sie kaum Zeit und Ausdauer/Lust haben, sehr lange Studiengänge von mindestens 10 Jahre oder sogar bis länger als 20 Jahre intensiv mit viel Geld und anderen Kosten ihre Ausbildungen finanzieren müssen. -
rh23
Donnerstag, 05.01.2012, 16:21 Uhr @Yakkmilch Warum machst du hier so eine Werbung? Bei deiner Rechtschreibung kauft sowieso niemand etwas von dir.. Eine Beratung sollte von einem Unabhängigen kommen und nicht von einem Verkäufer! -
n1979b
Donnerstag, 05.01.2012, 16:16 Uhr @tired71: Wie gesagt, bin auch hin- und hergerissen. Es scheint eben nicht in der PKV alles besser zu sein - vor allen Dingen eben auf keinen Fall günstiger. Aber ich glaube, daß man als Privatversicherter doch eben als Patient ganz anders wahrgenommen wird. Chefarztbehandlung, andere Medikamente, schnellere Überweisung zu Fachärzten usw. usw. Zumindest denke ich das! Bei einer kleinen Grippe oder Zahnschmerzen wäre mir das im Grunde ja egal. Aber ich habe das Matyrium meiner Mutter miterlebt und das war für mich einfach nicht fassbar. Niemand war zuständig, keiner wollte sich kümmern, es gab keine Abstimmung unter den Fachärzten. Der eine hat Medikamente verschieben, der nächste hat diese wieder gestrichen usw. usw.... -
Tired71
Donnerstag, 05.01.2012, 16:07 Uhr Ich bin selbst privatversichert und wäre froh, wenn ich zurück könnte in die gesetzliche. Bin mittlerweile verheiratet und habe 2 Kinder, das ist RICHTIG teuer!! Im Alter wird mir wohl nur übrig bleiben, die Leistungen zu kürzen. Außerdem, das sagt einem aber keine PKV, ist es möglich innerhalb der Krankenversicherung in einen anderen Tarif zu wechseln, wodurch dann auch die Beiträge sinken können. Mein Tipp: GKV plus private Zusatzversicherung. @1979b: "Die Betreuung durch die gesetztlich KV war ein Katastrophe! Um alles mußte man bitteln und betteln. Auch die Betreuung in Krankenhäusern war für einen so sehr kranken Mensch nicht tragbar. Psyschologische Unterstützung zu bekommen war schier nicht möglich. Das eine Heilung nicht möglich war, war leider weitestgehend absehbar - aber muß man einen kranken Menschen in dieser entsetzlichen letzten Lebensphase so hängen lassen???" Glauben Sie, daß das in der PKV besser ist? - Ziel jeder PKV ist es, Gewinn zu erwirtschaften, sie kann also auf niemals günstiger sein, als die GKV, erst recht nicht, wenn man betrachtet, daß alle Behandlungen zum 2,3-fachen Satz abgerechnet werden. Das PKV-System funktioniert nur deshalb, weil die PKVen Rosinenpickerei betreiben, sprich: Sie picken sich die jungen Gutverdiener heraus, locken diese mit einem zunächst günstigen Beitrag und besseren Leistungen. Sobald jedoch die Familiengründung ansteht und der Versicherte älter wird, wirds richtig teuer. -
Yakkmilch
Donnerstag, 05.01.2012, 15:55 Uhr im übrigen... Krankenkasse: Wir erklären, wann sich ein Wechsel wirklich lohnt. wir ist gmx... oder irgendeine schreibbude.... das ist nicht unbedingt das was auch zu 100% der unumstösslichen wahrheit entspricht... es sind lediglich meinungen einiger redakteure... wie bei fast allen artikel. komischerweise glauben die leute oft immer das das was da steht auch der absoluten wahrheit entspricht... dabei sind es lediglich meinungen einiger weniger personen -
Yakkmilch
Donnerstag, 05.01.2012, 15:42 Uhr sorry... 5 leute bedienen sich sollte es heissen -
Yakkmilch
Donnerstag, 05.01.2012, 15:41 Uhr In der sog. familienversicherung der GKV sehe ich die gefahr, das sie das system ausblutet. bsp: ein familienvater.... 25.000 euro bruttogeh. pro jahr, mit hausfrau und 2 kindern.... zahlt nur einen beitrag ..... richtig.... aber: einer zahlt ein... nicht sehr viel, weil ja nur der beitragssatz der krankenkasse auf 25.000 euro gerechnet wird.... ABER % LEUTE BEDIENEN SICH.... das kann sehr schnell zu einem kollaps führen. bei der privaten zahlt jeder seinen indiv. beitrag, was das system viel kalkulierbarer macht
Der Countdown zur EURO 2012 läuft...
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