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21.06.2012, 18:15 Uhr

Verfassungsgericht könnte Fiskalpakt und ESM verzögern

Berlin (dpa) - Die Zitterpartie um den europäischen Fiskalpakt und den Euro-Rettungsschirm ESM geht weiter. Nach langem Ringen schlossen Koalition, SPD und Grüne zwar einen Kompromiss, mit dem die Mehrheit im Bundestag gesichert sein dürfte. Doch Bundespräsident Gauck wird die Gesetze wegen drohender Klagen vorerst nicht unterschreiben.

Die Eurokrise zwingt unterdessen zu weiteren Krisensitzungen. In Luxemburg kamen die Finanzminister der Eurogruppe zusammen, am Freitag reist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Gesprächen nach Rom. Der Kurs des Euro fiel am Donnerstag wegen der Unsicherheit um den Euro-Rettungsschirm ESM wieder unter die Marke von 1,26 US-Dollar.

Dem Verfassungsgericht in Karlsruhe sind unter anderem von der Linkspartei Klagen und Verfassungsbeschwerden gegen Fiskalpakt und ESM angekündigt worden. Nach Angaben des Präsidialamtes bat Karlsruhe deshalb den Bundespräsidenten, von einer Ausfertigung der Gesetze zunächst abzusehen. Der Bundespräsident wolle dieser Bitte aus Respekt gegenüber dem Bundesverfassungsgericht stattgeben.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte dazu, Merkel habe niemals mit Gauck über die Frage und den Zeitpunkt der Ausfertigung der Gesetze zum ESM und zum Fiskalpakt gesprochen. "Anderslautende Behauptungen entsprechen nicht den Tatsachen." Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, der Entscheidung Gaucks sei heftiges Gezerre hinter den Kulissen vorausgegangen. Demnach wollte Gauck zunächst auf Drängen von Merkel die Gesetze unmittelbar nach der Abstimmung im Bundestag und Bundesrat unterzeichnen.

Praktische Auswirkungen dürfte eine mögliche Verzögerung aber zunächst aber nicht haben. Die EU-Kommission rechnet ohnehin damit, dass der ESM erst Mitte Juli seine Arbeit aufnehmen kann, da ihn viele Länder noch nicht ratifiziert hätten. In der Bundesregierung hieß es, ein Aufschub von Gaucks Unterschrift ändere nichts an der Absicht, dass der Bundestag ESM und Fiskalpakt am 29. Juni ratifiziere. Von anderer Seite war zu hören, man rechne allenfalls mit einer Verzögerung von wenigen Tagen. Bei dem von der Linkspartei angestrebten Eilverfahren gehe es zunächst nur darum, ob eine Klage überhaupt Aussicht auf Erfolg habe.

Merkel hatte sich vor der Wortmeldung aus Karlsruhe bei einem Treffen im Kanzleramt mit den Spitzen von SPD und Grünen auf die Einführung einer Finanztransaktionssteuer in Europa bis Ende 2012 und auf zusätzliche Wachstumsimpulse verständigt. Am Sonntag soll mit den Bundesländern eine Einigung erreicht werden. Damit wäre der Weg für die nötige Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat frei.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erwartet noch schwierige Verhandlungen zwischen Bund und Ländern. Die Länder fordern unter anderem eine Entlastung bei den Milliardenkosten für die Eingliederung von Behinderten. "Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass der Bund den Ländern Belastungen abnimmt", betonte Gabriel.

Der vereinbarte "Pakt für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung" ist zentrale Voraussetzung für ein Ja von SPD und Grünen im Bundestag. Die Regierung sichert zu, sich für die rasche Einführung einer Steuer auf Finanzmarktgeschäfte in Europa einzusetzen. Die Einigung sieht auch Vereinbarungen für Wachstumsimpulse, zusätzliche Investitionen und Arbeitsplätze in Europa vor.

Da eine Zustimmung aller 27 EU-Mitgliedsländer für eine Finanztransaktionssteuer nicht erreichbar ist, will die Regierung beim EU-Gipfel Ende nächste Woche die Einführung einer solchen Steuer in weniger Ländern beantragen. Dafür sind mindestens neun EU-Länder notwendig. Das Gesetzgebungsverfahren auf europäischer Ebene solle "möglichst bis Ende des Jahres 2012 abgeschlossen werden" können. Negative Folgen für die Altersversorgung, Kleinanleger und Realwirtschaft sollen vermieden werden, ebenso Ausweichreaktionen.

Die Finanzminister der Eurozone kamen am Donnerstagnachmittag in Luxemburg zu einer Sitzung zusammen. Dort sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos, die Regierung in Madrid werde ihren offiziellen Antrag auf europäische Milliardenhilfen erst in den nächsten Tagen stellen. Zunächst müssten die Ergebnisse zweier unabhängiger Untersuchungen über den Bankensektor abgewartet werden. Die Eurogruppe hatte bereits Hilfen von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt - der genaue Betrag steht aber noch nicht fest.

In Luxemburg sollte auch über die Lage in Griechenland nach Bildung der neuen Regierung unter Antonis Samaras gesprochen werden. Wie es aus Athen hieß, will Griechenland für eine Lockerung der harten Sparauflagen werben. Athen will angesichts des Niedergangs seiner Wirtschaft zwei Jahre mehr Zeit für die Umsetzung. Zudem soll die Rückzahlung der Hilfen statt 2015 erst 2017 beginnen.

Am Freitag wollen die Spitzen der vier größten Volkswirtschaften der Eurozone in Rom nach Lösungen für die Schuldenkrise und die Rettung Griechenlands suchen. Italiens Regierungschef Mario Monti hat Bundeskanzlerin Merkel, den neuen französischen Präsidenten François Hollande und den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zu einem Vierer-Gipfel eingeladen.

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167 Meinungen zu "Wird Fiskalpakt verzögert?"

  • Kohjur
    Montag, 25.06.2012, 17:42 Uhr
    Die Euro & Staatsschuldenkrise droht zu einer Krise der Demokratie zu werden. Das höchste Gut des Bürgers, Demokratie und Freiheit, wird auf dem Weg in eine EU Diktatur von unserer Politik mit Füßen getreten. Dabei haben Diktaturen in der Vergangenheit bis in jüngster Gegenwart nichts als Not, Elend und Ruin hervorgebracht. Den „Euro“ und viele damit einhergehende Versprechen hat man uns bereits undemokratisch aufdiktiert. Unsere Errungenschaften sollten es uns wert sein sich hierfür mit einer Verfassungsbeschwerde, an die jeder Bürger kostenlos bei „Mehr Demokratie e.V.“ unter: http://verfassungsbeschwerde.eu/home.html teilnehmen kann, einzusetzen. Daher Volksentscheid zum Euro-Rettungsschirm ESM und Fiskalvertrag! Weitere Informationen und Aktionen zum ESM und Fiskalvertrag unter: http://www.mehr-demokratie.de/ http://www.steuerzahler.de/ http://buendnis-buergerwille.de/ http://www.abgeordneten-check.de/
  • ronja1
    Freitag, 22.06.2012, 13:27 Uhr
    wie schon beim Rettungsschirm für Griechenland,dürfte die Mehrzahl der Abgeordeneten vom eigentlichen Theme keine Ahnung haben.Sie folgen wie die Lemminge einfach dem Fraktionszwang. Die Wenigen mit Ahnung,oder besser von der Lobby eingeimpften Meinung,geben wohl den Takt an..mit dem Fiskalpakt befinnt der Totengesang auf Europa. Wie schon Hier angemerkt..sollte sich jeder Bürger mal dieses Interwie ansehen. http://www.youtube.com/watch?v=WTW49tr-mNE und sich dann eigene Gedanken machen..aber ebenso auch jeder Politiker. besser wäre auch..einen ganzen Tag,auf allen Kanälen und ohne Werbung...Ich weis..klingt hart..aber wie soll ansonsten der Bürger aufwachen aus seiner gelebten Polit-Lethargie
  • denkedochnach
    Freitag, 22.06.2012, 12:29 Uhr
    @Imrahiel S. 22 Links: ESM ( original Vertragstext zum nachlesen.): http://www.taxpayers-europe.com/images/stories/pdfneu/esm_vertrag.pdf Schreibt an den Bundestagsabgeordneten Eures Wahlkreises eine Mail über Abgeordneten-check. http://www.abgeordneten-check.de/kampagne/69-stoppt-eu-schulden-und-inflationsunion-esm-vertrag.html Petition: https://epetitionen.bundestag.de/ Hier rechts oben als Suchwort eingeben: ESM Dort gibt es zwei Petitionen zum ESM. Unterzeichnet diese Petitionen! Verfassungsbeschwerde: http://www.verfassungsbeschwerde.eu/jetzt-handeln.html dort klicken auf: Verfassungsbeschwerde hier ausdrucken --------------------------- Genau. Schreibt über abgeordneten-check.de an die Bundestagsabgeordneten, unterzeichnet die ESM-Petitionen beim Bundestag, schließt Euch der Verfassungsbeschwerde an.
  • denkedochnach
    Freitag, 22.06.2012, 12:27 Uhr
    @Imrahiel S. 22 Demokraten leistet Widerstand – Stoppen WIR den ESM/ das Finanzermächtigungsgesetz jetzt! Für ein demokratisches und solidarisches Europa! ------------------------------------ Ganz genau. Dieses Ermächtigungsgesetz darf nicht in Kraft treten. Widerstand jetzt. Schreibt Leserbriefe. Redet mit Bundestagsabgeordneten. Unterzeichnet Petionen, Verfassungsbeschwerden usw.
  • denkedochnach
    Freitag, 22.06.2012, 11:57 Uhr
    "Für die Wahrheit! Überführt die Lügenbande! Für Demokratie und Rechtsstaat! Verfassungsklage jetzt." http://www.verfassungsbeschwerde.eu/
  • denkedochnach
    Freitag, 22.06.2012, 11:55 Uhr
    @Libi Seite 21 Ich bin der Meinung, dasß das Bundesverfassungsgericht ein Eigentor geschossen hat. Es hat den Eindruckerweckt, daß es das Gesetz zurückweisen könnte. Dazu ist zu sagen: Gegen ein Gesetz kann mW. nur geklagt werden, wenn es existiert. Solange der Herr Bundespräsident das Gesetz nach der Raifizierung im Bundestag nicht unterzeichnet, ist es nicht rechtsfähig. ------------------------------------ Das hängt wohl damit zusammen, dass das Ermächtigungsgesetz ESM dann Rechtskraft gegenüber der EU erlangt, wenn der Bundespräsident das Machwerk unterzeichnet hat und es in Brüssel hinterlegt wurde. Das will das BVerfG verhindern.
  • MjFanNr1
    Freitag, 22.06.2012, 11:50 Uhr
    ...... Beim ESM fehlen rechtsstaatliche Grundsätze, es fehlt demokratische Legitimation (z.B. ist niemand im ESM vom Volk gewählt), es fehlt die Kontrolle ... da sitzen dann griechen spanier italiener und andere die pleite sind drin und wir deutschen sehen zu wie die unser geld unter sich aufteilen ;) ........
Hartmut Mehdorn

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